Seit 2010 haben wir im Climate-KIC Accelerator europaweit über 500 Cleantech Start-ups gefördert und dabei verschiedenste Gründer kennengelernt. Einige haben ähnliche Werdegänge, Motivationen und Handlungsmuster, oft sind sie aber auch total unterschiedlich. Wer sich die Frage stellt, ob er selbst das Zeug zum Gründer hat, kann diese Frage vielleicht mit Blick auf die folgenden 4 Gründertypen beantworten. Unserer Erfahrung nach lassen sich die meisten Gründer im Cleantech-Bereich in diese vier Kategorien einordnen – Achtung, eine Portion Humor ist auch dabei 😉

Der Absolvent

Gründer AbsolventDer Absolvent ist meist blutjung. In zahlreichen Vorlesungen und Seminaren hat er viel theoretisches Wissen gesammelt. Nun kann er es kaum erwarten, endlich in die Praxis einzusteigen. Er will etwas verändern, und das nicht mehr nur auf dem Papier! Seine Geschäftsidee, die Grundlage seines Start-ups ist, hat er im Rahmen seiner Abschlussarbeit entwickelt. Von seinem Professor hat er dabei die Rückmeldung bekommen, dass aus dieser Idee echt was zu machen sei.

Der Absolvent ist hoch motiviert und scheut keine Mühen, sein Projekt zu verwirklichen. Im ersten Stadium hinkt sein Geschäftsplan jedoch noch hier und da, weil er ja überhaupt noch keine Erfahrung hat. Oft sucht er sich schon an der Universität oder Fachhochschule sein Team zusammen – mit möglichst unterschiedlichen Kompetenzen. Einer bringt IT-Erfahrung mit, der nächste ist technischer Fachmann und die dritte Person fühlt sich vielleicht im Marketing wohl. So wird jeder glücklich mit seiner spezifischen Verantwortung innerhalb des Start-ups.

Der Absolvent hat gegenüber den anderen Gründertypen zwei entscheidende Vorteile: Aufgrund seines Alters werden ihm Fehler eher verziehen und er hat viele Möglichkeiten Unterstützung und Förderung zu erhalten. Zudem ist es nicht so schlimm, wenn er mit seinem Vorhaben scheitern sollte. Er hat noch viele Jahre, sich auszuprobieren.

Der Quer-Einsteiger

Gründer QuereinsteigerDer Quer-Einsteiger hat meist schon längere Berufserfahrung, etwa bei einem etablierten Unternehmen im Bereich Energie- oder Abfallwirtschaft. Im Laufe der Jahre hat er entdeckt, dass es eine wirtschaftliche Nische in seiner Branche gibt, deren Chancen bisher kaum jemand erkannt hat. Mit seinem eigenen Start-up erfüllt sich der Quer-Einsteiger nun den Wunsch, etwas eigenes aufzubauen und mit einem neuen Produkt oder einer neuen Dienstleistung die Branche innovativ voranzubringen.

Den Quer-Einsteiger zeichnet aus, dass er durch sein Alter und seine Erfahrung eine gewisse Gelassenheit mitbringt, die auch Investoren extrem an ihm schätzen. Um ihn herum kann alles toben, der Quer-Einsteiger bleibt die Ruhe selbst. Er ist fantastisch vernetzt, kennt seinen Markt ziemlich gut und hat oft schon die ersten großen Kunden aufgetrieben, noch bevor das Produkt überhaupt fertig ist.

In einem Punkt muss der Quer-Einsteiger allerdings besonders aufpassen: Da er schon etwas älter ist, wird er in der jungen Start-up Welt oft zuerst nicht richtig ernst genommen. Hier heißt es hartnäckig bleiben oder den jüngeren Kollegen vorschicken.

Der Serial-Gründer

Serial-Gründer

Der Serial-Gründer findet seine Erfüllung darin, etwas von Beginn an aufzubauen. Je mehr Leute ihm sagen, dass seine Idee total für die Tonne ist, desto motivierter ist er, allen genau das Gegenteil zu beweisen.

Wie es der Name schon verrät, ist für den Serial-Gründer kennzeichnend, dass er sich nach Abschluss eines Projekts gleich einem neuen Projekt widmet. Hierbei ist nicht immer entscheidend, dass die Projekte erfolgreich abgeschlossen wurden. Sobald er eine neue Idee hat, geht er ans Werk. Für den Serial-Gründer geht es in erster Linie um: Machen. Machen. Machen.

Vom Serial-Gründer geht sehr viel Dynamik aus. Er ist überaus kreativ, denkt Dinge völlig neu und lässt sich von keiner Konvention zurückhalten. Von Genie bis Spinner kann er alles sein, manchmal auch in einer Person. Er stößt viele Innovationen und Verbesserungen an, unterschätzt jedoch oft den Aufwand, der nötig ist, um Alteingesessene von Neuerungen zu überzeugen.

Der Weltverbesserer

Gründer WeltverbessererDer Weltverbesser hatte schon immer ein gewisses Umweltbewusstsein, hat sich jedoch bisher nicht unbedingt mit Klimaschutz oder Nachhaltigkeit aktiv beschäftigt. Doch dann gab es irgendein Schlüsselerlebnis, zum Beispiel die Geburt eines Kindes oder die Lektüre eines Augen öffnenden Buches. Solch ein Ereignis veranlasst ihn zum Handeln. Er will seiner beruflichen Tätigkeit einen Sinn geben, eigentlich nichts weniger tun, als die Welt retten.

Der Weltverbesserer ist ein Gründertyp mit idealistischen Absichten. Profit steht für ihn nicht im Vordergrund. Jedoch läuft er bisweilen Gefahr, sich zu überfordern. Er frustriert leicht, wenn er begreift, dass Transformation leider Zeit braucht und die etablierte Industrie die von ihm entwickelten Alternativen nicht sofort akzeptiert oder sie sogar als nicht relevant abtut.

Dann heißt es: Dranbleiben, aber einen Gang runterschalten. Der Weg ist das Ziel. Und der Weltverbesserer braucht auf jeden Fall einen Finanzierungsspezialisten im Team. Denn wenn dem Start-up am Ende das Geld ausgeht, ist niemandem geholfen.

Und du?

Kannst du dich mit einem der Typen identifizieren? Oder bist du vielleicht ein Mischtyp? Klar ist: Den perfekten Gründertypen gibt es nicht. Jeder hat persönliche Stärken und Schwächen. Grundsätzlich hat jeder, der den Mut aufbringt, das Zeug zum Gründen. Dabei gilt es, sich auf seine Stärken zu besinnen und sich für das, was man selbst nicht so gut kann, Verstärkung zu suchen. Am Ende macht ohnehin eine gute Mischung unterschiedlicher Kompetenzen und Persönlichkeiten im Team das erfolgreiche Start-up aus!