Welche Länder werden in den kommenden zehn Jahren die meisten unternehmerischen Cleantech-Innovationen hervorbringen? Dieser Frage gingen die Studienautoren unter der Federführung von Michele Parad nach. Der Global Cleantech Innovation Index 2014 wurde gemeinsam vom WWF und der Cleantech Group erarbeitet und veröffentlicht. Wir wollten natürlich Europa und Deutschland weit vorne sehen. Schauen wir uns an, ob der Index diesen Wunschgedanken für realistisch hält…

Was untersucht der Global Cleantech Innovation Index?

Der Global Cleantech Innovation Index (GCI) betrachtet diejenigen Länder, in denen sich in den nächsten zehn Jahren höchstwahrscheinlich viele neue Cleantech-Unternehmen entwickeln werden. Hierzu wurden 40 Länder anhand von 15 Indikatoren bewertet. Wie gut eignen sich die bestehenden Rahmenbedingungen, um Start-ups zu gründen, um Innovationen in den Markt einzuführen und um das Wachstum von Cleantech-Unternehmen anzuheizen? Für weitere interessante Länder fehlten den Autoren leider die Daten.

Wer führt das Ranking an?

  1. Israel
  2. Finnland
  3. USA
  4. Schweden
  5. Dänemark
  6. Großbritannien
  7. Kanada
  8. Schweiz
  9. Deutschland
  10. Irland

Israel führt das internationale Ranking an. In Israel gibt es pro Einwohner die höchsten Anzahl von Start-ups. Im Land strotzt es geradezu vor Geschäftskompetenz, einem regen Unternehmergeist und viel Risikokapital. Dies spiegelt sich unter anderem in der hohen Anzahl von Umweltpatenten wieder. Insbesondere in der Frühphase unterstützt Israel Start-ups aus dem Bereich Cleantech, auch wenn die Gewinne, die diese Unternehmen abwerfen, noch klein sind.

Finnland hat es auf Platz zwei geschafft. Dort sind die Investitionen für Forschung und Entwicklung sehr hoch. Viele Umweltpatente und einige Top-Firmen aus dem Bereich Cleantech tragen zur guten Bewertung bei. Weniger erfolgreich ist das Land bei der gewinnbringenden Umsetzung solcher Innovationen: Finnlands Cleantech-Unternehmen erzielen nur durchschnittliche Gewinne.

Auf dem dritten Platz befinden sich die USA. In den Staaten gibt es eine gute Infrastruktur für erneuerbare Energien und weltweit das meiste Risikokapital. Eine gesunde, positiv denkende Unternehmerkultur, große Innovationskräfte sowie viele führende Firmen aus dem Bereich Cleantech unterstreichen die hohe Platzierung. Von Seiten der Politik gibt es allerdings keine besonders große Unterstützung, und auch der Anteil erneuerbarer Energien ist in den USA eher gering, was unter anderem an niedrigen Energiepreisen durch die Schiefergasproduktion liegt.

Aus Europa sind sieben Länder unter den weltweiten Top 10. Deutschland ist jedoch nur auf dem neunten Platz angesiedelt. Worauf kommt es denn bei der Platzierung an?

Welche Faktoren ermöglichen ein gutes Innovationsklima?

  • Wohlstand: Auch wenn sich im oberen Bereich des Rankings große wie kleine Länder befinden, so verfügen sie doch alle über einen gewissen Wohlstand. Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt der oberen Hälfte ist doppelt so hoch wie das der unteren. Insgesamt sind die ökonomischen Rahmenbedingungen außerordentlich wichtig, was sich auch am Beispiel Griechenlands zeigt. Das Land hat den vorletzten Platz nicht zuletzt seiner strengen Austeritäts-Poliltik zu verdanken.
  • Größe: Aber auch die Größe eines Landes ist entscheidend. Das Wachstum von Start-ups ist in Ländern wie Brasilien, China und Indien aufgrund der großen Heimatmärkte deutlich leichter als in kleinen Volkswirtschaften. Selbst das in der Frühphase sehr erfolgreiche Israel, die Nummer 1 des Rankings, erzielt mit seinen Cleantech-Unternehmen nur geringe Gewinne. Eine große Ausnahme bildet hier Dänemark, das im Verhältnis zu seiner ökonomischen Größe eine außerordentlich hohe Anzahl börsennotierter Unternehmen hervorgebracht hat.
  • Nöte: Eine große Innovationskraft im sehr praxisnahen Sinne ensteht aus ökonomischen und sozialen Zwängen. Länder mit einer großen und stark wachsende Bevölkerung wie China, Indien und Brasilien haben mindestens ebenso große Probleme mit Luft- und Umweltverschmutzung. In ihrem Bestreben, allgemeinen Wohlstand für weite Teile der Bevölkerung zu schaffen, bleibt den Ländern gar nichts anderes übrig, als auf erneuerbare Energien und andere saubere Technologien zu setzen. Noch nehmen diese Länder keine besonders hohen Plätze im Ranking ein, verfügen jedoch über ein enormes Entwicklungspotenzial.Tatsächlich hat China (Platz 19) bereits jetzt die größte Anzahl von Cleantech-Fonds weltweit und es ist zu erwarten, dass Chinas absolute Investitionssumme die der USA in den nächsten Jahren übersteigen wird.
  • Unternehmerkultur: Viele der gut platzierten Länder, wie Schweden, die Schweiz, Kanada oder die USA, unterliegen nicht den zuvor genannten Zwängen. Hier ist die Triebkraft nicht unbedingt eine soziale Notwendigkeit, sondern beruht vielmehr auf einer Wertschätzung des Unternehmertums an sich und der damit verbundenen Verbesserung des Einkommens. Auch die Unabhängigkeit von ausländischen Energielieferungen ist ein wichtiger Aspekt. Unternehmensgründungen werden aktiv unterstützt, und zwar mit direkten Leistungen wie auch in der Ausbildung von Fachkräften und dem Aufbau von Unternehmens-Netzwerken.
  • Infrastruktur, F&E und Standards: Um im Innovationsbereich Cleantech erfolgreich zu sein, ist es hilfreich, lokale Stärken zu nutzen. Eine gute Energie- und Transport-Infrastruktur sowie günstige politische Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung schaffen günstige Voraussetzungen. Auch hohe Effizienz-Standards und politisch abgesicherte Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sind hilfreich.

Diese Einspeisevergütungen haben unter anderem dafür gesorgt, dass Deutschland über die drittgrößte Anzahl börsennotierter Unternehmen im Bereich Cleantech verfügt. Heute aber wird genau diese Stellschraube gedrosselt.

Die Ergebnisse für Deutschland sind aufschlussreich

In Deutschland sind eigentlich alle Faktoren gut für Cleantech-Innovationen. “Nur” bei generellen Innovationstreibern sind wir nicht mehr als Mittelmaß. Es gibt zwar eine gute Innovationsförderung, jedoch fehlt noch immer die positive Einstellung zum Unternehmertum und zur Frühphasen-Entwicklung der Start-ups. Nicht hilfreich ist zudem die in Deutschland weit verbreitete Sicherheitsdenke. Wir sollten lieber ermutigen und Dinge wagen, statt uns allzu betont auf Sicherheit zu setzen. Eine andere als eingeübte Unternehmerkultur kann man eben nicht einfach so aus dem Hut zaubern.

Und was ist mit den anderen?

Auch bei den weniger gut platzierten Ländern, zum Beispiel Indonesien auf Platz 34, tut sich einiges. In dem Inselstaat gibt es beispielsweise die größte Frühphasen-Gründeraktivität weltweit, dicht gefolgt von der Türkei und Brasilien.

Auch vermeintliche Nachzügler, wie Russland oder Saudi-Arabien, fangen an, Strukturen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung auf den Weg zu bringen und stark in erneuerbare Energien zu investieren.

Die Anzahl der Patente im Bereich Cleantech hat sich in den 40 Ländern von 2008 bis 2011 fast verdoppelt. Immer mehr Rentenfonds und andere Großinvestoren ziehen ihre Gelder aus Anlagen in fossile Energieträger zurück. Von einer Nische für einige wenige Risikoanleger hat sich der Bereich saubere Technologie mittlerweile auf alle Wirtschaftsbereiche ausgedehnt. Ob Gesundheitswesen, Lebensmittel, Elektronik, Chemie oder Einzelhandel – überall ist Raum für Ressourcen- und Energie-Effizienz.

Fazit

Die Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien verläuft rasant, und die Preise für erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren stark gesunken. Dennoch werden fossile Energieträger nach wie vor höher subventioniert als erneuerbare. Die meisten Länder produzieren darüber hinaus nach wie vor deutlich mehr als 70 Prozent ihrer Primärenergie mit fossilen Rohstoffen.

Keines der 40 untersuchten Länder erreicht Top-Werte in allen Bereichen. Viele müssen stark in Forschung und Infrastruktur investieren sowie für ein besseres Gründerklima und eine gute Ausbildung für Innovatoren sorgen.

Am wichtigsten jedoch scheint mir die Notwendigkeit zur internationalen Zusammenarbeit zu sein. Kleine Länder, die häufig besonders innovativ sind, und große Länder, die Stärken bei der kommerziellen Verwertung innovativer Ideen haben, können ihre Ziele gemeinsam besser erreichen. So können sich die einzelnen Nationen auf ihre jeweiligen Stärken besinnen und ihre Schwächen durch Kooperationen kompensieren.