Das Start-up SunZilla hat ein mobiles Solarkraftwerk entwickelt und will damit eine grüne, nachhaltige und geräuschlose Alternative zu Dieselgeneratoren bieten. Derzeit ist SunZilla im Accelerator-Programm von Climate-KIC. Wir haben Mitgründerin Leonie Gildein (28) gefragt, wie sie in den Cleantech-Bereich gekommen ist, warum es in der Szene immer noch so wenige Frauen gibt und welchen Ratschlag sie für potentielle Gründerinnen bereithält.

„Seit ich denken kann, macht es mir Spaß, Dinge selbst zu bauen. Mein Opa hatte eine eigene Werkstatt. Schon als kleines Kind habe ich dort viel Zeit verbracht und gelernt, zu schreinern, zu sägen, zu bohren und was es so alles gibt. Sehr geprägt hat mich natürlich auch meine Mutter, die erfinderisch und kreativ ist. Bis heute repariert sie kaputte Dinge selbst anstatt sie einfach wegzuwerfen und etwas Neues zu kaufen. Von ihr habe ich diese Freude am Selbermachen übernommen und wohl auch das Bewusstsein für die Umwelt.

In der Schule haben mich Naturwissenschaften interessiert. Die Leidenschaft für Physik ging leider verloren, einfach, weil der Lehrer nicht gut war. Hingegen wählte ich Chemie als Leistungskurs und profitierte hier von einer tollen Lehrerin. Daran sieht man mal, wie sehr einen gute Lehrer prägen können.

Ich wollte die Liebe zur Technik mit Umweltschutz verbinden

Leonie Gilden

Die Berlinerin Leonie Gildein (28) ist noch die einzige Frau im Team von SunZilla

Als Studienfach habe ich Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin gewählt. Für mich hat es keine Rolle gespielt, dass man damit gute Jobaussichten hat und vielleicht später viel Geld verdienen kann. Ich fand das Thema spannend. Der Abschluss hält mir zudem viele Möglichkeiten offen. Interessanterweise war das Geschlechterverhältnis im Bachelor ziemlich ausgeglichen. Das lag bestimmt auch an Berlin. In anderen Städten mag das ganz anders aussehen. Im Master habe ich mich dann für den Schwerpunkt Energie- und Ressourcenmanagement entschieden, und konnte so meine Liebe zu Naturwissenschaften mit meiner Liebe zu Umweltschutz und nachhaltigem Handeln verbinden.

Seit vielen Jahren engagiere ich mich in dem Berliner Verein „Bootschaft“. Wir, eine Gruppe von Freunden aus Schulzeit und der Universität, veranstalten beispielsweise die „Schrottregatta“. Menschen bauen sich Boote aus Altmaterial. Die Boote treten dann in einem Rennen gegeneinander an. Auch haben wir das „Floßkino“ ins Leben gerufen, eine Veranstaltung, bei der junge Regisseure ihre Filme zeigen können. Die Filme thematisieren oft Umweltschutz und Klimawandel.

Aus einem Freizeitprojekt wurde unser Start-up

Leonie Gildein bei der Arbeit

Mitgründerin Leonie Gildein bei der Arbeit

Im Team bin ich die einzige Frau neben vier Männern. Das war niemals ein Problem für mich. Wir respektieren und akzeptieren uns alle, wie wir sind – mit unseren Schwächen und Stärken. Bei uns steht die Teamarbeit im Vordergrund – nicht das Geschlecht. Wäre das anders, würde SunZilla nicht funktionieren und existieren.

Auf den Start-up Veranstaltungen, die wir regelmäßig besuchen, bin ich als Frau oft in der Minderheit. Nachteile habe ich dadurch nie erfahren. Vorteile übrigens auch nicht. In unserem Team diskutieren wir hin und wieder darüber, warum ich eigentlich die einzige Frau bin. Sollten wir uns vergrößern wollen, wäre eine weitere Frau im Team natürlich klasse. Aber wir würden natürlich keinen Kandidaten nehmen aufgrund des Geschlechts, wenn er uns nicht so überzeugen kann.

Ich werde immer wieder gefragt, warum es denn so wenige Frauen in der Cleantech-Szene gibt. Ich habe darauf keine definitive Antwort und kann nur Vermutungen anstellen. Zum einen denke ich, dass sich Frauen immer noch davor scheuen, einen technischen Studiengang zu ergreifen. Hier braucht es mehr Motivation, und die muss schon in der Schule beginnen. Auch die Eltern sollten ihre Töchter ermutigen, mal in technische Berufe zu schnuppern. Zwingen kann man natürlich niemanden. Aber einfach mal ausprobieren, heißt mein Ratschlag.

Zum anderen ist die Gesellschaft trotz aller Fortschritte wohl immer noch sehr traditionellen Rollenbildern verhaftet. Ein Start-up zu gründen, bedeutet unheimlich viel Arbeit und streckenweise große finanzielle Unsicherheit. Vielleicht scheuen Frauen sich davor, das anzugehen. Familie und Job scheinen sich in einer solchen Situation viel schwerer zu vereinbaren als es ohnehin schon ist. Ich würde mir hier mehr Mut von Frauen wünschen und auch Partner, die ihre Frauen oder Freundinnen unterstützen. Und man darf auch nicht vergessen, dass man als Gründerin seine eigene Herrin ist. Da ist also mehr Flexibilität möglich als im Angestellten-Dasein.

Nehmt euch eine starke Frau zum Vorbild und macht mehr Sport

Ich würde mir auch wünschen, dass sich mehr Frauen starke weibliche Frauen als Vorbilder nehmen. Ich zum Beispiel hatte diese tolle Lehrerin im Chemie-Leistungskurs und habe mich von ihr immer motiviert gefühlt. Mein großes Vorbild ist außerdem die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Eine starke Frau, die trotz großer körperlicher Leiden nie aufgegeben hat.

Ich weiß nicht, ob es etwas nützt, wenn es mehr Accelerator-Programme gäbe, die speziell auf Frauen zugeschnitten sind. Denn eigentlich braucht es genau die Mischung im Team, damit gute Ideen entstehen. Ich würde mir wünschen, dass der Cleantech-Sektor per se Frauen überzeugen kann, sich hier als Gründerin mit ihrer Idee einzubringen. Denn was gibt es spannenderes als Alternativen zu unserem bisherigen Wirtschafts- und Produktionssystem zu entwickeln?

Nun ein Tipp zum Schluss für alle Frauen, die mit dem Gedanken spielen, zu gründen: Glaubt an eure Idee und macht einfach! Ich würde sogar sagen: Verwirklicht sie möglichst schnell. Im besseren Fall seid ihr erfolgreich, im schlechteren Fall habt ihr viel gelernt und wisst beim nächsten Mal, was ihr anders machen könnt. Solltet ihr mal hadern, hilft aus meiner Sicht Sport, denn er macht den Körper stark. Ein starker, gesunder Körper führt automatisch dazu, dass man selbstsicherer auftritt. Und damit seid ihr gut vorbereitet auf die Hürden, die als Gründerin auf euch zukommen könnten.“

Protokoll: Nora Marie Zaremba