Wie steht es um Europas Start-up-Szene? Für den zweiten “Europäischen Start-up-Monitor” wurden 2.515 Start-ups, 6.340 Gründer und 23.774 Mitarbeiter aus 17 europäischen Ländern und Israel befragt. Letzte Woche veröffentlichten der Bundesverband Deutsche Start-ups und das European Start-up Network (ESN) die Ergebnisse. Wir haben spannende Antworten gefunden:

Wie groß ist Cleantech in der Start-up-Szene?

14,7 Prozent der europäischen Start-ups gründen laut einer anderen Studie im Bereich Green Economy. Deutschland rangiert im Bereich der Umwelt-Innovationen im Spitzenfeld. Nur Schweden und Finnland sind noch besser. In Deutschland liegt der Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien. In Finnland steht die Energie-Effizienz im Vordergrund.

In den vergangenen Jahren konnte Deutschland zu den Spitzenreitern aufschließen und weist mittlerweile mehr grüne Gründungen auf als seine skandinavischen Mitbewerber. Deutschland ist seit Langem ein gutes Pflaster für Cleantech-Unternehmen. Seit über 30 Jahren hat die starke Umweltbewegung die Notwendigkeit einer Green Economy in die Köpfe gebracht. Die Ingenieursnation war mit dem Innovationsschub durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2000 Deutschland weltweit Pionier im Bereich der erneuerbaren Energien. Neue Trends wie die Digitalisierung der Energiewende bieten enorme Chancen für Start-ups.

Auch in anderen Sektoren erkennen Gründer zu zwei Dritteln die Ökologie und die nachhaltige Entwicklung als wichtig an.

Welche Relevanz haben Start-ups für den (deutschen) Arbeitsmarkt?

  • Jeder zweite neue Arbeitsplatz wird durch ein Start-up geschaffen.
  • Jedes Start-up schafft in Deutschland durchschnittlich 12 neue Jobs. Das sind 2,5 Jobs mehr als im Vorjahr.
  • Bereits in der Frühphase entstehen durchschnittlich 4,8 Jobs. In der anschließenden Start-up-Phase sind es 7,7 weitere Jobs. In der Wachstumsphase steigt der Durchschnittswert auf 21,7 Jobs. In der späteren Phase sollen es sogar 110,9 Jobs pro etabliertem Start-up sein.

Ist Deutschland ein gutes Umfeld für Start-ups?

Die befragten Start-ups durften das Umfeld auf einer Skala von von 1 (sehr schlecht) bis 6 (sehr gut) bewerten. So sieht das Ergebnis für Deutschland aus:

3,3 Verständnis in Politik für Start-ups

2,6 Einfühlungsvermögen der Politik in die Sorgen der Start-ups

2,9 Sensibilisierung und Vermittlung von Gründer-Kompetenzen an Universitäten

2,1 Sensibilisierung und Vermittlung von Gründer-Kompetenzen an Schulen

Es ist also noch Luft nach oben.

Wie ist es, ein Gründer zu sein?

Die Start-ups haben ihre eigene Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Mit 7,3 schätzen Deutschlands Gründer ihre Zufriedenheit positiv ein.

Das wichtigste Motiv für die Gründung des eigenen Unternehmens ist mit 73,2 % die Freiheit. 77,5% finden unkonventionelle Lösungen für ihr Start-up wichtig. Es geht also um kreative Arbeitsweise in einem freien “Spielfeld”.

82,4% der Gründer wollen in ihrem Unternehmen bleiben. Dennoch können sich 63,1% auch einen Verkauf in den ersten zehn Jahren vorstellen.

Wie finanzieren sich Europas Start-ups?

  1. Mit 84,5 % sind die Ersparnisse der Gründer die wichtigste Finanzierungsquelle.
  2. Die zweitwichtigste Finanzierungsquelle sind mit 29,6 % die eigene Familie und Freunde.
  3. Mit 26,5% haben staatliche Zuschüsse und Finanzierungen die drittwichtigste Bedeutung.
  4. Das Kapital der Business Angels spielt bei nur 23,8% eine Rolle.
  5. Venture Capital liegt bei 18,1%.
  6. Inkubatoren, Company Builders und Acceleratoren liegen bei 16,2%.

Und wenn es schief geht?

Fast jeder zweite Gründer hatte bereits ein oder mehrere Unternehmen gegründet. Jedoch sind nicht alle Seriengründer gescheitert. Nur 5,9% waren insolvent geworden. Laut T3N scheitern die meisten Start-ups, weil es keinen Markt für ihr Angebot gibt. Einem Drittel geht das Geld aus und 23 % hatten kein gutes Team. Wenn es schief gehen würde, sind 62 % bereit, es erneut zu versuchen.

Wenn die Gründung eines Cleantech-Start-ups gelingt, dann erwartet einen ein laut European Startup Monitor überwiegend zufriedenes Leben. Man entscheidet selbst, wie man arbeiten will. Vielleicht bleibt man in seinem Unternehmen oder verkauft sein Unternehmen. Man wird dafür sorgen, dass die Welt etwas sauberer wird und dass Menschen Arbeit haben. Die mittelmäßige Unterstützung durch Universitäten, Schulen und Politik sollte einen nicht abhalten. Um die Chancen auf Erfolge zu steigern, sollte man sich die passende Unterstützung suchen. Hier geht es zum großen Start-up-Inkubator- und Accelerator-Überblick.

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