Wer Elektromobilität denkt, der denkt zumeist an Autos: vier Räder, null Abgase.

Doch Elektromobilität umfasst viel mehr als die Umstellung bestehender Fahrzeugkonzepte auf Elektromotoren. Um die klassische Automobilbranche mit ihrer Kernkompetenz in der Fahrzeug- und Antriebstechnik herum, hat sich längst eine äußert vitale und vielschichtige Branche entwickelt, die die Elektrifizierung von Personen- und Warenströmen ganzheitlich betrachtet. Im Fokus stehen dabei neben neuen Mobilitätskonzepten vor allem auch die Einbindung von erneuerbaren Energiequellen, die die Fahrzeuge nicht nur leise, sondern vor allem sauber und grün durch die Straßen fahren lassen. So werden die Fahrzeugbatterien dank innovativer Netztechnik und intelligenter Systeme zu mobilen Energiespeichern, die künftig eine relevante Größe bei der Stabilisierung von Stromnetzen spielen können. Schon heute beschäftigt sich eine Vielzahl von Projekten mit der Umsetzung und Entwicklung entsprechender vehicle-to-grid (V2G) Konzepte.

Das auf diese Weise „grün“ geladene Fahrzeug, ist so, vor allen im urbanen Raum, längst essentieller Teil ganzheitlicher Energie- und Mobilitätskonzepte. Smarte apps erlauben die Routen- und Wegeplanung in intermodalen Wegeketten. So fährt der Elektromobilist von heute längst nicht mehr von A nach B in seinem privaten Elektroauto.

Die Elektromobilität von morgen – ein Zukunftsszenario

Elektromobilität in Berlin

Elektromobilität in Berlin – © eMO (beide Fotos)

Morgens steigt er auf sein e-bike und fährt damit zum nächsten Bahnhof, wo er das gute Stück in einer sicheren Abstellanlage parkt und ohne eigenen mobilen Untersatz mit der S-Bahn weiter ins Büro fährt. Im Verlauf des Vormittags bringt ihm ein Kurier mit einem elektrischen Lastenfahrrad ein Paket mit wichtigen Unterlagen an den Arbeitsplatz, die er für eine Besprechung später am Tage benötigt. Da die Zeit knapp wird, legt er den Weg zum Besprechungsort in einem elektrischen Car-Sharing Auto zurück, auf das er schnell, einfach und flexibel über den zentralen Firmenaccount zugreifen kann. Ein Parkplatz vor Ort ist schnell gefunden, denn das Fahrzeug ist speziell für die städtische Nutzung entwickelt und passt in jede Lücke. Am Nachmittag scheint die Sonne und so reserviert er sich gegen Besprechungsende über sein Smartphone einen der eScooter die im free-floating System überall verfügbar sind, um damit schnell und dynamisch nach Hause zu flitzen. Kaum dort angekommen, liefert der Supermarkt die Zutaten fürs Abendessen und ein kühles Feierabendgetränk – natürlich elektrisch und leise, denn die Kinder im Nachbarhaus schlafen längst. Ein eigenes Auto besitzt der urbane Elektromobilist nicht mehr – wozu auch?

Vielfältige neue Geschäftskonzepte

Somit ergeben sich aus neuen Fahrzeugkonzepten vielfältige neue Geschäftskonzepte, die bevorzugt von innovativen Start-Ups aufgegriffen werden. Geschäfte, die im Kiez sauber und leise ausliefern, die Müllabfuhr, die auf einmal auch nachts vorfahren kann, der Dienstleister neuer Sharingmodelle, bedarfsgerechte Flotten- und Fuhrparkplanung und das dazugehörige Auslastungsmanagement und natürlich die Apps, die uns all diese neuen Dienste und Produkte jederzeit und passgenau zugänglich machen.

Elektromobilität noch kein Selbstläufer

Trotz der vielen Möglichkeiten, der positiven Aspekte für Umwelt- und Stadtentwicklung und dem zunehmenden Interesse großer Konzerne am Thema Elektromobilität, ist diese schöne, neue Welt leider noch kein Selbstläufer. Noch bedarf es Organisationen und Netzwerke, die die Interessen der Akteure bündeln und vertreten, Projekte initiieren und Markttrends und Entwicklungen wie z.B. die zunehmende Digitalisierung und die Automatisierung von Fahrprozessen von Beginn an eng mit der Elektromobilität verknüpfen. In Berlin z.B. übernimmt diese Rolle die Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, die als Teil der Berliner Wirtschafts- und Technologieförderung Berlin Partner die regionalen Kompetenzen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung bündelt und aus einem Netzwerk aus über 50 Partnern heraus regionale, nationale und internationale Projekte und Aktivitäten voran treibt.