„Energieversorger und Stadtwerke haben mittlerweile verstanden, dass die Energiewende unumkehrbar ist. Deswegen haben sie auch ein großes Interesse daran, sich mit Start-ups wie uns über neue Geschäftsmodelle auszutauschen“, sagt Sebastian Schröer. Der 36-Jährige ist einer von drei Gründern des Berliner Start-ups Perto, das auch Mitglied im Accelerator-Programm von Climate-KIC ist. Das junge Unternehmen hat sich auf den Bereich Energieeffizienz spezialisiert. Es hilft Kunden dabei, alte elektrische Geräte im Haushalt möglichst einfach und kostengünstig auszutauschen. Perto schlägt eine geeignete Alternative vor und organisiert für die Kunden auch Installation und Inbetriebnahme des neuen Gerätes.

Deutsche Energie-Agentur bringt Berliner Start-ups nach Essen

Bei dem Geschäftsmodell von Perto werden auch Energieversorger und Stadtwerke aufmerksam. Im Zuge des sich ändernden Energiemarkts müssen sie sich neue Geschäftsmodelle überlegen, da mit dem herkömmlichen Geschäft – Stromerzeugung und -vertrieb – längst kein Geld mehr zu verdienen ist. Für den Austausch zwischen alter und neuer Energiewelt gibt es wohl keinen besseren Ort als die E-World, Europas größte Fachmesse für Unternehmen aus der Energiewirtschaft. Diese fand vom 7- bis 9. Februar in Essen statt.

Sebastian Schröer (rechts) und Mitgründer Frank Krischok von Perto

Perto und andere Berliner Start-ups aus der Energiebranche reisten vergangene Woche mit dem „Startup-Bus“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) von Berlin aus zur E-World. Los ging es früh morgens vom Roten Rathaus aus. Verabschiedet wurden die Start-ups unter anderem von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. „Die Berliner Start-up-Branche hat das Potenzial, mit innovativen Ideen und digitalen Geschäftsmodellen einen wichtigen Beitrag für die Energiewende zu leisten“, sagte Pop.

Das Ziel des Startup-Busses erklärte dena-Chef Andreas Kuhlmann so: „Mit dem dena-Startup-Bus und dem damit verbundenen Programm wollen wir Startups, die mit ihren Geschäftsideen zum Gelingen der Energiewende beitragen, unterstützen und auf deren innovative Tätigkeiten aufmerksam machen.“

Beherrschende Themen der diesjährigen E-World waren die Digitalisierung der Energiebranche und die damit verbundenen Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle. Mit 710 Ausstellern aus 30 Nationen zeigten so viele Unternehmen ihre Lösungen für die Zukunft der Energiebranche. Von der Energie-Erzeugung über Handel, Transport und Speicherung bis hin zu Effizienz und Smart Energy reichte das Angebot. Rund 25.000 Fachbesucher, ein Plus von vier Prozent, aus 74 Nationen nutzten die E-world, um sich zu informieren, neue geschäftliche Kontakte zu knüpfen und zu netzwerken.

Aufbruchstimmung bei Energieversorgern und Stadtwerken

Sein Geschäftsmodell setzt das Start-up Perto bereits mit Heizungs(umwälz)pumpen um. Die Kunden laden ein Bild ihrer alten Umwälzpumpe in der Online-Maske auf der Homepage von Perto hoch und bekommen daraufhin einen Vorschlag zugesandt. Installation und Inbetriebnahme der neuen Pumpe organisiert Perto ebenfalls für die Kunden. „Der Austausch ineffizienter Heizungspumpen durch moderne Hocheffizienzpumpen kostet nur ein paar Hundert Euro und rentiert sich meist bereits nach ein bis drei Jahren“, sagt Schröer. Die Bundesregierung fördert den Tausch mit 30 Prozent der Nettokosten. Perto arbeitet derzeit daran, seinen Kunden auch den Austausch anderer elektronischer Geräte anzubieten. „Dafür erweitern wir gerade unsere Datenbank“, sagt Schröer. Es braucht zum Beispiel Informationen zu den einzelnen Herstellern und der Effizienz der Geräte.

Christian Chudoba von Lumenaza

Energieversorgern und Stadtwerken bietet Perto seine Dienstleistungen als „Rund-um-Paket“ und als White-Label an. „Die Kunden eines Versorgers bemerken gar nicht, dass wir von Perto dahinter stehen“, sagt Schröer. Ein Versorger hat aber schon explizit darauf bestanden, die Zusammenarbeit mit Perto ganz offen zu kommunizieren. „Es kann für die etablierten Versorger ja auch von Vorteil sein, den Kunden zu zeigen: Wir arbeiten mit jungen, innovative Unternehmen zusammen“, so Schröer.

Auf der E-World anwesend war auch Climate-KIC Alumni Lumenaza. Mit-Gründer Christian Chudoba reiste aus Zeitgründen zwar nicht mit dem Startup Bus der dena an. „Aber abends im Hotel hatten wir uns ausführlich mit den Start-ups ausgetauscht“, erzählt Chudoba. Das Berliner Start-up Lumenaza hat eine Software-Plattform entwickelt, die verschiedene Energiemarktteilnehmer wie Versorger, Produzenten, Verbraucher, Batterie- und Elektromobilbesitzer über einen digitalen Marktplatz miteinander verbindet. Damit soll der regenerativ erzeugte Strom vor Ort verbraucht werden. „Die Menschen erhalten dadurch Transparenz, das Geld bleibt vor Ort“, erklärt Chudoba. Auch für Lumenaza hat sich der Besuch auf der E-World gelohnt. „Wir hatten ein paar wirklich gute Gespräche.“

Was die Stimmung der Energieversorger betrifft, kommt Chudoba zu einer ähnlichen Einschätzung wie Sebastian Schöer: „Überall ist Aufbruch. Die etablierte Energieversorger reden nicht nur über neue Geschäftsmodelle, sondern wollen sie tatsächlich realisieren.“