Unter dem Motto ‚Plastik – Reduce.Reuse.Recycle.‘ fand vom 27. auf den 28. Oktober im Pier F, dem sogenannten Zukunftshafen, das Climate KIC Programm Climathon 2017 in Frankfurt/Main statt.

8.00 Uhr am 27. Oktober: Langsam trudeln die Teilnehmenden ein. In Frankfurt zielt der Climathon bewusst auf eine überschaubare Teilnehmerzahl ab, welche sich in intensiver Zusammenarbeit mit Coaches Herausforderungen widmen, die von lokalen Organisationen vorgegeben werden. Dieses Jahr bedeutete das:

  1. Becher und MüllKulturwandel: Einweg-Wahn oder Mehrweg-Trend? Wie könnte ein attraktives Mehrwegsystem für Becher aussehen? Die Challenge der Stadt Frankfurt mit #cleanffm sucht nach Lösungen für einen Kulturwandel beim Nutzerverhalten und braucht dafür Teams, die Lust haben, eine Kampagne zu entwickeln.
  2. Smart Packaging: 400.000 x Plastikfolie jede Woche, und die zum Schutz bei Wind und Wetter – ja, ist ziemlich praktisch, aber es geht auch anders. Wie, das erarbeiten unsere smarten Teams beim Climathon für die Challenge von Mix am Mittwoch.
  3. Häusle bauen, aber ohne Plastik! Ist doch klar… Oder nicht? Bis heute werden im Hausbau Dämm-Materialien auf Kunststoffbasis verwendet, obwohl nachhaltige Alternativen auf dem Markt sind. Die Challenge von PIER F, Zukunftshafen FfM, möchte (angehende) Architekten, Handwerker, Bauherrn und die MacGyvers unter uns für Ideen zu plastikfreien Materialien im Hausbau gewinnen, damit Alternativen Einzug in unser Zuhause erhalten.

Doch gegen 9.00 Uhr steht fest, dass die Bahn uns einen Strich durch die Rechnung macht: Von 25 Anmeldungen haben es nur zwölf Teilnehmende in den Zukunftshafen geschafft.

Kein Grund zur Sorge: Das Programm beginnt mit einer Einführung einer Biologin, die anschaulich beschreibt, dass wir uns im Anthropozän befinden. Nicht unbekannt, doch wusstet Ihr, dass man sich später an unser Zeitalter erinnern wird, weil wir einen Mikroplastikring um unsere Erde hinterlassen werden?

Team Mehwegsystem

Team Mehrwegsystem

Nach dem Vortrag und einer Vorstellung der Challenges bilden sich zwei Teams. Beide entscheiden sich für das Thema Kulturwandel, angetrieben von der Stabsstelle ‘Saubere Stadt Frankfurt’ mit der Kampagne #cleanffm.
Die Stadt hat bereits Becher produziert, doch diese weder in ein Mehrwegsystem eingebettet, noch strategisch auf einen wirklichen Kulturwandel abgezielt. Doch dafür sitzen nun zwölf kluge Köpfe beisammen.

Eine Gruppe fokussiert sich auf das Thema Mehrwegbecher-System. Was gibt es bereits? Was funktioniert? Was nicht und warum nicht?

cleanffm

cleanffm

Es wird schnell klar, dass die bestehenden Initiativen deutschlandweit sehr unterschiedlich agieren. Nicht unbedingt sinnvoll für eine so mobile Gesellschaft wie die unsrige. Sollten wir nicht unseren Becher in Hamburg zurückgeben können, wenn wir morgens mit dem ICE am Frankfurter Bahnhof gestartet sind und einen Koffeinkick zum Wachwerden brauchten?

Subcup, Recup, Refill it: Für den einen bezahlt man vorher, der andere ist als Rabattgarant einsetzbar, wiederum andere, der Initiator aus Kassel ist selbst vor Ort, haben ein Mehrwegsystem, welches mit einem Coin als Tauschmittel funktioniert.

Doch was ist für Frankfurt ein geeignetes System?

Team Kickit

Team Kickit

Zwei Räume weiter haben sich drei Frauen vor einem Berg an Bechern verbarrikadiert. Sie wollen eine Kommunikationskampagne entwickeln, die den Kulturwandel von Einweg-Wahn zu Mehrweg-Bechern als Lifestyle fördert.

Die Stunden vergehen. Zwischendrin gibt es Essen, aufzusuchende Interviews und Kundenbefragungen in der Stadt. Es geht wieder in die Arbeitsräume, es wird geschrieben und diskutiert.

Nächtliches Yoga soll die Köpfe wieder klar machen. Die Teams sind an einem Punkt, an dem Unterstützung der Coaches wichtiger ist denn je: Haben sie sich verrannt? Verliebt in die eigene Idee? Wer schon einmal ein Start-up gegründet hat, wird sofort wissen, was ich meine…

Doch sie stellen sich den richtigen Fragen, und die unterschiedlichen Kompetenzen, von der Designerin über den Wissenschaftler von der Uni hin zum Marketingprofi und der Unternehmensberaterin, helfen ihnen, gute, stimmige Konzepte zu entwickeln.

Die Zeit vergeht, ein bisschen Schlaf, dann folgt das Pitch Training.

Am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr folgt der Pitch vor der Jury. Besetzt ist diese interdisziplinär mit dem ‘Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit’ der IHK Frankfurt am Main, dem Energiereferat der Stadt, der Provadis Hochschule, der Agentur ‘auf!’ und dem Social Impact Lab – die stellen für das Gewinner-Team kostenfreie Beratung zur Umsetzung der Idee bereit.

Wieder verläuft es etwas anders als geplant.

Die Konzepte der Teams sind klar und gut durchdacht.
Team ‚Mehrwegbecher-System‘ möchte einen ansprechenden, schön designten Becher herstellen, der aus nachhaltigen Materialien besteht. Wichtig dabei ist, dass nicht lediglich ein Becher produziert, sondern ein funktionierendes System aufgebaut wird.
Dafür geht das Team auf den Prozess ein, der vor der Systemeinführung steht. Die Schritte von einer Stakeholder-Analyse über Workshops mit Kaffeeanbietern, denen bestehende Systeme vorgestellt werden, um selbst zu entscheiden, führen zu einer Community-basierten Entwicklung des Mehrwegsystems.

Team zwei nennt sich ‚KICK IT – City Challenge Frankfurt am Main‘. Um eine Verhaltensveränderung zu erzeugen, braucht man 40 bis 60 Tage. Logisch, dass eine Kampagne über zwei Monate alle Frankfurter Bürger herausfordern soll, ihren Einweg-Kaffeebecherkonsum auf 60 Prozent zu reduzieren. Sie nennen es ‚replacing disposable cups by reusable cups‘. Gelingt es der Stadtgesellschaft, folgt ein Community Event ohne Öko-Touch, dafür mit Green City Ambiente, das Lust auf ‘besser leben’ macht. Sie schlagen ebenfalls die Verbindung zu einem Mehrwegsystem vor.

Schnell ist klar, dass nach 24 Stunden zwei Sieger ihre Idee verwirklichen wollen und sollen. Das passt zum Initiator, dem Europäischen Programm Climate KIC, welches Ideation und Kollaboration als Kernelemente für gelingende Innovationen zum Schutze unseres Klimas begreift.

Die Jury entscheidet: Beide Teams erhalten den Preis. Bereits eine Woche später steht fest, dass die Teams weitermachen, dass sie sogar die bereits bestehenden Initiativen wie cup2gether einbinden wollen. Denn Klimaschutz funktioniert nur mit einer Kultur des Miteinanders. Und diese haben die zwölf Engagierten mit dem diesjährigen Climathon eingeläutet.

Auch wir stehen den Teams weiterhin mit Rat und Tat unterstützend zur Seite. Falls Ihr Tipps habt – immer her damit!

Eure Marlene
von ‘Lust auf besser leben’

Der Climathon, ein Programm von Climate-KIC, wurde in Frankfurt von ‘Lust auf besser leben’ mitorganisiert – Frankfurter Anlaufstelle für Nachhaltigkeit in Wirtschaft & Gesellschaft. Wir sind überzeugt, dass wir – jede und jeder Einzelne – zu einem nachhaltigen Alltag mit kleinen und großen Schritten beitragen können. Um das zu fördern, arbeiten wir mit kleinen Betrieben, Vereinen und Bürgern in Quartiersprojekten über unsere Online Plattform und beratend für eine nachhaltige Entwicklung zusammen. Besucht uns mal: http://ffm.lustaufbesserleben.de/.