Ein Interview mit Prof. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

Sie haben eine sehr beeindruckende Karriere im Bereich der Energieökonomie und der Nachhaltigkeit aufzuweisen. War dies eine bewusste Karriereentscheidung? Und warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden? 

claudia kemfertIch bin durch und durch Wissenschaftlerin, mich hat das Thema seit jeher interessiert. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit diesem Themen und bin sehr froh, dass ich mit einem großartigen Team den wichtigen Themen Wirtschaft, Klimaschutz und Energiewende forschen kann. Zentrale Erkenntnisse umfassen beispielsweise die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen eines ungebremsten Klimawandels oder aber die wirtschaftlichen Chancen einer globalen Energiewende weg von fossilen Energien- und den damit verbundenen Klimawirkungen und Umweltschäden- hin zu erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Chancen einer globalen Energiewende sind riesig! Dies ist mittlerweile auch mehr und mehr in das öffentliche Bewusstsein vorgedrungen. Es ist gut zu wissen, dass eine breite Öffentlichkeit sich für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzt.

Sie sind eine weltweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Energiewirtschaft und Nachhaltigkeit. Welche Hürden mussten Sie auf Ihrem Weg überwinden?  Wie schwierig war es, um Ihre Themen auf die Agenda zu bringen, um Gehör zu finden? Und wie haben Sie diese Herausforderung gemeistert?

Die Energieökonomie ist eine recht junge Wissenschaft außerhalb des sogenannten „Mainstreams“ welches wie alle anderen auch seinen Platz finden muss. Glücklicherweise öffnen sich die Wirtschaftswissenschaften immer mehr von den rein marktwirtschaftlichen Theoriemodellen hin zu einer mehr und mehr experimentell und anwendungsorientierten Ausrichtung, welche die tatsächlichen Beweggründe von menschlichen, institutionellen und politischen Entscheidungen in den Mittelpunkt rücken. Der jüngst vergebene Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften- welcher an einen Forscher gegangen ist, der Möglichkeiten untersucht, wie menschliches Verhalten durch gezielte „Anstubser“ beeinflusst werden kann- zeigt, dass diese Forschungen an zentraler Bedeutung gewinnen. Die Erkenntnisse über die wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende finden auch in Forscherkreisen immer mehr Gehör. Und: die Menschen unterstützen die Energiewende, das macht große Hoffnung. Und auch Spaß!

Wie hat sich die Rolle von Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit Ihrer Meinung nach verändert?

Seit den siebziger Jahren hat eine breite Öffentlichkeit begonnen zu verstehen, dass Ressourcen knapper werden, die Umwelt durch das ungezügelte Wirtschaften geschädigt wird und die Industriestaaten durch den Raubbau und Natur und Umwelt alles andere als nachhaltig leben. In den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts kamen neben den Energiekrisen auch noch der Klimawandel hinzu, der durch die Verbrennung fossiler Energien verursacht wird. Die Erkenntnis ist gewachsen, dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen, aber vor allem im Wirtschaftsgeschehen, eine zentrale Rolle spielen muss.

Aktuelle Studien belegen, dass die sogenannte Generation der ‚Millennials‘ besonders daran interessiert ist, in einem Beruf zu arbeiten, der einen positiven gesellschaftlichen Einfluss hat. Wie kann man diese Entwicklung im Zusammenhang zum Kampf gegen den Klimawandel sehen?

Absolut positiv! Für die heutige Generation ist es nahezu selbstverständlich, dass wir den zukünftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen müssen. Das macht Mut für die Umsetzung des notwendigen Klimaschutzes und der Energiewende durch alle Akteure. Zudem handelt es sich hier um Zukunftsbranchen, da die wirtschaftlichen Chancen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz riesig sind.

Wenn man früher im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit arbeiten wollte, war die Auswahl an Berufen und Branchen eher beschränkt. Das hat sich geändert, nicht zuletzt durch Vorbilder wie Sie. Wie können wir diesen Trend weiter fördern?

Die Wirtschaft selbst ist diesem Wandel unterzogen, mittlerweile arbeiten allein in der Branche der erneuerbaren Energien global über 8 Millionen Menschen. Überall werden die Branchen der Energiewende, der nachhaltigen Energiewende, der nachhaltigen Wirtschaft massiv zunehmen, sodass auch immer mehr innovative und zukunftsweisende Jobs entstehen. Wichtig ist, dass die Menschen die Energiewende weiter unterstützen und so die Politiker zwingen, die Rahmenbedingungen nicht zu verschlechtern.

Was würden Sie jungen Menschen mit auf dem Weg geben, die sich beruflich für eine nachhaltigere Gesellschaft und Wirtschaft einsetzen wollen? Wie können sich Berufseinsteiger heute darauf vorbereiten, Nachhaltigkeit zu einem Teil ihres Berufes zu machen?

Berufsanfänger sollten sich genau anschauen, welches Betätigungsfeld möglich ist und sich gezielt für zukunftsweisende Berufe in allen möglichen Segmenten des Klimaschutzes und der nachhaltigen Wirtschaft entscheiden. Da die wirtschaftlichen Chancen dieser Branchen sehr groß sind, gibt es immer mehr zukunftsweisende Berufe. Allein die aktive Wahl erhöht die Potentiale und schafft breitere Perspektiven. Zudem kann sie dazu beitragen, dass Unternehmen sich der veränderten Wirtschaftsfeld schneller anpassen müssen.

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