Ein Gastbeitrag der Studentin Franziska Sarrazin über ihre Erfahrung mit der Climate-KIC Summer School „The Journey“:

„Eine ‚Journey‘ machst du?“, haben mich Freunde und Familie diesen Sommer argwöhnisch gefragt – und bei der Bezeichnung wahrscheinlich eher an einen zwielichtigen religiösen Selbstfindungstrip gedacht. Als ich ihnen dann erklärt habe, dass wir hier in fünf Wochen Geschäftsideen entwickeln, die den Klimawandel bekämpfen und profitabel sind, waren sie alle überzeugt – und sogar neidisch, als meine Nachrichten erst aus Hamburg, dann aus London und aus zuletzt aus Warwick kamen.

Aber trotzdem hatten meine Freunde bei ihrem ersten Verdacht auch ein bisschen recht: Die Journey war in der Tat eine Art Selbstfindung für mich – wenn auch keine zwielichtig-religiöse… Ich habe so viel gelernt wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Lernen war zunächst auch bitter nötig: Als BWLer unter Ingenieuren und Naturwissenschaftlern wusste ich eher wenig über den Klimawandel, seine Ursachen und Konsequenzen. Unwissenheit sollte aber wirklich keinen abschrecken, sich für Climate-KIC zu bewerben, weil die Vorlesungen zum Thema Klimawandel auf Basislevel anfangen und alle so offen sind, dass es keine blöden Fragen gibt.

Journey Summer School #ClimateJourney16
Climate-KIC Journey gefilmt in Bologna

Das zweite inhaltliche Thema der Journey, Entrepreneurship, war mir schon geläufiger. Aber auch hier konnte ich Neues lernen, weil wir viel Gelegenheit hatten, inspirierende Unternehmer zu treffen – auch einige, die ihre Geschäftsidee nach der Climate-KIC Journey realisiert haben. Außerdem waren wir oft am Ort des Geschehens, machten geführte Stadttouren, besuchten den Hafen in Hamburg und eine Startup-Schmiede in London.

In den ersten drei Wochen, vollgepackt mit fachlichem Input, entwickelten wir auch schon die ersten Geschäftsideen und bildeten Teams. Ab Woche Vier wurde es dann ernst: Wir mussten die Geschäftsidee konkretisieren, recherchieren und einen umfangreichen Business Plan schreiben. Der Zeitdruck war enorm, sodass wir als Team lernen mussten, Aufgaben effizient zu verteilen und Entscheidungen schnell zu treffen. In der letzten Woche ging es darum, unsere Idee in einem dreiminütigen Pitch vor einer Jury zu präsentieren. Auch das hat uns herausgefordert, weil jeder auf der Bühne sprechen musste.

Aber das ist genau die Philosophie der Journey: Man lernt nicht durch trockene Theorie so wie in der Uni, sondern durch Ausprobieren (schreib in drei Tagen einen Business Plan!) und natürlich durch die Menschen. Menschen sind der zentrale Punkt und das absolut Beste an der Journey! Man stelle sich vor: Fünf Wochen lang ist man mit 40 internationalen, intelligenten, interessanten und gleichgesinnten Menschen fast 24/7 zusammen. Man geht durch dick und dünn, arbeitet hart, macht Sport, lacht und feiert. Das hat uns in kurzer Zeit so zusammengeschweißt, dass ich wirklich Freunde fürs Leben gefunden habe.

Jetzt, da wir uns wieder in alle Ecken und Winkel Europas verstreut haben, muss ich mich erstmal an die Stille und relative Ereignislosigkeit des Alltags gewöhnen. Mir ist klargeworden, dass ich mit der Journey ein im wahrsten Sinne des Wortes „once in a lifetime“ Erlebnis hinter mir habe. Und ich beneide alle, die sich für den nächsten Sommer bewerben – weil ihr die Journey, diesen spannenden Selbstfindungstrip noch vor euch habt.