In der Forum Factory in Berlin herrscht auch am Abend noch reges Treiben bei den Teilnehmern – und das nach mehr als 10 Stunden Hacken auf der Suche nach guten Lösungen für die Energieeffizienz.

Auf zu gemütlichen Sitzgelegenheiten umfunktionierten Holzplatten sitzen Studenten, junge Gründer und Wissenschaftler in kleinen Gruppen zusammen. Sie treffen die letzten Vorbereitungen, um gleich ihre Ideen der Jury zu präsentieren. Hier wird noch ein grüne Steckdose aufs Plakat gemalt, dort noch in den Laptop gehämmert.

Drei Herausforderungen bei der Energieeffizienz 

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) veranstaltet den ersten Energy Efficiency Hack. Der Einladung sind mehr als 160 Interessierte aus allen Ländern und aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern gefolgt.

Am Morgen standen drei „Challenges“ zur Auswahl:

1.) Wie sieht intelligentes Heizen aus?

2.) Wie können Elektrotechniker dazu gebracht werden, stromsparende Ersatzteile zu verwenden?

3.) Wie können Industrieunternehmen Daten zum Energieverbrauch nützlich verwenden?

Begleitet wurden die Teilnehmer von den Partnerunternehmen des Hacks: Danfoss, Sonebar und Veolia. Diese lieferten zu Beginn inhaltlichen Input zur Energieeffizienz und zu den Herausforderungen ihrer Arbeit. Zudem standen den Teilnehmern Mentoren aus den Bereichen Strategieentwicklung, Produktdesign und Pitchtraining zur Seite.

Der Verbraucher steht im Mittelpunkt

Nadine Bruder hat den Teams tagsüber als Mentorin immer dann weiter geholfen, wenn sie  bei ihren Ideen nicht weiter wussten. „Ich bin begeistert von den Gruppen. Von Anfang an sind sie gut in die Themen gekommen. Um 12.30 Uhr gab es eine erste Zwischenpräsentation und schon zu diesem Zeitpunkt war das Niveau der Ideen sehr gut. Und auch jetzt ist von Müdigkeit weit und breit keine Spur.“

Um 20.30 ist es dann soweit. 16 Teams haben jeweils drei Minuten Zeit, ihre Ideen vor einer Fachjury zu präsentieren. Erstaunlich ist, dass die Teams nicht nur gute Ansätze liefern, sondern ihre Ideen oft auch mit einigem schauspielerischen Können vortragen. Auch haben die Teams sich mitunter einfallsreiche Namen gegeben: Von „Heat it“ über „EE-Friend“ bis hin zu „Save E“ oder „make heating hot again“.

In den präsentierten Lösungen ist dann oft der Ansatz zu finden, dass Konsumenten für energieeffizientes Verhalten belohnt werden müssen. Daten zu Energieeinsparungen sollen möglichst transparent werden und den Konsumenten leicht zugänglich sein. Viele Gruppen arbeiten auch mit Wettbewerb und Vergleichen. Die These dahinter: Wenn man sieht, was der Nachbar einspart, wird der eigene Ehrgeiz erhöht.

Energieeinsparungen transparent machen

Als Gesamtsieger setzt sich am Abend dann die deutsch-dänisch-österreichisch-türkische Studentengruppe „Visualink“ durch. In ihrem Ansatz ersetzen sie die jährlichen Heizkostenabrechnungen durch anschauliche Echtzeitmessungen. Visualisiert wird das für den Verbraucher über grüne Blätter, die später – wenn immer mehr eingespart wird – zu einem Baum wachsen.

Christina Roitzheim vom HPI Potsdam und Firat Günyel von der DTU Kopenhagen sagen über ihr Projekt: „Verbraucher wollen Energie sparen. Aber die nur einmal jährlich zugestellte Heizkostenabrechnung ist zu kompliziert, der Gedanke ‚Ich möchte weniger Energie verbrauchen’ hält nur ein paar Tage. Wenn Verbraucher hingegen jederzeit sehen können, wie viel Energie sie gerade verbraucht haben, wird ein bewusster Umgang mit Energie Normalität. Der Effekt für das Klima und das Portemonnaie ist groß.“

Jury-Mitglied Dagmar Dehmer, Energiejournalistin beim Berliner Tagesspiegel, war beeindruckt von den präsentierten Ideen und auch von der Stimmung: „Es gibt schon ein tolles Bild, wenn sich so viele junge Leute für Energieeffizienz interessieren und die etablierten Unternehmer ihnen zu hören – selbst wenn das eigene Geschäftsmodell komplett auf den Kopf gestellt wird.“ Allerdings habe Datenschutz keine Rolle gespielt – ein essentielles Thema in einer digitalisierten Energiewelt. „Dazu hätte ich mir doch ein paar Worte von den Gruppen gewünscht“, so Dehmer.

Ergebnisse werden als Open Source zugänglich gemacht

Ralf Hengherr saß für „DWReco“, einer auf Cleantech Unternehmen spezialisierte Beratung, in der Jury und erklärt: „Trotz der kurzen Zeit waren viele tolle Ansätze dabei. Die Teilnehmer machen mit ihren Ideen Lust am Energie sparen und das ist neben der Kosteneinsparung einer der wichtigsten Hebel beim Thema Energieeffizienz.“

Auch Carsten Müller, Mitglied der Jury und Vorstandsvorsitzender der DENEFF, zeigte sich begeistert: „Die Gewinner haben den Mehrwert der Energieeffizienz für den Verbraucher in völlig neuer Weise dargestellt. Die Idee ist so einfach, dass sie genial ist und hat auf jeden Fall Marktchancen. Energieeffizienz war für den Verbraucher nie einfacher. Energieeffizienzinnovationen wie diese müssen schnell in die Breite getragen werden, wenn die Energiewende zum wirtschaftlichen Erfolg werden soll. Daher haben wir uns entschlossen, dass die Ergebnisse als Open Source allen zugänglich gemacht werden und nicht nur exklusiv den teilnehmenden Unternehmen.“