Am 13. September 2016 ist bei Climate-KIC wieder Demo Day. Die Chance vor Investoren zu „pitchen“, soll als Teil des gesamten Accelerator-Programmes, den Start-ups einen ordentlichen Schub geben. Wir wollten wissen, ob dies bei den letztjährigen Gewinnern „Coolar“, „Ecoglobe“ und „agrilution“ gelungen ist und was aus den Start-ups geworden ist. Wir haben mit den drei Champions gesprochen und ihre Gründerstorys portraitiert:

Gewinner-Start-up „Coolar“

  Das Berliner Start-up Coolar entwickelt Kühlschränke, die mit Wärme anstatt mit Strom gekühlt werden. Konkret funktioniert das so: Das Wasser wird durch Solarthermie erwärmt und anschließend wird durch ein spezielles Adsorptionskältesystem die Kühlung erreicht.

„Das Besondere am Programm von Climate-KIC ist, dass es sich nicht nur um eine kurzfristige Auszeichnung handelt. Vielmehr sind die Start-ups über einen längeren Zeitraum dabei und haben so eine echte Chance, ihre Idee voranzutreiben“,

sagt Julia Römer, 30, Gründerin von „Coolar“.

1,5 Jahre ist „Coolar“ nun schon im Förderprogramm von Climate-KIC. Die Idee des stromlosen Kühlschranks passt gut zur größten europäischen Initiative für klimafreundliche Technologien: „Coolar“ produziert bis zu 10 mal weniger CO2-Emissionen und kommt ganz ohne umweltschädliche Stoffe aus. Auf diese Weise kann er jede Küche klimafreundlicher machen.

Gründerin Römer hat für „Coolar“ aber zunächst eine dringendere Aufgabe vorgesehen: Der alternative Kühlschrank soll in Gebieten mit unsicherer oder gar fehlender Stromversorgung – vorallem in ländlichen Regionen Afrikas und Asiens – zum Einsatz kommen, um dort Medikamente und Nahrungsmittel sicher zu kühlen.

„Viele Medikamente gehen jährlich durch falsche Kühlung kaputt“,

weiß Römer. Der vollkommen autarke „Coolar“ bietet für dieses Problem eine geeignete Lösung an.

Von der Möglichkeit, mit Wärme zu kühlen, erfuhr Julia Römer erstmals in ihrem Wirtschaftsingenieur-Studium. Später ging sie dem Verfahren in ihrer Masterarbeit genauer auf den Grund. Sie entwickelte die Idee für „Coolar“ und holte vier Mitstreiter an Bord. Noch an der Universität – der TU Berlin – erfuhr sie vom Climate-KIC-Förderprogramm. Römer bewarb sich mit Erfolg.

„Mit dem Gründerstipendium haben wir die Chance erhalten, Vollzeit an ‚Coolar’ zu arbeiten und das Produkt entscheidend weiterzubringen“,

erklärt Römer. Das Start-up durchlief alle Phasen des Förderprogramms, von der Erstberatung in der frühen Gründungsphase bis hin zu der Frage, wie man Investoren überzeugt und erste Kunden anspricht.

Für „Coolar“ ist die offizielle Zeit bei Climate-KIC bald vorbei. In rund einem Monat sind sie dann Alumni. Vorher freut sich das Start-up aber über die Chance, ihre Idee vor den Investoren, so unter anderem die Berliner Investitionsbank oder der High Tech Gründerfonds, auf dem Demo-Day am 13. September zu pitchen.

„Wir mögen solche Wettbewerbe sehr. Man ist gezwungen ist, seine Idee in kürzester Zeit genau auf den Punkt zu bringen. Und im besten Fall erhält man noch wertvolle Tipps aus der Jury“,

sagt Römer.

Blickt Römer auf die Zeit bei Climate Kic zurück, zieht sie folgendes Fazit:

„Die Zeit bei Climate KIC hat uns wahnsinnig vorangebracht und war einfach in vielerlei Hinsicht sehr wertvoll für uns. Wir können uns noch gar nicht vorstellen nicht mehr Teil des Programms zu sein und nicht mehr jeden Tag die anderen positiv verrückten Menschen von CKIC und den anderen Startups um uns zu haben. Ich kann jedem klimainnovativen Unternehmer nur empfehlen euch bei Climate KIC zu bewerben, wir würden es jedes Mal wieder machen!“

Gewinner-Start-up „Ecoglobe“

ECOGLOBE war rund ein Jahr Teilnehmer des Accelerator-Programms und hat beim Demo-Day im letzten Jahr den zweiten Platz gemacht.

„Der Climate-KIC Accelerator war insofern ganz entscheidend für die Ausrichtung von ECOGLOBE, weil wir während des Programms den Ansatz zu unserer Software „Building Optimizer“ konkretisieren konnten“,

sagt Tariq Kaddoura, 35, Gründer von ECOGLOBE.

Als Beratungs- und Softwareunternehmen hilft ECOGLOBE Unternehmen und Architekten dabei, ihre Projekte nachhaltiger zu gestalten – und dabei gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Dazu hat ECOGLOBE die Software „Building Optimizer“ entwickelt. Die Software findet unter Durchführung von Hunderten automatisierter Simulationen heraus, welche Investitionen bei einem begrenzten Budget den größten Einfluss auf Energieverbrauch, Komfort und Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes haben. Welche Kriterien berücksichtigt werden und welche Ziele genau erfüllt werden sollen, das entscheiden die Wünsche des Kunden.

Die Software basiert auf einem Algorithmus, der über sechs Jahre hinweg an der Technischen Universität Eindhoven entwickelt wurde.

„Mit dem Tool können wir wichtige Teile der technischen Gebäudeplanung übernehmen und dabei effizientere Lösungen als bei der klassischen Herangehensweise finden“,

verspricht Gründer Kaddoura.

Auf Climate-KIC aufmerksam wurde Kaddoura durch die Empfehlung eines Bekannten. Initial bewarb er sich mit einer ebenfalls von ECOGLOBE entwickelten energieeffizienten Wasseraufbereitungstechnologie und wurde erfolgreich ins Programm aufgenommen.

„Neben der finanziellen Unterstützung haben wir enorm von den Kontakten profitiert“,

sagt Kaddoura. Durch die Kooperation zwischen Climate-KIC und der TU Berlin kam sogar zustande, dass eine Pilotanlage der Wasseraufbereitungstechnologie auf einem Teil-Campus der TU Berlin in Ägypten installiert wurde. Sie läuft heute und liefert überzeugende Daten.

Was den Climate-KIC Accelerator laut Kaddoura auszeichne, sei der integrative Blick auf die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

„Ein Fokus nur auf Erneuerbare Energien oder Energieeffizienz sei beispielsweise zu kurz gegriffen, auch müssten Bereiche wie Landwirtschaft, Wassermanagement oder Mobilität ins Blickfeld rücken. Und genau diesen übergreifenden Ansatz verfolgt Climate-KIC“,

so Kaddoura. Die Teilnahme am Demo-Day kann Tariq Kaddoura jedem Start-up wärmstens empfehlen:

„Uns hat das damals einen richtigen Schub gegeben. Neben der Anerkennung für unsere Ansätze haben wir an diesem Abend hilfreiche Tipps und zahlreiche Kontakte mit nach Hause genommen.“

ECOGLOBE versammelt mittlerweile ein sechs-Mann starkes Team und ist mit dem „Building Optimizer“ vor wenigen Monaten an dem Markt gegangen. Auf die Frage, was die Nutzung der Software kostet, antwortet Kaddoura mit einem Verweis auf die Website des Unternehmens.

„Die Kosten können direkt auf unserer Website in Abhängigkeit der Gebäudefläche berechnet werden. Der Service ist definitiv günstiger als der herkömmliche Planungsweg und die erste Analyse eines jeden Projekts ist für den Kunden kostenlos“,

verspricht er.

Gewinner-Start-up „agrilution“

 Auch „agrilution“ aus München ist mittlerweile Alumni des Förderprogramms von Climate-KIC. Das Start-up bietet den „plantCube“ an, den Gewächsgarten für die eigene Küche. Das System funktioniert als „all-in-one-Lösung: Die Saat ist auf Matten gebettet und kommt daher völlig ohne Erde aus. Für die richtige Belüftung, Wasserzufuhr und Beleuchtung durch LED-Lampen ist automatisch gesorgt. Auf diese Weise wachsen die Pflanzen besonders schnell.

Außerdem wird auf mehreren Ebenen angebaut, wodurch der „plantCube“ das Prinzip des „vertical farming“ umsetzt.

Auch wer keinen grünen Daumen hat, kann sich so „idiotensicher“ die eigenen Kräuter und Salate hochziehen.

„Unser System bietet die idealen Anbaubedingungen und liefert deshalb Nahrungsmittel mit einem Optimum an gesunden Inhaltsstoffen und ganz ohne Pestizide“,

sagt Gründer Maximilian Lössl, 27.

Sein Kollege und er bewarben sich in einer sehr frühen Gründungsphase beim Climate-KIC-Accelerator und stießen mit ihrer Idee auf viel positive Resonanz. Denn der „plantCube“ ermöglicht einen weitgehend klimafreundlichen Anbau: Er verbraucht bis zu 95 Prozent weniger Trinkwasser und aufgrund der vertikalen Anordnung auch weit weniger Fläche als der herkömmliche Anbau von Nahrungsmitteln. Lediglich Strom benötigt das System. Da es so groß ist wie eine gängige Spülmaschine, passt es leicht in jede Küche. Was das Konzept von agrilution außerdem besonders macht, ist die digitale Vernetzung. So können sich die Hobbygärtner über eine App untereinander austauschen. Unter 1900 Euro soll das System kosten und ist damit immer noch kein Schnäppchen. Aber wer Wert lege auf Bio, für den werde sich das eigene Gewächshaus allemal rentieren, sagt Gründer Lössl.

Am Demo-Day wird Maximilian Lössl als Alumni auf der Bühne beim Sofa-Talk sitzen und mit weiteren ehemaligen Teilnehmern des Programms über das Thema Finanzierung sprechen. Einen Tipp an die aktuellen Teilnehmer hat er schon jetzt:

„Sich ruhig mal ein paar verschiedene Investoren anschauen“,

rät er. Denn:

„Man muss es ja einige Zeit miteinander aushalten und da sollte die persönliche Ebene stimmen.“

Aus der Zeit bei Climate-KIC nimmt Maximilian Lössl folgendes mit:

„Interessante Kontakte von Netzwerkveranstaltungen, eine super Unterstützung in der frühen Unternehmensphase mit dem Gründerstipendium und den ersten Preis der Climate KIC Venture Competition 2015!“