Stroh zu Gold, Blei zu Gold, Sch… zu Gold? Funktioniert wohl alles nicht so richtig. Aber dass auch Abfallprodukte Ressourcen sind und man daraus wieder etwas mit Wert machen kann, wissen wir schon lange. Der Joghurt-Becher vom Frühstück, die Zeitung von gestern, die Weinflasche vom letzten Wochenende: Deutschland ist Weltmeister der Recyclingquoten, sie liegen bei 60% für Glas, 71% für Papier und 73% für Verpackungen. Das geht, weil sich schlaue Köpfe Sammelsysteme, Verwertungsprozesse und neue Materialzusammensetzungen ausdenken. Der Beitrag zum Klimaschutz: Noch 1990 hat die Abfallwirtschaft 38 Millionen Tonnen CO2 in die Luft geblasen, heute vermeidet sie 18 Millionen Tonnen. Der Deutschen Sammelwut – eine Erfolgsgeschichte der Klimainnovation. Wer hätte das gedacht.

Es geht aber noch schlauer, Klimainnovation 2.0 sozusagen.

Von Mineralwasser und Plastik

CO2 gilt als der Klimakiller schlechthin. Kein Begriff ist mit dem Klimawandel so verbunden wie CO2. Chemisch ist CO2 allerdings nichts anderes als eine Verbindung aus Sauerstoff und Kohlenstoff. Und Kohlenstoff ist in vielen Dingen des Alltags: Matratzen, Plastikflaschen, Benzin, Duschgel, Kohlensäure in Mineralwasser, Turnschuhen. Um diese Dinge herzustellen, muss man künftig vielleicht nicht mehr (vollständig) auf den fossilen Rohstoff Erdöl zurückgreifen, sondern nutzt das CO2, das als Abfallprodukt in industriellen Prozessen wie z.B. der Energieerzeugung entsteht. Mittlerweile gibt es Technologien, die das das C und die beiden Os energieeffizient voneinander trennen. Damit kann der Kohlenstoff dann von der Chemieindustrie z.B. als Rohstoff in der Kunststoff- und Treibstofferzeugung genutzt werden. Noch ist es eine Vision, aber Innovationsprogramme  wie das Climate-KIC Flagship Programm enCO2re (enabling CO2 re-use) arbeiten an der Entwicklung von Materialien und an Märkten für CO2-Produkte. Und wenn das gelingt, wird nicht nur weniger CO2 in die Luft geblasen (wegen der Vermeidung „frischer“ Ressourcen), sondern sogar welches aus ihr heraus gezogen (wenn das CO2 quasi aus dem Schornstein in die Weiterverwertung geht). Für ganz genaue Potenzialschätzungen ist es allerdings noch zu früh, u.a. weil die Materialentwicklung gerade erst in den Startlöchern steht und man längst nicht alle Anwendungsmöglichkeiten kennt.

Eiffelturm und Klimaschutz

Und was kann man noch mit CO2 machen? Stellen Sie sich vor, Sie haben die Macht, die Welt zu Eiffelturm in Parisretten. Aber Ihre Hände sind gefesselt. So ähnlich geht es den Städten der Welt. In ihnen entstehen 70 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Das Sparpotenzial ist riesig: Wären alle Städte schon heute wie die CO2-effzientesten Städte, könnte man 10 Gigatonnen CO2 jährlich einsparen (das sind zweimal die jährlichen CO2-Emissionen von ganz Europa oder ein gutes Fünftel der weltweiten Emissionen). Gewichtsmäßig sind das 1.000.000 Eiffeltürme!

Neugierig, wie allein 54 Millionen Tonnen CO2 aussehen? Könnte man CO2 sehen, wäre New York unter den eigenen Emissionen begraben.

Die meisten Städte haben es noch nicht in der Hand, dieses Potenzial aufzuschließen. Es gibt aber einen Schlüssel dafür: Monitoring, Reporting und Verifizierung von CO2-Emissionen. Nur überprüfbare und verlässliche Reduktionszahlen ermöglichen Investitionen in klimafreundliche Technologien, denn wenn man nicht weiß, ob man 10 oder 20 Tonnen CO2 eingespart hat, macht es keinen Sinn Geld für weitere Einsparungen von 5 Tonnen COauszugeben, weil das im allgemeinen Rauschen untergeht. Das City-Innovationsprogramm LoCal (Low Carbon City Lab), ein Zusammenschluss von Städten, Stadtnetzwerken und CO2-Monitoringexperten aus Wirtschaft und Forschung, arbeitet daran, die Werkzeuge zu schaffen, die Städten ihre genauen Treibhausgasdaten liefern. Die können sie dann verwenden, um ihre CO2-Performance zu verbessern. Noch besser funktioniert das übrigens, wenn CO2 ein Preisschild über nationale oder sogar ein weltweites Klimaschutzabkommen und entsprechende Handelssysteme bekommt. Dann können Städte nämlich ihre nun genau nachweisbaren CO2-Einsparungen zur Geldquelle machen, indem sie mit CO2-Zertifikaten handeln.

CityTree von Green City Solutions aus Dresden.

Noch Vision in Paris, schon Realität in Deutschland: Der CityTree des Climate-KIC Start-ups GreenCity Solutions. Macht die Luft sauber, kühlt und bindet CO2. www.greencitysolutions.de

Paris übrigens hat schon mal eine Vision zur drastischen Verringerung der CO2-Emission der Stadt vorgelegt, in der im Dezember die Regierenden der Welt den Schlüssel zur Zukunft des Klimaschutzes in der Hand haben. Die Pariser Stadtverwaltung will die Emissionen bis 2050 um 75% reduzieren und dafür die französische Hauptstadt zu einem riesigen Garten machen.  Wenn die Regierenden der Welt bei der Klimakonferenz im Dezember (COP21)  genauso visionär sind, tatsächlich ambitionierte Ziele beschließen und sogar den Weg zu funktionierenden Emissionshandelssystemen ebnen, wird das vielen Klimainnovationen entscheidenden Rückenwind geben.