Die Gründerszene ist eine Männerdomäne. Wirklich? Laut Gründungsmonitor 2014 sind bei Gründungsprojekten im Nebenerwerb Frauen und Männer etwa gleich stark vertreten. Beim Vollerwerb sieht es allerdings schon anders aus. Nur jede dritte Gründung in Vollzeit wird von einer Frau umgesetzt. Und in der grünen Gründerszene sind Frauen anscheinend noch weniger vertreten, denn bei den über 60 Start-ups im Bereich Cleantech, Energiewende und Klimaschutz, die wir bisher im Climate-KIC Accelerator gefördert haben, sind kaum Gründerinnen zu finden. Mit dem Start der aktuellen Förderphase am 1. April haben wir wieder eine Quotenfrau in der Green Garage. Julia Römer hat die Idee hinter dem Start-up Coolar entwickelt. Coolar arbeitet an einem neuartigen Kühlsystem, das anstatt mit Strom durch (solare) Wärme betriebenen wird, sodass eine CO2-neutrale und netzunabhängige Kühlung von Medikamenten und Lebensmitteln möglich ist.

Inzwischen besteht das Coolar-Team aus 8 Personen, darunter 4 Frauen. Diese Frauenquote ist allerdings bei Start-ups, insbesondere in der Green Economy eine Seltenheit. Die Autoren des Gründungsmonitor vermuten, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine entscheidende Rolle dabei spielt – ein Zielkonflikt, von dem nach wie vor Frauen stärker betroffen sind als Männer. Ein Grund, der die Situation insbesondere in der Green Economy verschärft, könnte der primär technische Ansatz der Geschäftsmodelle sein. Ich wollte es genauer wissen und habe daher Julia gefragt, wie sie die Situation als Frau in der Gründerszene erlebt und einschätzt:

Coolar TeamWas hat dich dazu bewegt, bei der Unternehmensgründung von Coolar mitzuwirken?

Die Coolar-Idee hat sich während der Climate-KIC Summer School „The Journey“ im Jahr 2012 entwickelt und viel Zuspruch bekommen. Ich habe dann direkt im Anschluss meine Masterarbeit über die technische Machbarkeit eines solchen Kühlschrankes geschrieben. Mich hat die Idee einfach nicht mehr losgelassen und so habe ich quasi mit der Abgabe der Arbeit zusammen mit meinem Kommilitonen Arno Zimmermann das Coolar-Projekt ins Leben gerufen.

Hast du bei deiner bisherigen Mitwirkung an Coolar gemerkt, dass du eine von sehr wenigen Frauen in der grünen Gründerszene bist?

Mir ist aufgefallen, dass es um mich herum mit der Zeit immer weniger Frauen geworden sind. Bei der Summer School waren wirklich viele tolle Frauen mit dabei. Im Greenhouse wurden es dann schon weniger und im Accelerator ist mir bisher noch keine andere Frau aus einem anderen Team aufgefallen. Je weiter wir den Weg mit Coolar gehen, desto mehr lichtet sich das Bild um uns herum. Aber zumindest in unserem Team haben wir eine gute Mischung.

Warum denkst du, gibt es generell weniger Frauen, die Start-ups gründen bzw. mitgründen?

Ich weiß gar nicht ob das ein generelles Phänomen oder vielleicht ein besonderes Problem der Tech-/ Cleantech-Branche ist. Wir sind ja auch viel im Social-Startup-Bereich unterwegs und da gibt es sogar fast mehr Frauen als Männer bzw. zumindest ist das Verhältnis 50/50. Es gibt einfach generell immer noch zu wenige Frauen im Tech-Bereich – das habe ich schon während meines Wirtschaftsingenieur-Studiums gemerkt. Das ist schade und sollte sich meines Erachtens dringend ändern!

Siehst du bestimmte Vor- oder Nachteile, die Frauen für die Gründung eines Unternehmens mitbringen?

Ich glaube, dass man als Frau einfach eine etwas andere Herangehensweise an bestimmte Problemstellungen hat und ich bin mir sicher, dass es immer gewinnbringend ist, ein gemischtes Team zu sein. Ich würde jetzt keine generellen Vor- und Nachteile formulieren, dafür habe ich bisher einfach zu wenige Erfahrungen in dem Business gesammelt. Aber ich finde es sehr wichtig, mehr Frauen zur Gründung eines eigenen Unternehmens zu motivieren, damit sie mit ihren Ideen und Vorstellungen die (Cleantech-)Welt revolutionieren können!

Hast du eine Idee, wie es zu einer größeren Frauenpower in der Gründerszene kommen kann – insbesondere im Bereich Cleantech, Energiewende, Klimaschutz?

Ich finde es vor allem erstmal wichtig, mehr Frauen in die Tech-Branche generell zu bekommen. Sie zu motivieren eine naturwissenschaftlich/ technische Karriere anzustreben. Und das muss meines Erachtens schon im Kindergarten anfangen, wir müssen mehr Vorbilder schaffen und Rollenbilder verändern. Wenn im (Clean-)Tech-Bereich mehr starke Frauen unterwegs sind, dann bin ich mir sicher, wird sich auch die GründerInnenszene entsprechend verändern!

Vielen herzlichen Dank Julia, für das Interview!