Seit der Gründung des Climate-KIC Accelerators im Jahr 2010 haben wir über 60 Start-ups gefördert. Nicht jedes Jungunternehmen schafft es, am Markt zu überleben. Im Schnitt wird nur eines von zehn Startups richtig groß. Wie sieht es bei unseren Alumni-Start-ups aus? Was machen die Entrepreneure und Businesskonzepte, die wir bis zu 18 Monate im Accelerator gefördert haben? Ich habe bei Henning Heppner, Mitgründer sowie Gesellschafter und Geschäftsführer von ebee Smart Technologies, nachgefragt:

Mit welchem Geschäftsmodell habt ihr ebee 2011 gegründet?

Elektroauto laden an Straßenlaternen mit ebee TechnologieUnser Geschäftsmodell ist es, die für die Elektromobilität notwendige, öffentliche Ladeinfrastruktur bezahlbar zu machen. Daher haben wir Ladepunkte so entwickelt, dass sie mit bereits vorhandener elektrischer Infrastruktur kombiniert werden können. Das heißt, Ladesäulen können beispielsweise in Straßenlaternen integriert werden.

Also faktisch gesehen, entwickeln und verkaufen wir Ladepunkte sowie Komponenten und Elektronik für die Ladeinfrastruktur. In Form von Dienstleistungen unterstützen wir darüber hinaus unsere Kunden bei Entwicklungsprojekten oder im Betrieb von Ladepunkten.

Ihr wart von Oktober 2013 bis September 2014 im Climate-KIC Accelerator. Was habt ihr aus der Zeit bei Climate-KIC mitgenommen?

Wir haben definitiv gelernt, unser Geschäftskonzept jederzeit in 1, 5 oder 30 Minuten zu pitchen – sogar im Halbschlaf! Das war ein gutes Training, seine Botschaften richtig rüberzubringen.

Grundsätzlich waren wir ja schon relativ erfahren zu Themen wie Businessmodell, Businessplan, Kundengespräche & Co., aber insbesondere zu konzeptionellen Themen haben wir noch eine gute Auffrischung erhalten. Und es hat auf jeden Fall auch noch etwas gebracht, jemanden über unsere Sachen rüber schauen zu lassen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Networking, aber dazu weiter unten mehr.

Inzwischen gab es von euch schon so einige Erfolgsmeldungen zu Kooperationsvereinbarungen. Wie habt ihr euch weiterentwickelt? Wo steht ihr jetzt?

Seit Ende 2014 haben wir einen Investor, der uns die Finanzierung zum geplanten Break Even Ende 2016 sichert. Dann haben wir die Serienproduktion gestartet und wichtige Aufträge im Rahmen des Ausbaus der Ladeinfrastruktur in Städten wie Berlin und München bekommen.

Ein wichtiger Kooperationspartner, der uns bereits seit 2012 unterstützt, ist BMW. Weitere Kooperationen gab es bisher unter anderem mit Allego (Allianda), EnBW und Eon.

Und dann haben wir bereits Auslandsaufträge aus Österreich, der Schweiz, Ungarn und England, wo unsere Ladepunkte auch schon konkret auf der Straße sind. In den Auslandsmärkten USA, Asien und China werden wir jetzt als nächstes aktiv.

Welche Rolle spielt für euch das Climate-KIC Netzwerk? Habt ihr heute noch Kontakt zu anderen Start-ups und Akteuren aus unserem Netzwerk?

Ladestation für Elektroautos an der StraßenlaterneDas Networking mit den Peers, also mit den anderen Start-ups im Accelerator, war für uns sehr wichtig. Die Ergebnisse sieht man jetzt noch: Unsere alten Nachbarn in der Green Garage, sind gleichzeitig auch unsere neuen Nachbarn. Plugsurfing, die mit ihrer App beim Finden und Benutzen von Elektroladesäulen helfen, haben wir tatsächlich beim Umzug in die neuen Büroräume auf dem EUREF-Campus mitgenommen. Diese räumliche Nähe macht auch Sinn, denn wir arbeiten in einigen Projekten auch zusammen. Darüber hinaus sind wir nach wie vor in Kontakt mit dem Start-up EBikeFinder, die ebenfalls mit uns parallel im Climate-KIC Accelerator waren. Zwischen uns herrscht ein reger Austausch zu allen möglichen Themen der Elektromobilität.

Ein weiterer wichtiger Kontakt ist Thomas Meißner von Berlin Partner, unser Mentor im Rahmen des Accelerator Stipendiums, über den wir z.B. aktuell auf das Cover des IHK-Magazins Berliner Wirtschaft gekommen sind – als Teil eines Artikels über Elektromobilität.

Außerdem bin ich nach wie vor bei Aktivitäten von Climate-KIC eingebunden, z.B. als Jury-Mitglied bei der Bewertung der studentischen Geschäftskonzepte im Rahmen der Climate-KIC Summer School.

Und es sind auch schon konkrete Kundenkontakte über das Climate-KIC Netzwerk entstanden.

Laut Studien ist der typische Gründer jung, männlich – und zu oft schlecht vorbereitet. In dieses Schema passt du, Henning, nicht ganz rein. Welche Vor- oder auch Nachteile hatten dein Alter und deine bisherige Berufserfahrung für die Gründung eines Start-ups?

Henning Heppner, Mitgründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von ebee Smart Technologies

Henning Heppner, ebee Smart Technologies

Ein großer Vorteil ist natürlich, dass ich gewisse Kompetenzen und Erfahrungen mitgebracht habe und vieles einfach schon einmal gemacht habe. Ich hatte zuvor beispielsweise schon eine Firma gekauft, ein Unternehmen entwickelt, mich mit rechtlichen Themen, Personalführung, Kundenverhandlungen, etc. auseinander gesetzt – diese Lebenserfahrungen kann einem ja keiner nehmen.

Als zweites hatte ich von Haus aus auch schon ein größeres Netzwerk in der Wirtschaft, mit Kontakten in große Unternehmen und dort auch bis auf Vorstandsebene.

Ein Nachteil ist tatsächlich, als Gründer mit dickem Bierbauch, grauen Haaren oder Glatze ernst genommen zu werden. Ich merke langsam, dass ich mich manchmal ein bisschen zurücknehmen muss und nicht immer an der vordersten Front stehen sollte. Mein Mitgeschäftsführer Robert Weyrauch, der 15 Jahre jünger ist, hat da von Grund auf bessere Chancen. Wenn ich pitche, merke ich schon manchmal, dass die Leute sich fragen: „Was will der alte Sack eigentlich?“, „Der will Gründer sein?“, „Ist der verrückt geworden?“ oder „Hat der ne Mitlife-Crisis?“

Ein weiterer Punkt ist, dass Innovationen und Revolutionen manchmal nur entstehen, wenn man mit jugendlichem Leichtsinn daran geht. Die Risikoaffinität ist bei mir nicht so ausgeprägt. Ich gehe oft den sichereren Weg und es könnte ja sein, dass ich dadurch die total revolutionären Sachen verpasse. Wer weiß das schon genau?

Insgesamt würde ich sagen, dass ich eine sehr realistische Sicht auf Dinge mitbringe. Das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Viele denken, sie müssen etwas erfinden, worauf noch keiner gekommen ist. Der Innovationsprozess ist aus meiner Sicht allerdings ein anderer. Oft sind es nicht diese riesen großen Umwälzungen, die Innovationen ausmachen, sondern es geht oft nur darum, aus Bestehendem etwas Neues zu schaffen.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft von ebee aus?

Büro von ebee Smart TechnologiesAls erstes gilt es, unsere Serienproduktion abzusichern. Denn jetzt gibt es kein Pardon mehr. Wir haben Produkte verkauft, die im öffentlichen Raum stehen. Unsere Kunden sind große Industrieunternehmen oder öffentliche Institutionen. Denen kann man nicht irgendeine Bastellösung hinhängen – das muss funktionieren. Daher müssen wir industrielle Prozesse professionalisieren und ein Qualitätsmanagement umzusetzen.

Des Weiteren wollen wir unser Team weiter aufbauen. Da ist es auch nicht so einfach, die richtigen Leute zu finden.

Außerdem liegt unser Fokus auf Wachstum in den Zielmärkten. Wichtig war es, unseren Heimatmarkt in Berlin abzudecken. Sonst wäre es ja peinlich geworden, wenn man als Referenz noch nicht einmal seine eigene Stadt nennen könnte. Aber jetzt sind weitere Zielmärkte wie USA, Asien und China wichtig für uns. Da sind wir auf aktiver Partnersuche.

Und schließlich will ich weiterhin junge Climate-KIC Unternehmen unterstützen – nach dem Prinzip Give-and-Take – und das Networking in der Climate-KIC Community und mit allen Akteuren auf dem EUREF-Campus vorantreiben. So entsteht immer wieder Neues und alle profitieren davon.

Vielen Dank Henning, für die interessanten Einblicke!

Titelbild: © ebee Smart Technologies