Es geht immer um die Gestaltungsfähigkeit einer Klima schonenden Zukunft, wenn Studierende und Gründer bei Programmen von Climate-KIC mitmachen. Nur zu gut wissen wir, wie wichtig dafür Netzwerke sind. Was kann für uns da interessanter sein als ein “netzwerk n”, das sich für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen einsetzt? Und wie genau setzen sich die Studenten für eine nachhaltige Zukunft ein?

Kurzentschlossen habe ich Michael Flohr, einen langjährig Engagierten des Vereins, angerufen. Im zweiten Satz sagte er mir, dass Bildung eng mit Freiheit, Reflexion, Gestaltungskompetenz, Selbstwirksamkeit, Persönlichkeitsentfaltung und kritischem Denken zusammenhänge, und deshalb wolle man kein Business aus dem Hochschulbereich machen. Wer die Nachhaltigkeits-Szene rund um NGOs, Bildung und Initiativen kennt, der weiß, wie bunt und vielfältig die Ansichten sein können. Beim Querdenken kann schon auch einmal das Gewinnstreben als Problemursache deklariert werden. Für Klima-Innovationen brauchen wir ja gerade die ernsthaft motivierten und kreativen Macher. Manche kommen dafür mehr aus der öko-sozialen Ecke und lernen das Betriebswirtschaftliche – andere umgekehrt.

Bei jeder Aktivität interessiert mich die Wirkung. An einer Uni ist es natürlich erst einmal nachrangig, ob sich eine Aktivität wirtschaftlich trägt. Michael erklärte mir begeistert, mit welch einer “unbefangenen” Tatkraft junge Studierende an die Uni kommen. Noch sind die Ideale größer als die Desillusionierung. Sie wagen sich unbekümmert an große Herausforderungen, statt resigniert mehr Grenzen als Chancen zu sehen. Genau solche “Diamanten” gruppieren sich an vielen Unis und Hochschulen.

Wie Studierende im “netzwerk n” unterstützt werden

Diese Gruppen unterstützt das “netzwerk n” durch vielfältige Angebote und Formate, wie z.B. das Wandercoaching. Wenn Du Nachhaltigkeit willst und studierst, dann zeigt Dir das “netzwerk n” beispielsweise, wie Du nicht nur inspirierende, aber vereinzelte Aktionen wie einen Flashmob oder ein bio-veganes Nachhaltigkeits-Frühstück an der Hochschule machst, sondern die Aspekte in die Hochschulstrukturen so einflechten kannst, dass sie nach Dir weiter bestehen und wirken. Wenn Du bereits erfahren bist, dann kannst Du Dich zum “Wandercoach” ausbilden lassen, lernst dabei methodisch und inhaltlich eine Menge über Transformationsprozesse und “wanderst” anschließend von Uni zu Uni, um Deine Erfahrungen an Hochschulgruppen weiterzugeben und diese in ihrem Handeln zu bestärken. Mit dem fertigen Format perspektive n könnt ihr euch ein Diskussions-Event zur Zukunft eurer Hochschulen in eure Stadt holen. Auf der plattform n, wo sich mittlerweile über 1.500 Nachhaltigkeits-Engagierte tummeln, vernetzen und durch vielfältige Tools ihre Projektarbeit erleichtern, und bei der konferenz n findet ihr Gleichgesinnte und Inspiration, mit der ihr euch in die Gestaltung der Hochschulen einmischen könnt.

Allgemeiner gesagt geht es darum, dass Studierende lernen, wie sie ihre Zukunft gestalten und vom Wissen ins Handeln kommen. An der Hochschule geht dies im Hochschulbetrieb, in Forschung, Lehre und  “Governance”. Um die Aktivitäten strukturell zu verankern, werden stetig Finanzierungsmöglichkeiten innerhalb des Bildungssystems angezapft. Zudem engagiert sich das “netzwerk n” in zahlreichen politischen Prozessen, wie z.B. dem Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen, der Jugendpartizipation im Rat für nachhaltige Entwicklung oder der Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, um für die  sozial-ökologische Transformation und ein nachhaltiges Hochschul- und Wissenschaftssystem zu werben.

Wird Nachhaltigkeit dann auch zum Beruf?

Natürlich wollte ich wissen, wie die Studierenden weitermachen. Um dazu schon etwas sagen zu können, ist das “netzwerk n” noch zu jung. 2010 hatten sich sieben Leute zusammengetan, und 2012 wurde der Verein gegründet, der heute 57 Mitglieder zählt, generell aber offene Türen für jede und jeden hat, egal ob Mitglied oder nicht. Der Kreis der Engagierten ist auf jeden Fall deutlich größer und umfasst ein paar Tausend Studierende, Promovierende und junge Berufstätige. Sie kommen aus diversen Studiengängen; sie verbindet aber, dass ihnen Klimaschutz und Gerechtigkeit sehr wichtig ist.Konferenz Netzwerk N

Das “netzwerk n” vereint somit Engagierte, die sich selbst als kritische “Change Agents” bezeichnen würden und die sich auch nicht scheuen Fragen zu stellen wie: “Brauchen wir Wirtschaftswachstum, um glücklich zu sein?”.

Michael ist optimistisch:

“Egal wo sie sind, werden sie ihren Weg machen, und egal wo sie arbeiten, werden sie an dieser Stelle ihre Erfahrungen einbringen. Wir möchten ihnen den Impuls mitgeben, über Nachhaltigkeit nachzudenken. Es bewegt sich bereits eine Menge, aber es wird sich noch eine große Menge bewegen müssen. Wir sind aber optimistisch, denn ohne Optimismus brauchten wir die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit gar nicht erst zu beginnen.”

Was versteht das “netzwerk n” unter Nachhaltigkeit?

Michael versicherte mir, dass über 90 Prozent der Mitglieder dem Verständnis der “starken Nachhaltigkeit” – in Abgrenzung zur “schwachen Nachhaltigkeit” – nahestehen.

Die Green Economy, die modernisieren will, indem die Wirtschaft grüner wird und ihre Ressourcen-Effizienz steigert, würde man grob eingeordnet als “schwache Nachhaltigkeit” auffassen. Denn in der Green Economy werden Ressourcen weiter ungebremst entnommen, solange diese nur effizient genutzt werden.

Im Selbstverständnis vom “netzwerk n” bewegt sich die starke Nachhaltigkeit innerhalb “Planetary Boundaries”, wie sie der Schwede Johan Rockström beschrieben hat. Einfach gesagt, soll Naturkapital (Ressourcen) nur soweit genutzt werden, wie es sich selbst regenerieren kann. Zugleich ist Naturkapital nur begrenzt durch andere Kapitalarten wie Sachkapital zu substituieren – ein Beispiel wäre eine Stadt, die mitten im Amazonas-Gebiet auf einer abgeholzten Fläche neu erbaut wird; der dort zerstörte Regenwald regenerierte sich – wenn überhaupt – nur sehr langsam…. Im “netzwerk n” achten sie daher neben Effizienz- und Konsistenzstrategien besonders auf die Suffizienz, bei der auf das richtige Maß geachtet wird. Die Studierenden beginnen bei sich selbst:

“Für uns bedeutet Nachhaltigkeit auch, die eigenen Ziele und das eigene alltägliche Verhalten kritisch zu hinterfragen.”

Alle Geschäftsmodelle unserer Start-ups schonen das Klima. Wer davon in die Vorstellung einer “starken Nachhaltigkeit” passt, weiß ich nicht. Natürlich freue ich mich über jeden Gründer, dem sogar dieses gelingt. Die Skalierung einer Wirkung ist ebenfalls bedeutsam. Am Ende des Tages wirkt sich die Summe aller Emissionen auf das Klima aus. Entsprechend ist (nahezu) jede Reduktion von Treibhausgasen willkommen.