Zum Ende des Jahres 2015 wird die globale Landwirtschaft circa 7,3 Milliarden Menschen mit pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln versorgen müssen. Von vielen noch unbemerkt steht die weltweite Agrarproduktion dabei gerade vor einer notwendigen und flächendeckenden Revolution – einer Flucht nach oben.

Verschärfte Flächen- und Wasserkonflikte durch wachsende Weltbevölkerung

Der rasante Anstieg der Weltbevölkerung, der auch in Zukunft weiter exponentiell zunehmen wird, hat dazu geführt, dass die Landwirtschaft zum einen weitere Anbauflächen urbar machen und diese gleichzeitig intensiver nutzen musste. Die Folgen dieser Entwicklung sind offenkundig. Auf Grund des großen Flächenbedarfs der herkömmlichen landwirtschaftlichen Anbaumethoden wird es künftig zu immer größeren Flächennutzungskonflikten kommen, da Prognosen zufolge bis zum Jahr 2100 insgesamt 10 bis 13 Milliarden Menschen Wohnraum und die natürliche Flora und Fauna ebenfalls viel Raum benötigen werden um zu überleben. Allein um diese Zahl an Menschen mit den gängigen ackerbaulichen Methoden zu ernähren, würde eine zusätzliche Landfläche von der Größe Brasiliens auf der Erde benötigt werden. Zusätzlich zum verursachten Raumstress verbraucht die herkömmliche Landwirtschaft 70% des globalen Trinkwassers – und das in Zeiten in denen auf der ganzen Welt Wasserknappheit herrscht. Die Grundfläche und Ressourcen des blauen Planeten sind also reichlich aus- vielleicht sogar bereits überlastet. Was also ist zu tun?

Vertical Farming spart Platz sowie bis zu 98% Wasser und 60% Dünger

Vertical Farming für ZuhauseDie Technologie des „Vertical Farming“ (zu Deutsch: vertikale Landwirtschaft) tritt den „Lösungsweg“ nach oben an. Anstatt die Anbaubereiche in der Fläche auszubauen orientiert man sich in die Höhe. Auf gleicher Fläche werden Pflanzen auf mehreren übereinander liegenden Ebenen angebaut. Um neben Raum auch Ressourcen einzusparen sind die Anbausysteme in der Mehrzahl der Fälle geschlossen. Das bedeutet, dass die Kultivierung unter kontrollierten Umweltbedingungen (Licht, Temperatur, Nährstoffe, Bewässerung, Belüftung) geschieht. Der Wasserverbrauch lässt sich auf diese Art und Weise um bis zu 98%, der Düngermitteleinsatz um bis zu 60% verringern.

Ideale Wachstumsbedingungen fördern Effizienz

Basierend auf den so herbeiführbaren idealen Wachstumsbedingungen führt diese Methodik dazu, dass Pflanzen vollkommen unabhängig von Klimazone, Jahres- und Tageszeiten sowie Bodenverhältnissen gezogen werden können. Noch dazu können dank der eingesetzten hocheffektiven Techniken (z.B. im Bereich Bewässerung, Beleuchtung oder Steuerung) deutlich höhere Ertragsmengen und Wachstumsraten erzielt werden. So ist es möglich, bis zu 150mal so umfangreiche und zwei- bis dreimal so schnelle Ernten pro Quadratmeter einzubringen als bei den gängigen landwirtschaftlichen Anbaumethoden.

Erste Großprojekte in Japan und den USA – zentrale Vernetzung über die Münchner AVF

Die ersten größeren Vertical Farming – Projekte wurden in Japan und den USA gestartet. Mittlerweile entwickelt sich die Industrie exponentiell schnell. Der Trend ist längst auch in allen anderen Teilen der Erde angekommen.
Eine wichtige Rolle beim globalen Aufschwung der Technologie spielt die Association for Vertical Farming (AVF). Der gemeinnützige Verein mit Hauptsitz in München existiert seit 2013 und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein weltweit agierendes Netzwerk unter Firmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten aufzubauen, das den Austausch von Wissen und den Aufbau und die Durchführung von Projekten beschleunigt und vereinfacht. Im Mai 2015 gestaltete die AVF die erste internationale Konferenz zum Thema Vertical Farming. Bei dem „Association for Vertical Farming Summit 2015“ in Bejing trafen sich zahlreiche hochrangige internationale Vertreter der Branche und Politik um die Implementierung von neuen nachhaltigen Projekten voranzutreiben und sich über den Stand der Technik auszutauschen.

Climate-KIC Start-up agrilution setzt mit plantCube auf kleinere Anbausysteme

Die meisten der weltweiten Unternehmen und Vorhaben im Bereich der vertikalen Landwirtschaft konzentrieren sich auf große Maßstäbe. In ehemaligen Industriehallen oder auf Hausdächern werden auf ausgedehnten Flächen pflanzliche Lebensmittel generiert und dann an Handelsketten oder private Abnehmer vertrieben. In der größten Vertical Farm Japans werden heute beispielsweise täglich zehntausend Salatköpfe produziert.
Der Markt kleinerer Anbausysteme für den privaten Haus- oder kommerziellen Gebrauch ist noch sehr überschaubar. Hier kommen wir, mit unserem Münchner Start-Up agriution ins Spiel: Wir entwickeln den plantCube, eine automatische Mini-Farm in der Größe einer gängigen Waschmaschine. Diese bietet unseren Kunden (Haushalte, Restaurants, Büros, etc.) die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr eigene Kräuter, Salate und Gemüsesorten anzubauen und zu ernten. Die Pflanzen wachsen auf zwei Ebenen und werden dank modernster Steuerungs- und Sensortechnik sowie eines eigens entwickelten Betriebssystems fast vollautomatisch herangezogen. Den Kunden wird es möglich sein, sich das gewünschte Saatgut im Abonnement oder individuell ganz einfach online zu bestellen und dieses dann in Form von Saatmatten in das Gerät einzulegen. Die so erzeugten Lebensmittel erreichen aufgrund der idealen Wachstumsbedingungen im plantCube ein Optimum an Qualität, Geschmack und Nährstoffgehalt. Im Sommer 2015 werden wir erste Vorbestellungen entgegennehmen und nach Abschluss der letzten Tests direkt mit dem Vertrieb beginnen.

Umfangreiche Beratung für Vertical und Urban Farming

Neben dem Küchengerät bieten wir auch Beratungsleistungen im Bereich des Vertical oder auch Urban Farmings an. Dank des bei der Entwicklung des eigenen Systems gewonnen großen Wissensschatzes in puncto Technik, Biologie und Wirtschaftlichkeit können wir unseren Kunden profunde und umfassende Consulting-Dienstleistungen garantieren. Hierbei werden großräumige Projekte ebenso unterstützt wie Vorhaben kleineren Maßstabes.
Die beiden Gründer von agrilution, Maximilian Lössl und Philipp Wagner, werden bei Ihrer Arbeit von einem jungen, motivierten Team unterstützt, das ein gemeinsames Ziel eint: Lösungen für eine der größten Aufgaben unserer Zeit zu finden – der Zerstörung des Planeten Erde durch die Menschheit – und dabei eine „win-win-win-Situation“ zu generieren, von der die Welt, unsere Kunden und wir profitieren können. agrilution erhält zudem Unterstützung durch einen Beirat bestehend aus internationalen Experten im Bereich der vertikalen Landwirtschaft sowie einigen wissenschaftlichen Einrichtungen, die an der Optimierung des Systems mitwirken.

Die dritte landwirtschaftliche Revolution führt unweigerlich nach oben

Der Mensch hat bereits zwei landwirtschaftliche Revolutionen erfolgreich gestalten können. In der Steinzeit ging der Urmensch von einem Leben als Sammler und Jäger zu einer sesshaften Lebensweise als Bauer über. Viele Jahrtausende später gelang es der Menschheit im Zuge der Industrialisierung drastische Produktivitätssteigerungen der Agrarwirtschaft zu erzielen.
Nun ist es an der Zeit für eine dritte Revolution. Diese führt nach oben, in die Höhe. Nur mit Hilfe des Vertical Farmings wird es möglich sein die zukünftige Weltbevölkerung nachhaltig mit nährstoffreicher, gesunder Nahrung zu versorgen und die natürlichen Ressourcen der Erde zu schonen. Junge Projekte und Unternehmen haben diesen notwendigen Trend erkannt und streben danach die Anbauform und die mit ihr verbundenen Vorteile global flächendeckend und für jeden zugänglich zu implementieren.