Radbonus, Nüwiel oder ebee Smart Technologies – diese drei Start-ups sind wie einige weitere aus dem Climate-KIC Accelerator im Bereich der Elektromobilität tätig. Die Frage, wie sich unsere Mobilität von morgen gestaltet, ist eine der spannendsten überhaupt. Denn während die Veränderungen für einen emissionsarmen Stromsektor weitgehend feststehen – hier setzen wir auf Erneuerbare Energien – scheint bei der Mobilität noch vieles offen zu sein. Genau das macht den Sektor auch so spannend für Start-ups.

„Wer gewinnt das Rennen um die neue Mobilität?“ Dieser Frage ist das Beratungsinstitut „Green Business Development“ mit Sitz in Berlin auf den Grund gegangen. Befragt hat es rund 200 Experten aus mehr als acht Ländern. Die Experten kommen aus der Automobilindustrie, der Start-up-Szene, von Beratungsfirmen, Forschungsinstituten und Universitäten.

Unter „neuer Mobilität“ verstehen die Autoren Konzepte wie Carsharing, vernetzte Mobilität oder „E-Hailing“, also die Möglichkeit, sich von jedem Ort aus über sein Smartphone einen Pick-Up kommen zu lassen. Im besten Fall sogar ein E-Taxi.

Um ein beeindruckendes Ergebnis der Umfrage gleich vorweg zu nehmen: Eine Mehrheit der Experten (42 %) glaubt, dass europäische Start-ups Trends bei der neuen Mobilität in Europa setzen und diese auch bedienen werden. Hingegen wurde das US-amerikanische Start-up UBER am häufigsten genannt bei der Frage, welches Start-up den Mobilitätsmarkt Europas am stärksten aufmischt.

Mehr Liberalisierung im Mobilitätssektor wünschenswert

60% der befragten Experten sind der Meinung, die Mobilitätsgesetzgebung sollte liberaler werden. Unter israelischen Experten fordern mehr als 80 Prozent liberale Mobilitätsvorschriften, um eine effiziente städtische Mobilität zu gewährleisten (83%). In Deutschland sprechen sich knapp 70 % der befragten Experten dafür aus. Am skeptischsten bleiben die französischen Experten: Nur 26% Prozent unterstützen eine liberalere Mobilitätsgesetzgebung.

Noch haben Städte die Nase vorn

London setzt Trends bei der Mobilität der Zukunft Quelle: Green Business Development

London (35 %), Berlin (32 %) und Amsterdam (25%) heißen die europäischen Metropolen, in denen Konzepte neuer Mobilität entwickelt und getestet werden. 84% der Fachleute sind sich außerdem einig, dass Start-ups sich weiterhin auf Städte konzentrieren werden. Noch werden die ländlichen Gebiete konsequent vernachlässigt. Aber 77% der Experten zufolge halten gerade diese Regionen große Chancen für Start-ups bereit.

Nutzer schätzen einfache Bedienung

Man könnte annehmen, es sei allein der Preis, der über den Erfolg eines neues Mobilitätskonzeptes entscheiden wird. Falsch: 74 % der Experten glauben, es sei die Nutzbarkeit einer Anwendung, die über ihren Erfolg entscheidet – vor Preis (59%) und Vertrauen (49%).

Mit Start-ups zusammen arbeiten

Der Mobilitätsmarkt wird sich von einem Zwei-Säulen-Modell des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und der Automobilindustrie zu einer dreieckigen Beziehung zu Start-ups. Die Protagonisten, die mit Start-ups zusammenarbeiten, haben einen entscheidenden Marktvorteil. 78% der Experten sind sich einig, dass die Automobilindustrie die Zusammenarbeit und Joint Ventures mit Start-ups ausbauen sollte. Nur 36% sind sich einig, dass die Automobilindustrie eigene neue Mobilitätsdienstleistungen entwickeln sollte.

Ähnliche Empfehlungen sprechen die Experten für Verkehrsverbünde aus: Während nur 24% der Experten einig sind, dass diese ihre eigenen intelligenten Verkehrssysteme entwickeln sollten, würden 90% eine verstärkte Zusammenarbeit und Joint-Ventures mit Start-ups empfehlen. Die vielversprechendsten neuen Mobilitätssegmente scheinen E-hailing und Carsharing zu sein, die laut Experten voraussichtlich im Durchschnitt jährlich um 13% wachsen und intermodale Mobilitätsdienste in den nächsten 5 Jahren bis 2021 um 12% wachsen.

Nur wenige überlegen

Nur überzeugende Start-ups werden überleben können. Quelle: Green Business Development

Uber, ToopOy und BlablaCar sind die von den Experten am häufigsten genannten Start-ups auf die Frage, welches Konzept den europäischen Mobilitätsmarkt derzeit am meisten aufwirbelt. Langfristig gewinnen, da sind sich die Meinungsforscher einig, werden jedoch europäische Start-ups.

Auch glauben 80% der Experten, dass nur wenige Start-ups in den nächsten 5-10 Jahren überleben werden. Dies wird vor allem bei Fachleuten aus der Automobilindustrie (93%) geglaubt, während die Befragten von Start-ups (67%) und Inkubatoren und Beschleuniger (75%) optimistischer bleiben.

Start-ups mit neuen Ideen gebraucht

Start-ups sollten diese Prognosen nicht abschrecken, sondern eher ermutigen. Denn wer ein gutes Geschäftsmodell hat und sich einmal auf dem Mobilitätsmarkt etabliert hat, ist so schnell nicht mehr zu verdrängen.

Für Start-ups gibt es im Bereich der neuen, sauberen Mobilität viel zu tun: Das kann eine App sein, die dem Nutzer die schnellste, günstigste und sauberste Route ausspuckt. Das kann eine Idee sein, wie eine Ladeinfrastruktur für E-Autos aussehen kann, nächstes Mal vielleicht ganz ohne Ladesäulen. Oder es gibt um das Fortbewegungsmittel an sich, dass noch umweltschonenden gebaut ist – ob Bus, Auto oder Fahrrad.