Kennen Sie den gemeinsamen Nenner aller Start-ups? Nahezu alle versuchen, für Investoren interessant zu werden und sind auf der Suche nach Investoren. Nur mit Kapital kann ein skalierbares Jungunternehmen schnell groß genug werden. Worauf aber achten jene umworbene Investoren im Cleantech-Bereich? Und wie findet man diese überhaupt?

Um mehr Licht in die undurchsichtige Welt risikofreudiger Investoren zu bringen, habe ich mit dem CEO des Ecosummit telefoniert. Seit 2010 organisiert Jan Michael Hess in europäischen Metropolen Konferenzen, um Investoren mit aufstrebenden Cleantech-Start-ups zusammenzubringen. Das nächste derartige “Ecosummit” findet am 26. und 27. April 2016 in Berlin statt. Von den Climate-KIC Start-ups stellen sich dort Julia Römer (Coolar), Christopher Neumann (Prosumergy), Florian Stock (MotionTag), Gary Lewis (Pendula) und Dr. Hendrik Schaede (Orkess) vor, die allesamt für den ECO16 Award nominiert worden sind.

Drei Investoren-Arten sollte man kennen:

  1. Business Angel („Unternehmens-Engel“). BAs investieren ihr eigenes Geld und bringen sich oft auch durch Mentoring in die Jungunternehmen ein.
  2. Venture Capitalist. VCs sammeln Geld ein, investieren und versprechen, aus dem Pool ihrer Investoren hohe Renditen zu generieren. Diese Beteiligung ist rein finanzieller Natur.
  3. Corporate Venture Capitalist. Auch für CVCs geht es um Rendite und zugleich um strategische Ziele der Muttergesellschaft.

Wo findet man Cleantech-Investoren?

Das ist nicht einfach, weil viele Investoren verdeckt arbeiten. Hier kommt die bereits festgestellte Bedeutung von Netzwerken wieder ins Spiel, die man in Acceleratoren aufbauen kann.

Ein paar der Orte kann ich hier benennen: Es gibt regionale Anlaufstellen wie den Business Angels Club Berlin-Brandenburg e.V. Auch gibt es zentrale Anlaufstellen wie das BAND “Business Angels Netzwerk Deutschland”. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) bietet einen Speed-Pitch. INNEON ist auf EU-Ebene ein Netzwerk für Öko-Innovationen.

Eine weitere gute Möglichkeit, sich zu präsentieren, ist der Ecosummit. Die begehrte Bühne erklimmen junge Cleantech-Unternehmen, die Jan Michael länger kennt und beobachtet hat. Auch die Sponsoren der Veranstaltung bringen “ihre” besten Start-ups mit. Ebenso kann die Bewerbung für den Ecosummit Award den Weg auf die große Bühne frei machen.

Erfahrungsgemäß investieren Europäer in Europäer. Asiaten oder Amerikaner investieren bislang selten in Europa. Anders verhält es sich beispielsweise bei Start-ups, die auf den chinesischen Markt wollen und bereits ausgereifter sind.

In welcher Phase investiert wer?

Je nach Entwicklungsphase des Start-ups wird eine Investition unterschiedlich benannt:

  • “Early Stage” ist die Investition in ganz frische Start-ups
  • “Late Stage” ist die Investition in reifere Start-ups

Als erstes, sprich mit dem größten Risiko, investieren Business Angels in Start-ups. Meist ist es üblich, dass sich “Syndikate” aus mehren der investierenden “Engel” bilden. Diese verabreden gleich weitere Investitionen in späteren Runden, sofern sich das Start-up gut entwickelt. Zu einem früheren Zeitpunkt ist das Risiko höher. Das Start-up ist deshalb noch weniger wert. Investoren wollen in diesem Fall meist höhere Anteile am Unternehmen halten. Einen Business-Angel zu überzeugen, ist für viele Jungunternehmen einer der ersten großen Meilensteine. Ein erfolgreiches Start-up durchläuft immer mehrere Finanzierungsrunden.

Erst danach kommt der Hightech-Gründer-Fonds mit seinem Standard-Deal ins Spiel. Dort wird nach einer standardisierten Bewertung beispielsweise ein Betrag von € 600.000 freigegeben. Später in einem “Late Stage” steigen auch die Chancen bei VCs, den Venture Capitalists wie ECapital, Munich Venture Capital, Corporates mit einer Investionsabteilung oder die IBB. Diese bieten dann jedoch auch größere Summen an.

Worauf achten Cleantech-Investoren?

  • Gründerteam: Es kommt auf die Business-Erfahrung und das Auftreten der Gründer an. Wer bereits Erfolge hatte und bereits ein oder mehrere Unternehmen aufgebaut hat, dem wird viel mehr zugetraut als Studienabgängern beim ersten Versuch, Unternehmer zu werden. Wer von der Uni kommt, der sollte ein “High-Potential” sein. Ob man dieses hohe Potenzial allen Ernstes an Noten messen kann, ist mir schleierhaft. Gründerteams können auch aus einer Kombination jüngerer und älterer Entrepreneurs bestehen.
  • Cleantech-Investoren finden es immer interessant, wenn eine Firma bereits Umsätze macht – wenn also das Produkt bereits verkauft wurde und bewiesen hat, dass es verkaufbar ist. In einem früheren Stadium wird abgeschätzt, wie lang es dauern kann, bis erste Umsätze erzielt werden und wie viel Zeit und Kapital dafür erforderlich sind.
  • Bei reiferen Start-ups zählt das Umsatzwachstum. Gut wären 50 bis 100 Prozent oder ein noch schnelleres Wachstum pro Jahr.
  • Wenn man nach der ersten Finanzierungsrunde bereits mehrere Investoren gefunden hat, ist dies für eine vorteilhafte Verhandlungsposition sehr hilfreich.
  • Ein gutes Start-up operiert in mehreren Ländern. Das erweiterte Wachstums-potenzial macht attraktiv.
  • Ein gutes Startup ist skalierbar.
  • Die Affinität zu Klimaschutz und Planetenrettung ist weniger wichtig. Jedoch sind einige aus einem anderen Grund auf Cleantech ausgerichtet. Es ist nötig, sich in diesem Bereich extrem gut auszukennen, was sich aufwändig gestaltet. Es geht vorrangig darum, dass Geld verdient wird. Wenn ein Produkt richtig skaliert und durchstartet, dann kann es als Massenprodukt viel mehr für den Wandel zur Green Economy beitragen als klein bleibende, ideell hervorragende Start-ups.

Wie stehen die Chancen?

Wer an einem im mehrfachen Sinne guten Geschäft arbeitet, für den stehen die Chancen gut. Aller Anfang ist schwer. So verhält es sich auch mit der ersten Investition, für die man Business Angels gut gebrauchen kann. Die Lage dieser wird regelmäßig bei den Mitgliedern des Business Angels Panels erfragt. Am Ende des Vorjahres rechneten 29 Befragte auch künftig mit einer geringen Aktivität in der Bundesrepublik. Durchschnittlich werden € 58.000  investiert. Erfreulich ist, dass bei den Befragten Umweltthemen auf dem ersten Platz standen. Silber gab es für Web-Services und Bronze für Energiethemen. In frühen Unternehmensphasen ist es schwierig, größere Investitionssummen einzuwerben. Dadurch kann zu Beginn eine “Finanzierungslücke” entstehen.

Die Gründer-WiWo berichtete über eine Rekordsumme: Start-ups haben im vergangenen Jahr knapp 3,1 Milliarden Euro eingesammelt. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr. Diese Entwicklung bezog sich leider nicht so sehr auf Cleantech, sondern in den Bereichen E-Commerce, FinTech und Big Data.

Mich stimmt der Rekord dennoch optimistisch. Denn die Strukturen zur Unterstützung der Start-ups entfalten unternehmerische Creative Power und bieten den vorhandenen Talenten beste Voraussetzungen, sich auf das harte Werben um Investorengelder vorzubereiten.

Außerdem wachsen die beachtlichen Netzwerke mit der Zeit und beharrlicher Arbeit weiter.