Drei Maschinenbauer, ein Wirtschaftsingenieur und eine ziemlich gute Idee: Direkt nach dem Studium haben Dr. Hendrik Schaede, Christian Schaefer, Nicolai Meder und Sebastian Golisch einen innovativen Schwungmassenspeicher entwickelt – und bieten mit ihrem Start-up Adaptive Balancing Power jetzt ein Produkt an, mit dem das Problem der volatilen Einspeisung gelöst werden könnte. Das Climate-KIC Startup hat inzwischen nicht nur ein großes Pilotprojekt in Irland gestartet, sondern ist auch Publikumsliebling des Climate Launchpad 2014 und Finalist bei der „Climate Impact Battle“ Venture Competition 2017. Jetzt betreten die Gründer nun auch die große Bühne bei SLUSH: Vor 20.000 Zuschauern pitchen Sie Ihre Geschäftsidee als „Slush 100 startup“ in Helsinki. Kurz vor Abschluss der letzten Stage unseres Accelerators haben wir mit Sebastian über die Idee zum Geschäft, besondere Herausforderungen und über seine Energie-Visionen gesprochen:

Welches Problem könnt Ihr mit Eurem Business lösen?

Regenerative Energien sind die Energien der Zukunft. Nur scheint die Sonne nicht nachts und der Wind weht nicht täglich. Bei erneuerbaren Energien gibt’s einfach viel mehr Schwankungen als bei konventionellen – und die müssen ausgeglichen werden. Bisher machen das konventionelle Kraftwerke. Aber wenn die vom Netz gehen, dann müssen Alternativen her.

Speichermöglichkeiten?

Genau. Lithium-Ionen-Batterien zum Beispiel sind aber sehr teuer und gehen durch die vielen Zyklen schnell kaputt. Und bei einem Demand-Side-Management, also angepasster Verbrauch wie beispielsweise bei automatisch ein- und ausschaltenden Kühlschränken oder Lampen, ist das Potenzial zu begrenzt.

Und dem Endkunden sicher auch schwer zu vermitteln. Leute schränken sich ja leider nicht so gerne ein…

Richtig. Deshalb müssen andere Lösungen gefunden werden. Und wir haben uns dafür einer der ältesten Techniken bedient, die es gibt – und zwar der Töpferscheibe. Das heißt: Wir speichern Energie in einer Drehbewegung.

Wie seid Ihr denn darauf gekommen?

Mein Mitgründer Hendrik Schaede hatte schon 2008 angefangen, sich mit dem so genannten Schwungmassenspeicher zu beschäftigen, als er in Maschinenbau promovierte. Unsere Töpferscheibe ist heute natürlich keine echte Töpferscheibe, sondern ein Hohlzylinder aus Karbon, der reibungsfrei mit Magnetlagern, die aus der Grundlagenforschung von Hendriks Institut stammen, im Vakuum rotiert. Und durch die Kombination von diesen Hochtechnologien wird’s am Ende in der Tat günstiger als mit den besagten Lithium-Ionen-Batterien.

Weil?

Weil das System praktisch verschleißfrei ist. Wir bieten eine unbegrenzte Lebensdauer, man kann so häufig laden und entladen, wie man möchte – und das System ist komplett wiederverwertbar.

Warum braucht Euch die Welt?

Weil wir durch unsere Speicher konventionelle Kraftwerke und deren netzstabilisierende Wirkung ersetzen können. Und ein einziger unserer Speicher kann bis zu 140 Tonnen CO2 einsparen.

Top für uns alle. Und welche Kunden wollt Ihr insbesondere ansprechen?

Wir sind auf Netzebene unterwegs, sprich im Business-to-Business-Bereich. Unsere Kunden sind Kraftwerksbetreiber oder auch Stadtwerke, die am Regelleistungsmarkt teilnehmen.

Wäre das Ganze auf lange Sicht trotzdem auch für den Endverbraucher nützlich?

Im Hausgebrauch eher nicht, weil unser Speicher nur wenige Minuten Energie speichert. In der Kombination mit anderen Speichertechnologien kann unser Speicher jedoch auch für den Endkunden interessant sein. In Autos beispielsweise können wir die hohen Belastungen auf die Lithium-Ionen-Batterien erheblich reduzieren.

Welche sind aktuell Eure größten Herausforderungen?

Im Energiemarkt, der aktuell hauptsächlich nur aus Kraftwerken und Verbrauchern besteht, gibt es noch keine klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen für Speichertechnologien. Alle erwarten jedoch, dass sich das verbessern wird. Außerdem lassen wir die Einzelkomponenten extern fertigen und integrieren sie dann in eine fertige Lösung. Bei den vielen Zulieferern gibt es da jeden Tag neue Überraschungen.

Was hält Euch immer bei der Stange?

Doch sehr positives Feedback von allen Seiten. Und vor allem das Wissen: Es muss was passieren! Sonst wird’s im Energiebereich nur noch schlimmer. Die Netze werden immer instabiler, denn die Energiewendeist beschlossen. Deswegen wird es in Zukunft noch viel stärkere Schwankungen geben. Und unser Speicher ist einfach eine wunderbare Lösung dafür.

Welche ist Deine Zukunftsvision zum Thema Energieversorgung?

Eine Welt, in der ganz viele kleine Anlagen dezentrale Energie liefern, viele verschiedene Speichermöglichkeiten – natürlich auch ganz viele Schwungmassenspeicher von uns – und bedarfsgerechter Abruf der Leistungen durch bessere Vernetzung. Das wird auf jeden Fall kommen. Und darauf freue ich mich!