Bis zum 31. Juli können sich Start-ups für den Climate-KIC Accelerator bewerben. Wie meistern die Start-ups den Bewerbungsprozess, was kann man aus der Bewerbung für sich ziehen, was löst die Bewerbung aus? Darüber erzählt Gregor Loukidis von ZOLAR, die gerade im aktuellen Batch dabei sind. ZOLAR ist ein Anbieter von Solaranlagen und Stromspeichern. Mithilfe eines Internetportals soll der Bau und Verkauf von Solaranlagen und Stromspeichern für Hausbesitzer viel einfacher als bisher werden.

Ihr seid zu zweit in eurem Gründerteam, wie habt ihr euch gefunden?

Alex Melzer und ich kennen uns schon ziemlich lange – seit 2003, als wir begannen gemeinsam Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dresden zu studieren. Nach dem Studium arbeiteten wir dann in der gleichen Firmengruppe in der Solarbranche, wobei Alex in Kanada war und ich meist in England.

Warum habt ihr euch beim Climate-KIC Accelerator beworben?

Uns wurde der Accelerator von einem Bekannten empfohlen, Philipp Neff. Philipp hat selbst ein Start-up gegründet, OneShore, und war auch im Climate-KIC Accelerator. Wir haben dann schnell gesehen, dass das auch für uns passen könnte, weil es eine Menge Unterstützung gibt. Das Coaching, Mentoring, Netzwerk und natürlich auch das Stipendium haben uns gereizt. Das alles war sehr passend zu dem, was wir im „Cleantech Universum“ machen.

Wie seid Ihr an die Bewerbung herangegangen?

Die Bewerbung zu schreiben war selbst schon ein Mehrwert. Wir mussten uns sehr schnell ein sehr klares Bild von dem machen, was wir wollen und wer und was wir sein wollen. Die Bewerbungsfragen haben uns geholfen, uns an den verschiedenen Prinzipien – wie dem „Product to market fit“, der Vision, etc. – entlang zu hangeln. Durch die Bewerbung muss man seine Überlegungen sehr schnell formalisieren. Beispielsweise haben wir eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet und die Idee zu Papier gebracht. Ohne die Bewerbung hätten wir das erst zu einem späteren Zeitpunkt gemacht und wären vielleicht nicht so fokussiert gestartet.

Wie aufwändig ist die Bewerbung?

Wir haben da schon einige Stunden daran gesessen. Das war ja auch zum Zeitpunkt der Ausarbeitung unseres Geschäftsmodells. Beides lief bei uns gewissermaßen parallel.

Nach der schriftlichen Bewerbung werden die vielversprechendsten Teams zum Pitch eingeladen. Wie lief das ab?

Der Pitch war erst einmal eine ganz schöne Stress-Situation. Du kommst da rein, da sitzen Leute vor dir und alle gucken dich an. Zugleich hast du nur begrenzte Zeit. Die Uhr beginnt sofort zu ticken und es geht ums Ganze.

Wir hatten die Präsentation vorher gut überlegt und einstudiert und damit ging es uns dann doch locker von der Hand. Wir waren hinterher mit dem Pitch zufrieden. Wir hatten uns gesagt: „Viel besser hätten wir es nicht machen können. Entweder die glauben an die Idee oder nicht“.

Solche Pitch-Situationen unter Druck gibt es immer wieder. Erfolgreiche Gründer müssen dies meistern können. Oder?

Das stimmt schon. Aber bei diesem ersten Pitch war es wie eine Prüfungssituation, die wir seit einiger Zeit nicht mehr in dieser Form erlebt hatten. Mit der Zeit wirst du allerdings immer gelassener und routinierter. Man pitched immer mal wieder vor verschiedenen Leuten und man gewöhnt sich mit der Zeit daran.

Und wie habt ihr den Pitch vorbereitet?

Wir haben es vorher geprobt und dabei die Zeit gemessen. Es ist ganz wichtig, die Zeit einzuhalten. Fünf Minuten ist nicht lang. Gerade damals fanden wir das sehr wenig – waren aber nach 4:55 Minuten fertig. Es ist wichtig, sich präzise mit dem Thema auseinanderzusetzen und seine Message prägnant rüberzubringen.

Was hättet ihr aus der Pitch-Runde mitgenommen, wenn es mit der Aufnahme in den Accelerator nicht geklappt hätte?

Was wäre wenn… Wir hätten nach den Ablehnungsgründen gefragt und an diesen Punkten weitergearbeitet. Wir waren und sind sehr entschlossen. Auch ohne den Accelerator hätten wir weitergemacht. Es kann ja viele Gründe geben, warum man in so einen Accelerator nicht reinpasst. Wenn fünf Leute nicht an eine Idee glauben, muss das nicht bedeuten, dass es nichts wird.

Ihr seid im April dieses Jahres aufgenommen worden. Wie waren die ersten Monate im Accelerator?

Wir haben ziemlich viel aus dem Boot Camp mitgenommen. Dort sind wir schnell mit den anderen Leuten in Kontakt gekommen. Wir haben uns ziemlich schnell eingerichtet, unsere Monitore in unserem Garagen-Büro aufgebaut und losgelegt und kommen seitdem fast jeden Tag hier in die Green Garage.

Wenn Du ZOLAR heute mit dem Stand vor der Bewerbung vergleichst: Was sind die wichtigsten Unterschiede?

Von unserer strategischen Ausrichtung her sind wir gleichgeblieben. Die Unterschiede liegen mehr in den operativen Details. Es ändert sich immer so ein bisschen der Fokus, der aktuell für das Geplante notwendig ist. Wir hatten beispielsweise gedacht, dass wir recht schnell ganz viel Software entwickeln müssen. Dann merkten wir, dass Software-Entwicklung zwar wichtig ist, es am Anfang aber viel mehr um das Testen von Prozessen und Sammeln von Daten geht, um dann zu wissen, was die Kunden eigentlich genau wollen.

Habt ihr Tipps für die neuen Bewerber?

Ich würde die Bewerbung Außenstehenden zeigen. Die Freundin, der Freund, Freunde und gute Bekannte sowie andere darin erfahrene Menschen können einem helfen die nötige Klarheit zu entwickeln. Es lohnt sich auch, Kontakt mit Leuten aufzunehmen, die schon einmal im Accelerator-Programm waren oder gerade dabei sind. Meldet Euch gerne bei uns!

Weitere Infos über ZOLAR gibt es hier. Zu der Bewerbung für den Accelerator geht es hier.