Grüne- bzw. nachhaltige Start-ups machen laut dem Handelsblatt im Jahr 2014 mit 170.000 Neugründungen einen Anteil von 14% aller Neugründungen in Deutschland aus. Und die Tendenz ist steigend. Damit rücken sie auch immer mehr in den Fokus der Medien, der Politik sowie der Investoren.

Haben diese Start-ups demnach inzwischen besondere Vorteile gegenüber anderen Start-ups? Bekommen sie mehr Förderung, schnellere Finanzierung, mehr Einfluss in der Politik und bessere Mitarbeiter? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach, trotzdem sehe ich eine bestimmte Tendenz. Doch dazu später. Zunächst Stück für Stück an das Thema heran.

Nachhaltige Start-ups – was steckt dahinter?

Nachhaltige Start-upsWas definiert eigentlich ökologisch nachhaltige Start-ups? Trennen die besonders intensiv und akkurat ihren Müll oder fahren die nur mit E-Autos oder gar nur mit dem Rad? Vielleicht ja, aber das meine ich nicht. Wenn ich von nachhaltigen Start-ups spreche, meine ich solche Start-ups, die im Kern ihrer Geschäftsidee ökologisch bedenkliche Produkte / Dienstleistungen durch unbedenkliche ersetzen (z.B. erneuerbare Energien, Energiemanagement, Elektromobilität…), oder solche, die neue Lösungen für bereits entstandene Umweltschäden anbieten (z.B. Upcycling, also das Nutzen von Müll für neue Produkte, Roof Top Gardening, CO2-Monitoring, Wasseraufbereitung…), oder solche, die diese Faktoren kombinieren.

Das können sowohl Produkt als auch Service orientierte Start-ups sein. Es können sowohl digitale als auch nicht nicht-digitale Leistungen sein. Das Spektrum ist also sehr groß. Zusätzlich spielen solche Start-ups in fast allen Branchen eine Rolle. Von der Energiewirtschaft, über den Mobilitätssektor bis hin zur Landwirtschaft und Tourismus ist quasi alles mit dabei.

All dies macht die Beantwortung der Frage schwierig und erst recht das Aufstellen allgemein gültiger Thesen. Trotzdem haben sich in meiner Arbeit mit zahlreichen Start-ups einige markante Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Start-ups wie folgt gezeigt.

1. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen

Gesellschaftliche und politische RahmenbedingungenFangen wir mit dem offensichtlichsten Unterschied an. Ökologische Nachhaltigkeit ist quasi ein gesellschaftlicher Wunsch mit breitem Grundkonsens, der sich in der Politik und damit in der Gesetzgebung niedergeschlagen hat. Ein Beispiel ist das sogenannte „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG), das einmal dazu gedacht war, Investitionen in erneuerbare Energien in Deutschland zu fördern. Solche Gesetze und Regelungen eröffnen auch Start-ups neue Geschäftsmöglichkeiten. Jede Art von politischer Einflussnahme auf die Märkte kann sowohl neue Geschäftschancen ermöglichen als auch verschließen. Im Vergleich zu vielen anderen Branchen ist die politische Einflussnahme im Bereich ökologischer Nachhaltigkeit sehr hoch. Das erhöht die Abhängigkeit von ökologisch-nachhaltigen Start-ups vom politischen Willen.

➤ Noch scheinen die politischen Rahmenbedingungen günstig für viele Start-ups zu sein, denn die Politik versucht hier Innovation und Investitionen durch Regelungen und Gesetzte in diesen Bereichen zu erleichtern.

2. Mitarbeiter finden

Start-ups Mitarbeiter findenSeit gut 10 Jahren vermittle ich Mitarbeiter an Start-ups, insbesondere in leitende Positionen und seit 4 Jahren auch für ökologisch-nachhaltige Start-ups.

Es gibt einen wesentlichen Unterschied in der Vermittlungspraxis. Gründer eines ökologisch nachhaltigen Start-ups überzeugen nicht nur als erfolgreiche Jungunternehmer, sondern gleichzeitig als reflektierte Menschen, die etwas „Gutes“ tun. Dies funktioniert auch in der Mitarbeiter-Akquise und erhöht die Chancen, gute Mitarbeiter zu bekommen.

Natürlich ist den potentiellen Mitarbeitern auch das Gehalt, Aufstiegschancen, Team etc. wichtig. Es entscheidend immer das Gesamtpaket. Aber neben der schon mit etwas Abenteuer aufgeladenen Idee, für ein aufstrebendes, junges und innovatives Start-up zu arbeiten, gleichzeitig etwas „Gutes“ zu tun, ist für viele sehr anziehend und hat fast etwas aufregend-erotisches.

➤ Ökologische Nachhaltigkeit als Kern des Geschäftsmodells ist bei vielen potentiellen Mitarbeitern ein starkes Argument sich für diesen bzw. gegen andere Arbeitgeber zu entscheiden. Unternehmerischer Erfolg, gepaart damit etwas Gutes zu tun, ist für viele sehr anziehend.

3. Finanzierung

Start-ups FinanzierungÖkologisch nachhaltige Start-ups haben aus meiner Sicht heute eher Vorteile gegenüber konventionellen Start-ups an Kapital zu kommen. Sie konkurrieren zwar unabhängig vom Thema Nachhaltigkeit mit allen anderen Start-ups um die gleichen Finanzierungstöpfe. Es gibt jedoch immer mehr Förderinstitutionen und Kapitalgeber, die sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert haben.

Lange Jahre war die Finanzierungslandschaft in Deutschland nicht auf nachhaltige Start-ups ausgerichtet. Man hat diese neuen Ideen und Start-ups etwas mit Argwohn oder im besten Fall gönnerhaft betrachtet aber nicht als ernsthafte Unternehmensgründungen. Damit wurde die Förderung bzw. Finanzierung auch meist der Öffentlichen Hand, überlassen, weil es ja hier einen übergeordneten Wert gibt, nämlich die Erhaltung der natürlichen Ressourcen. Und die Erhaltung der Natur hat man lange als rein öffentliche Aufgabe gesehen. Immer mehr geht man jedoch dazu über, auch den ökonomischen Wert dieser nachhaltigen Geschäftsmodelle zu sehen. Das betrifft beide Seiten. Der versponnene Öko-Freak als Gründer ist passé. Heute wird viel mehr auch die ökonomische Nachhaltigkeit als Bedingung für ökologische Nachhaltigkeit betrachtet und damit ist ein ganz anderer Gründertypus entstanden, der viel mehr mit einem Geschäftsmann gemeinsam hat, jedoch immer auch zusätzlich das Gute und Nachhaltige der Geschäftsidee betont. Deshalb rücken ökologische Start-ups immer mehr in den Fokus – auch von Kapitalgebern und Fördermittelgebern. Beispiele dafür sind: startup4climate / Climate-KIC / Wackstum / StartGreen / Mama AG

Selbst der HighTech Gründerfonds hat allein 2014 schon einen 2-stelligen Millionenbetrag in ökologisch nachhaltige Start-ups investiert.

Die starke Rolle, die die Politik spielt und die häufige Veränderung von Regelungen und Gesetzen in diesem Bereichen ist jedoch oft auch ein nicht zu unterschätzender Nachteil, der insbesondere Investoren abschreckt, die Verlässlichkeit brauchen.

➤ Ökologisch nachhaltige Start-ups haben oft sehr viel bessere Möglichkeiten an Kapital zu kommen. Wenn die Abhängigkeit von politischer Einflussnahme zurückgeht, werden sogar noch mehr private Investoren in diese Märkte gehen und die Branche könnte einen neuen Boom erleben.

Fazit

Die Anzahl grüner Start-ups nimmt seit Jahren zu. Das spiegelt den gesellschaftlichen Trend wider und zeigt, wie wichtig das Thema ist. Die Politik, aber vor allem auch die Medien haben einen großen Anteil daran. Wenn sich viele Menschen für dieses Themen interessieren, zeigt sich das eben auch bei der Anzahl von Neugründungen in diesem Bereich in Deutschland. Durch die Verbindung von ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit hat sich die Szene außerdem stark professionalisiert, was wiederum die Erfolgswahrscheinlichkeit dieser Start-ups erhöht und Kapitalgeber sowie gut ausgebildete Mitarbeiter anzieht. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass nachhaltige Start-ups einen noch höheren Anteil der Ausgründenden in Deutschland ausmachen können und quasi zur Normalität werden. Das wäre der größte denkbare Erfolg und wäre uns allen nur zu Wünschen.