Gespannte Erwartung lag in der Luft, als sich Start-ups, Journalisten, Förderer und Investoren am 27. September auf dem EUREF-Campus im spätsommerlichen Berlin versammelten. Der Grund: Auch in diesem Jahr hatten junge Cleantech-Start-ups die Gelegenheit, sich beim Climate-KIC Demo Day vorzustellen und zu überzeugen.

„Big News“ in der Welcome Keynote

Björn Grindberg, Climate-KICBevor es in die erste Pitch-Runde ging, erklärte Björn Grindberg, Regional Lead DACH bei Climate-KIC, mit Augenzwinkern die Spielregeln: keine großen Vorreden oder Panel-Diskussionen – Start-ups anhören, Start-ups treffen und dann in die Start-ups investieren. Im Anschluss verkündete er noch große Neuigkeiten in Form des kürzlich an den Start gegangenen Online-Investor Marketplace. Die größte Plattform für Cleantech-Start-ups ihrer Art baut auf der Dynamik des EIT-Programms Climate-KIC Accelerator auf und verbindet teilnehmende Start-ups mit Investoren (und Letztere auch untereinander). Nach einer kurzen Vorschau in die Plattform gab er den Staffelstab an Moderatorin Bianca Praetorius weiter.

15 Mal volle Cleantech-Power auf der Bühne

Von den 25 ausstellenden Start-ups pichten 15 in jeweils fünf Minuten auf der Bühne, warum die Welt sie braucht: Daphne Technology, EET – Efficient Energy Technology, envelio, Humphry Marine, KITRO, MeduSoil, node.energy, Nuventura, PAVE Group, PlanBlue, refurbed, Ridetronic, SIRPLUS, Tracks und TWAICE. Für die Zuschauer eröffnete sich eine enorme Bandbreite an klimafreundlichen Unternehmensideen: von Nanotechnologie für Schiffe, erneuerbare Energien und eBikes über Zement auf Mikrobenbasis, Food-Waste-Management und digitaler Baudokumentation bis hin zum Onlinemarktplatz für Refurbished-Geräte, Platooningservices für LKWs und Ozeankartierung.

Beeindruckend innovativ: envelio, KITRO und MeduSoil

Da war unter anderem Dr. Simon Koopmann, der mit seinem Start-up envelio ein Auge auf eine bessere Umsetzbarkeit der Energiewende geworfen hat. Neue Anlagen für erneuerbare Energien können bisher nur in langwieriger Handarbeit ans Stromnetz angebunden werden – wenn das bestehende Netz überhaupt ausreicht. Den zwei- bis acht-wöchigen Prüfprozess für neue Anlagen schafft die Intelligent-Grid-Plattform mal eben in weniger als 30 Sekunden. Durch Algorithmen auf Basis künstlicher Intelligenz werden neue Technologien in den Netzen nutzbar. Das bedeutet am Ende: Alles geht schneller, braucht weniger Baustellen und kostet bis 2020 rund 16 Milliarden weniger.

Anastasia HofmannGeld einsparen möchte auch Anastasia Hofmann – und nicht nur das: Mit ihrem Start-up KITRO sollen durch eine Automatisierung der Lebensmittelentsorgung für Kantinen und Restaurants Lebensmittelabfälle gemessen und reduziert werden. Bei acht Millionen Tonnen weggeworfenen Lebensmitteln am Tag packt ihre Idee nicht nur das Thema Food Waste an einer seiner tieferen Wurzeln, sondern macht Betriebe nachhaltiger und kosteneffizienter.

Und MeduSoil? Die haben Zement auf Mikrobenbasis für nachhaltigeres Bauwesen entwickelt. Sie wenden die weltweit erste Boden-Bioverstärkungstechnologie bei Mainstream-Bauvorhaben an. Dadurch werden Anwendungskosten reduziert, Anforderungen an die Ausrüstung minimiert und die langfristige Widerstandsfähigkeit gegen Ausfälle und Umwelteinflüsse erhöht. An großartigen Ideen mangelte es beim Climate-KIC Demo Day 2018 also nicht. 

Enway und Ridetronic brachten Bewegung in die Angelegenheit

Das galt nicht nur für die Pitches: Direkt vor der Kulisse des Gasometer Schöneberg konnten alle Besucher weiterstaunen, denn hier fuhr ein autonom fahrendes Reinigungsfahrzeug seine Runden. Entwickelt wurde die Technologie vom Berliner Mobility-Start-up Enway, das Spezialfahrzeuge wie Kehrmaschinen und Müllautos mithilfe von Kameras, Sensoren und Laserscanner navigieren lässt.

Gleich nebenan ging es bei Ridetronic auf zwei Rädern weiter: Auf den 13 kg leichten E-Bikes durfte mit und ohne elektrische Unterstützung durch die Gegend gekurvt werden. Dass es sich beim „TronicDrive“ überhaupt um ein E-Bike handelt, ist nur bei genauem Hinsehen zu erkennen: Akku und Motor sind in die Radnaben integriert.

Tolle Entwicklung von ersten Ideen bis zur Investorensuche

Das Zusammentreffen vieler Köpfe aus der Start-up-Szene wurde genutzt, um Feedback, Learnings sowie Tool-Empfehlungen für das eigene Business einzuholen – auch von den Start-up-Kollegen, die sich in unterschiedlich vorangeschrittenen Unternehmensphasen befinden: So testet refurbed (Onlinemarktplatz für generalüberholte Gebrauchtgeräte) gerade die Expansion ins Ausland, bei ImagineCargo (nachhaltige Lieferoptionen für E-Commerce-Geschäfte) wird an einer Betaversion geschraubt und SIRPLUS (Supermarkt mit Onlineshop gegen Lebensmittelverschwendung) möchte neue Filialen in Deutschland eröffnen und ein Franchise-Konzept auf den Weg bringen.

Wie motiviert die Accelerator-Teilnehmer voranschreiten, begeistert nicht nur die Gäste:

„Es ist großartig, die Entwicklungen mitzuerleben, welche die Start-ups in den 18 Monaten des Accelerator-Programms durchlaufen – vom ersten Businessplan bis hin zur Investorensuche mit konkreten Zahlen“,

so Meret Brotbek, Acting Director Climate-KIC DACH. Björn Grindberg zeigt sich ebenso erfreut:

„Die Bandbreite an technischen Innovationen hat dieses Mal eine ganz andere, größere Dichte. Die Start-ups sind sehr weit und haben alle einen Stand, der sehr interessant für Investoren ist – nicht irgendwann, sondern jetzt.“