Die Food and Agriculture Organization (FAO) schätzt, dass ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel weggeworfen werden. In Zahlen: 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Ein großer Teil dieses „Food Waste“ entsteht in Haushalten, aber auch in der Gastronomie. Könnte man vermeidbare Lebensmittelabfälle eindämmen, hieße das, unnötige Treibhausgasemissionen zu vermeiden und dazu beizutragen, den Klimawandel zu mildern.

Anastasia Hofmann, eine der KITRO Gründerinnen

KITRO-Gründerin Anastasia Hofmann

Die beiden Gründerinnen Anastasia Hofmann und Naomi MacKenzie, Absolventinnen der Hotelfachschule Lausanne, haben eine innovative Lösung entwickelt, mit der Lebensmittelverschwendung in Küchenbetrieben bis zu 60 Prozent gesenkt werden kann: KITRO. Momentan befindet sich das Start-up in der Finanzierungs-, Pilot- und Testphase. 2019 soll es dann offiziell losgehen. Mit ihrem Konzept steht das KITRO-Team auch in der Finalrunde  für den Schweizer Tourismus-Preis Milestone, mit dem besonders innovative Projekte und Persönlichkeiten im Schweizer Tourismus ausgezeichnet werden.

Auf dem Climate-KIC Demo Day 2018 haben wir mit Gründerin Anastasia Hofmann über KITRO und ihre aktuellen Herausforderungen gesprochen.

Anastasia, was ist KITRO?

KITRO unterstützt Restaurants und Kantinen dabei, Lebensmittelabfälle zu quantifizieren, also automatisch zu messen. Basierend auf den so gesammelten Daten und dessen Analyse können Restaurantmanager Arbeitsprozesse anpassen und ressourcenschonender arbeiten.

Wie misst man Lebensmittelabfälle automatisch?

Das ist eigentlich ganz simpel: Wir stellen eine Spezialwaage unter den Abfalleimer und installieren eine Box an die Wand darüber. Die Box hat an der Unterseite eine Kamera und Lichter. Jedes Mal, wenn etwas weggeworfen wird, macht die Kamera ein Foto. Dieses und das zugehörige Gewicht des Weggeworfenen werden dann mit unserer Software per Bildanalyse und Deep Learning ausgewertet. Unsere Software erkennt also mittels künstlicher Intelligenz, was unvermeidbarer und was vermeidbarer Abfall ist. Der Kunde bekommt durch diese Daten einen Bericht, der ihm aufzeigt, wie viel er von was weggeworfen hat. Er kann sehen, welche Lebensmittelabfälle er reduzieren kann. Das ist ein großer Kostenfaktor, der so eingespart werden kann.

Welche Kunden sprecht ihr mit KITRO an?

Unsere Zielgruppe besteht aus großen Kantinen und Restaurants sowie Hotelgruppen.

Warum keine kleineren Läden?

Wir sprechen eher keine kleinen Betriebe an, da diese oft direkt vom Besitzer geführt werden. Dieser hat dann meist noch einen guten Überblick über seine Lebensmittelmengen und -abfälle.

Was bedeutet „KITRO“?

Der Name ist eine Mischung aus „Kitchen“ für „Küche“ und „Hero“ für „Held“.

Was habt ihr für einen Hintergrund, dass ihr euch mit dem Thema Küchenabfälle befasst?

Meine Mitgründerin Naomi und ich haben gleichzeitig an der Hotelfachschule in Lausanne studiert. Wir kommen also beide aus der Richtung Gastronomiemanagement.

Gab es während des Studiums irgendein Schlüsselerlebnis, das euch inspiriert hat?

Ja, bei mir war es während eines Praktikums, als ich nach einem Event dastand und eine halbe Stunde lang Häppchen wegschmeißen musste.

Dann gab es einen Wettbewerb an unserer Uni zum Thema Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit. Es sollte ein Konzept für eine nachhaltige Küche für das Jahr 2025 entwickelt werden. Da habe ich mich mit meiner Mitgründerin Naomi und einer anderen Freundin hingesetzt und genau das getan. Den Wettbewerb haben wir gewonnen – das und die Unterstützung eines unserer Professoren haben uns angespornt, weiter an unserer Idee zu arbeiten. Wir haben uns dann auf Food Waste konzentriert, weil uns von Anfang an wirklich klar war, dass dies der Bereich ist, für den unser Herz schlägt und wo wir etwas ändern möchten.

Habt ihr mit KITRO ein konkretes Klimaziel?

Wir haben momentan noch kein eigenes Klimaziel in Form einer Zahl für eine eingesparte CO2-Menge. Jedoch haben die Vereinten Nationen die Sustainable Development Goals, also die Ziele für nachhaltige Entwicklung, festgelegt. Punkt 12.3 fokussiert sich auf das Thema Food Waste und Food Losses. Ziel ist es, bis 2030 Food Waste auf Einzelhandel- und Verbraucherebene und Food Losses entlang der Produktions- und Lieferketten zu halbieren. Dazu möchten wir beitragen und mithelfen.

Wo steht ihr mit KITRO im Moment?

Jetzt sind wir in der Pilotphase. Wir sind noch in der Produktentwicklung, arbeiten jedoch dabei schon mit Kunden zusammen. Das ist eigentlich so eine Zwischenstufe zwischen Produktentwicklung und auf dem Markt sein. Wir nennen es „smooth transition“, weil wir das Produkt noch testen und entwickeln, aber unsere Kunden, die mit uns zusammenarbeiten, bereits für KITRO zahlen.

Was sind dabei gerade eure größten Herausforderungen?

Durch das Kundenfeedback lernen wir extrem viel. Zum Beispiel haben wir gemerkt, dass wir unsere Hardware noch weiterentwickeln können. Kunden benutzen ihre eigenen Mülleimer, weil sie bereits Entsorgungssysteme haben. Die Eimer haben verschiedene Größen und stehen zum Teil nicht an der Wand – an der aber unsere Box befestigt werden muss. Also brauchen wir einen Stab, damit die Konstruktion auch ohne Wand stehen kann.

Wir haben sehr viele Ideen, wie wir die Hardware noch verändern können. Das gilt auch für die Software – zum Beispiel, was die Berichte angeht. Wie können wir das Dashboard optimieren, welche Infos sind interessant für welchen Benutzer usw. Der Chef möchte eventuell etwas anderes sehen als der Restaurantmanager. Durch die Entwicklung unseres Produkts in Zusammenarbeit mit den Kunden arbeiten wir an einer benutzerfreundlichen Lösung, die Kosten und Ressourcenverschwendung reduziert und einen nachhaltigen Betrieb ermöglicht.