Seit der Gründung des Climate-KIC Accelerators im Jahr 2010 haben wir über 60 Start-ups gefördert. Nicht jedes Jungunternehmen schafft es, am Markt zu überleben. Im Schnitt wird nur eines von zehn Startups richtig groß. Wie sieht es bei unseren Alumni-Start-ups aus? Was machen die Entrepreneure und Businesskonzepte, die wir bis zu 18 Monate im Accelerator gefördert haben? Wir haben bei Christian Schindler, Mitgründer und Geschäftsführer von eBikeFINDER, nachgefragt:

Mit welchem Geschäftsmodell habt ihr eBikeFINDER 2012 gegründet?

eBikeFINDER Gründer: Christian Schindler und Frank Rosmann

eBikeFINDER Gründer: Christian Schindler und Frank Rosmann

Wir haben den eBikeFINDER als Suchmaschine für E-Bikes konzipiert. 80 Prozent aller Käufer suchen im Internet – über alle Altersgruppen hinweg. Unser Ansatz war es diese Interessenten eingängig online zu beraten. Dazu gehört es, dass sich alle angebotenen E-Bikes in unserer Datenbank befinden – im Jahr 2015 übrigens 1.600 verschiedene Modelle – und diese sich nach vielen Kriterien wie Antriebssystem, Schaltung, etc. durchsuchen lassen. Außerdem hilft die Kaufberatung mit einfachen Fragen eine Vorauswahl zu treffen. Hersteller und Händler bieten wir Pakete an, um im eBikeFINDER besser gefunden zu werden – ähnlich wie das Google mit AdWords umsetzt. Unsere Premiumpartner haben den Vorteil, dass es aus dem Portal heraus Probefahrtanfragen von unseren Usern gibt – also qualifizierte Leads für den Fachhandel und damit eine echte Verbindung zwischen online und offline.

Ihr wart von Oktober 2013 bis September 2014 im Climate-KIC Accelerator. Was habt ihr aus der Zeit bei Climate-KIC mitgenommen?

Wir haben sehr viel mitgenommen. Erstens, dass sich Geschäftsmodelle agil ändern müssen, um auf den Kunden zu reagieren. In dieser Zeit haben wir unser Angebot angepasst und ein Produkt entwickelt, dass den Traffic unserer beider Portale www.e-bike-finder.com und www.ebike-news.de monetarisieren sollte: die erste Flatrate für E-Bikes. Ab 49 Euro pro Monat ein E-Bike fahren, statt durchschnittlich 2.800 Euro dafür auszugeben. Zudem war bei diesem Angebot noch eine Versicherung gegen Diebstahl und Vandalismus integriert – ideal für Großstädte wie Berlin, in denen Fahrradfahrer einfach Respekt davor besitzen, sich ein teures Zweirad anzuschaffen.

Zweitens, dass externe Unterstützung Goldwert ist. Im Rahmen von Climate-KIC haben wir viel Hilfe bekommen: wie das Geschäftsmodell finetunen, wie die Idee pitchen und wie Investoren finden. Letztlich haben wir unser Geschäftsmodell durch Climate-KIC zur Marktreife gebracht und über den Accelerator Kontakt zum Energiekonzern E.ON bekommen – mit dem wir jetzt strategisch kooperieren.

Wie hat sich euer Unternehmen seitdem weiterentwickelt?

E-Bike Demo Day auf dem EUREF Campus

E-Bike Demo Day auf dem EUREF Campus (© eBikeFINDER)

Unser Unternehmen ändert sich fortlaufend und auch unsere Produkte haben sich nochmals geändert. Wir akquirieren mittlerweile online Kunden, beraten sie und verkaufen selbst E-Bikes. Wir sind also auch Händler geworden. Das ist monetär für die gesamte Wertschöpfungskette besser und außerdem wollen unsere Kunden diesen kuratierten Einkauf und die Kombination aus online und offline.

Bei E.ON rollen wir aktuell eine Weiterentwicklung der Flatrate-Idee aus: Mitarbeiter können über ihren Arbeitgeber ein E-Bike fahren und sparen bis zu 40 Prozent gegenüber dem Kauf durch ein Gehaltsumwandlungsmodell. Eine Rundum-Schutzversicherung sichert gegen alle relevanten Schäden ab. Und sollte das E-Bike einmal liegen bleiben, greift eine Mobilitätsgarantie und stellt sicher, dass unsere Kunden per öffentlichem Nahverkehr oder Leih-E-Bike mobil bleiben.

Mittlerweile haben wir einen sogenannten ServicePoint in Düsseldorf für die Auslieferung und Wartung der E-Bikes und einen in Berlin auf dem EUREF-Campus.

Ihr sitzt auch nach wie vor auf dem EUREF-Campus, dem Mekka für Elektromobilität in Berlin. Profitiert ihr von dem Netzwerk auf dem Campus? Gibt es Kooperationen mit anderen Akteuren?

Wir waren nach unserer Climate-KIC Zeit viel unterwegs und haben immer ein Stück weit die Atmosphäre auf dem Campus vermisst. Als wir in Berlin ein Büro eröffnen wollten, war klar, dass es auf dem EUREF sein sollte. Hier gibt es die Kontakte von Climate-KIC und auch viele andere, von denen wir stark profitieren. Die Akteure hier sind Multiplikatoren für unser Angebot des Company E-Bike Leasings und natürlich auch potenzielle Kunden, die ihren Mitarbeitern den Einstieg in die einspurige Elektromobilität zu günstigen Preisen möglich machen wollen.

Ansonsten gibt es auch sehr konkrete Win-Win-Situationen. So mieten wir zusammen mit dem Startup eMio, die Elektroroller-Sharing anbieten, ein Büro und denken über die gemeinsame Nutzung von Service-Fahrzeugen nach.

Wie sieht aktuell der eBike-Markt aus? Wie groß ist die Nutzung von eBikes? Welche neusten Entwicklungen gibt es?

E-Bike Demo Day auf dem EUREF Campus

E-Bike Demo Day auf dem EUREF Campus (© eBikeFINDER)

Der Markt für E-Bikes entwickelt sich kräftig. Alleine in Deutschland werden wir bis Jahresende 2 Millionen Elektroräder auf den Straßen fahren. Dieses Jahr könnten 500.000 Stück verkauft werden und auch international boomt das E-Bike. Nutzungsstudien belegen, dass Fahrer von E-Rädern häufiger auf ihr Auto verzichten oder es sogar komplett abschaffen. Das bedeutet zugleich eine enorme Reduktion von CO2 und Schonung von Ressourcen. Ein E-Bike benötigt für 100 km gerade einmal 1 kWH Stunde Strom – was rund 27 Cent Ökostrom gleichkommt. Ein herkömmliches Auto benötigt für die gleiche Strecke etwa 100 Mal mehr Energie.

Der Stand des E-Bike-Markts heute ist mit dem Handymarkt des Jahres 2009 vergleichbar. Der wahre Boom steht also noch bevor. Wir werden voll integrierte E-Bikes sehen, die äußerlich kaum noch Kabel aufweisen. Akkus verschwinden im Rahmen und das E-Bike von morgen ist ebenso Lifestyle-Objekt wie das Smartphone aktuell. Es wird sich auch darüber steuern lassen – Smartphone und E-Bike verschmelzen zunehmend. Damit ändert sich auch die Länge des Produktzyklus – sind es bei Fahrrädern etwa alle sieben Jahre bis sich Besitzer für ein neues Modell entscheiden, sind es bei E-Bikes bereits nur noch vier Jahre.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft von eBikeFINDER aus?

Unser Unternehmen heißt sinCO2 – also ohne CO2. Das ist unsere Mission. Mit der Kaufberatung eBikeFINDER und den vielen Menschen, die wir damit schon auf das E-Bike gebracht haben, sind wir diesem Ziel ein Stück nähergekommen, aber das reicht noch nicht. Wir sind davon überzeugt, dass das E-Bike städtisches Leben nachhaltig verbessern wird und entwickeln unsere Angebote dahingehend weiter.

Für die Zukunft heißt das, noch stärker für jede Zielgruppe, die passenden Produkte zu schaffen. Aktuell ist des das Leasing Programm für Unternehmen und ihre Mitarbeiter, aber auch für Studenten und Rentner gibt es Planungen.

Wie bei jedem Start-up geht es aber immer darum, eine gute Balance zwischen der großen Vision und der Fokussierung auf die aktuelle Aufgabe zu waren.

Vielen Dank, Christian, für das interessante Interview!