Heute wird der rote Teppich für die Final Pitch Gala im Berliner Impact Hub ausgerollt. Im ganzen Land haben Studierende mit all ihrer dynamischen Vorstellungskraft mehr als nur Geschäftsideen entwickelt. Die 57 Ideen zeigen, wie Geschäfte klimaschonend oder gar klimaschützend aufgezogen werden können. Die fünf besten Ideen der Impact Academy Climate 2015 werden ausgezeichnet und mit einem Jahr Unterstützung durch das Climate-KIC und dem Impact Hub gefördert.

Begonnen hatte es im Herbst mit zwei Workshops an der RWTH Aachen und der Universität Münster. Über 270 Studierende lernten Methoden, wie man aus seiner Idee ein funktionierendes Geschäftsmodell formt.

Weiter ging es im Netz: 161 Studierende aus 26 Unis reichten ihre Ideen in der Crowdcity-Onlineplattform ein. Dort wurde es lebendig. Anna Lässer, die das Impact Hub mitgegründet hatte und als Programmdirektorin online begleitete, beschrieb es so:

„und dann … BÄHM … Studenten aus ganz Deutschland haben begonnen, ihre Ideen zu teilen! Jedesmal, wenn wir die Seite neu geladen haben, gab es neue Ideen und Kommentare! Es war surreal.“

Das sind die fünf ausgezeichneten Ideen:

Aerodynamic-SAIL ist eine Segelkonstruktion, um Frachtschiffe aerodynamischer zu gestalten.

Das Segel kann je nach Ladung und Wetter passend eingestellt werden. Durch die bessere Aerodynamik werden die Verbrauchskosten für Schweröl bzw. Dieselöl gesenkt. Dies mildert ebenfalls die ökologischen Folgen durch Verringerung von Emission sowie der endlichen Rohstoff-Förderungsmenge. Man kann das Aerodynamic-SAIL an unterschiedlichen Schiffstypen anbringen. So können auch alte Schiffe in ihrer Aerodynamik ein Update erhalten.

Zielgruppe ist der globale Markt im Logistiksektor. Dies sind Reeder und Logistikunternehmen mit insgesamt mehr als fünftausend Frachtschiffen. Auch Kooperationen mit Werften werden angestrebt.

Noch gibt es kein vergleichbares Produkt am Markt. Es ist kosteneffizienter als ein Schiff umzubauen. In einer Modellrechnung wurde eine Steigerung der Effizienz von 0,375 – 0,828% errechnet.

Im Team sind die Ökonomen Tobias Haslböck, Valeryia Hlavinskaya, Maximilian Kastner, Anna Königseder, Tihomir Nunev und Lena Schmeidl.

Solar Prism Farming ist eine mit Landwirtschaft kombinierte Solarfreiflächenanlage.

Bislang ist das Land unter Solaranlagen meist verschattet. Noch besteht eine Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft und Photovoltaik-Freiflächenanlagen.

Diese Idee löst das Problem durch eine Anordnung, die ausreichen Licht auf den Boden reflektiert und Landwirtschaft ermöglicht. Ein Teil des Solarstroms kann für Bewässerungspumpen genutzt werden. Durch Solar Prism Farming wird die Landnutzung effektiver und zugleich steigt der Anteil ressourcenunabhängigen Solarstroms.

Zielgruppe sind Landwirte und Regierungen in Entwicklungsländern sowie Solarbetreiber, die ihren Fokus erweitern wollen. Gerade in Ländern wie Indien steigen zugleich die Bevölkerungszahlen, der Nahrungs- und Energiebedarf. Ich würde die Idee auch für europäische Länder wie Deutschland interessant finden.

Die Idee ist von Karandikar Mrugank.

„It’s Our Kitchen“ ist ein Restaurant ohne Abfälle. Beispielsweise kann Waschwasser direkt auf dem eigenen Dach im Pflanzenbau verwendet werden. Das Gebäude selbst wird mit einem Mix aus erneuerbaren Energien autark versorgt.

Fakt ist, dass nahezu 30% aller CO2-Emissonen aus der Landwirtschaft stammen. Essensreste auf Deponien führen zu Methan-Emissionen. Eine Berechnung zeigt, dass die Küche bis zu 350,000 kg CO2-Emissionen jährlich vermeiden kann. Einen großen zusätzlichen Effekt würde ich in der Bewusstwerdung bei den Restaurant-Besuchern sehen. So etwas kann Stadtbewohner wieder dichter an die Natur führen.

Die primäre Zielgruppe sind junge Berufstätige und Familien im Alter zwischen 21 und 40 Jahren, die wissen wollen, woher ihr Essen her kommt und ob es gesund ist. Die höheren Preise lassen sich durch den strategischen Aufbau von Stammkundschaft erwirtschaften. Auch können Einnahmen durch wertvolle Nebenprodukte erwirtschaftet werden.

Im Kernteam sind Aaron Cohen und Alhassan Muniru.

Power your Bread ist ein solar geheizter Brotofen.

In Südafrika verdienen 1,5 Millionen Menschen weniger als einen Dollar pro Tag. Die Hälfte davon fließt in den Brotkauf bei aus der Fläche weg zentralisierten Großunternehmen. Mit solaren Backöfen kann billigeres Brot lokal selbst hergestellt werden. Zusätzlich ist es klimafreundlich.

Zielgruppe sind die Brotkunden, die über lokale Bäckereien zunächst im südafrikanischen Johannesburg versorgt werden.

Der Prototyp benötigt weniger Energie als bisherige Öfen. Durch eine geringere Backtemperatur bleiben im Brot mehr Nährstoffe erhalten. Das Geschäftsmodell sieht eine Kaufpreisgestaltung nach der Anzahl verkaufter Brote vor. Der Ofen selbst wird verliehen.

Im Team sind Mani CS, Daniel Meza und Luis Suarez

Transition Turbines transformiert konventionelle Kraftwerke in regenerative Energiequellen.

Kühltürme gibt es bei thermischen Kraftwerken. Dabei wird heißer Dampf in der Mitte des Turmes frei gesetzt. Die kühlere Umgebungsluft führt am Rande des Turmes zu einer Luftströmung. Dort sollen Windturbinen installiert werden. Vorteile bestehen durch den dort besonders konstanten Luftstrom. In den Kühltürmen geschlossener Kraftwerke kann ebenfalls der durch die Sonne erzeugte Aufwind zu Strom gewandelt werden, womit das Kraftwerk dann gänzlich transformiert ist.

Die Idee ist von Stefan Wingo.

Die Kriterien der Jury sind Machbarkeit, Klimawirksamkeit und der Innovationscharakter.

Innovation für klimafreundliche Unternehmen ist möglich

Innovation funktioniert wie die Energiewende: Eigentlich ist alles vorhanden – man muss es nur machen! Eine kürzlich veröffentlichte Studie aber zeigt, dass viele europäische Vorstände noch immer zu geringe Spielräume zur Transformation ihres Unternehmens hin zur Klimaneutralität sehen. Eigentlich müssten Personaler bei Studenten wie diesen anrufen, um neue Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. Weil dies nicht geschieht, muss dem Wunsch durch initiative Öffentlichkeitsarbeit und B-to-B-Unternehmenskommunikation geholfen werden.