Vor wenigen Tagen haben sich mehr als 50 junge Menschen auf dem Berliner Climathon die Nacht um die Ohren geschlagen, um Lösungen für klima- und umweltpolitische Herausforderungen der Stadt Berlin zu finden. Was genau dabei herausgekommen ist, erfahrt ihr hier.

Berlin hat sich ehrgeizige Klimaziele auf die Fahnen geschrieben: Bis 2050 soll die Stadt klimaneutral werden. Mit dem Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 hat der Senat eine Roadmap vorgelegt, wie er dieses Ziel erreichen will. „Ein Schwerpunkt dabei ist, neben der klimaneutralen Energieerzeugung auch die effizientere Nutzung von Energie, vor allem in privaten Haushalten”, so Corina Conrad-Beck von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. „Um unsere Klimaziele zu erreichen, brauchen wir die jungen Leute.”

Aus diesem Grund unterstützte der Berliner Senat den diesjährigen Climathon. Er soll junge Leute anregen, in Eigeninitiative die Stadt ‘leb-barer’ zu machen. Und genau das griffen die vier Teams sofort auf: Sie rauften sich zusammen und präsentierten nach 24 Stunden ihre Antworten auf die Frage, wie die Berliner Energie besser nutzen können. Die konkreten Lösungen sehen dabei sehr unterschiedlich aus, aber das Ziel war immer dasselbe: Haushalte sollen erkennen können, wie viel Energie sie tatsächlich verbrauchen und welche Potenziale für Einsparungen sie haben.

Climathon Berlin Teilnehmer
Climathon Berlin Teilnehmer

Eines der vorgestellten Konzepte zum Energie sparen setzt voll und ganz auf den Nachwuchs. Das Projekt „Just Kidding“ will, dass Berliner Kinder in der Grundschule lernen, wie man Energie besser nutzt und das Gelernte dann zu Hause zusammen mit den Eltern umsetzt. „Das kann man an Projekttagen oder Projektwochen durchführen”, erklären die Teammitglieder auf den engen Lehrplan in der Grundschule hin befragt. So soll es auch möglich sein, das Spiel, welches das Wissen um die effiziente Nutzung von Energie vermittelt, als Wettbewerb innerhalb der Schule zwischen den einzelnen Klassen einer Jahrgangsstufe zu gestalten.

Beim zweiten Projekt standen nicht die Kinder, sondern der Geldbeutel im Vordergrund. Auf die finanziellen Einsparungen hebt WePower ab. Diese werden in Efficiency Coins umgerechnet. Die virtuellen Geldbeträge können die Haushalte entweder selbst für sich verwenden oder spenden. Im zweiten Fall werden mit den eingesparten Geldern Elektrifizierungs-Projekte in Regionen umgesetzt, in denen die Menschen ohne Zugang zu elektrischem Strom leben. Laut WePower Team können Spender über die interaktive Plattform die Entwicklung dieser Projekte ständig mitverfolgen. Die Plattform kann aber noch mehr: Sie übermittelt den teilnehmenden Haushalten ständig Informationen über den aktuellen Stand des Energieverbrauchs und Tipps, wie sie Energie sparen können, um überhaupt Efficiency Coins zu ernten.

Climathon Berlin Teilnehmer
Climathon Berlin Teilnehmer

Berliner Haushaltsmüll als Rohstoff

Hauptsächlich um Information geht es auch bei den Lösungen im zweiten Wettbewerb des diesjährigen Climathon. Hier geht es noch nicht darum, Energie einzusparen, vielmehr kümmert sich die Berliner Stadtreinigung als Unterstützer dieses Wettbewerbs um die Energie-Erzeugung – hier von Biogas. Der Rohstoff für die Anlagen ist Biomüll aus den Haushalten. Doch die Bereitschaft der Berliner, den Biomüll in die dafür vorgesehene Tonne zu füllen, ist noch gering. „Derzeit sammeln wir jedes Jahr 19 Kilogramm Biomüll pro Einwohner ein“, beschreibt Marion Bühl von der BSR die Situation. „Um unser Ziel von 100.000 Tonnen Biomüll pro Jahr zu erreichen, brauchen wir aber 30 Tonnen pro Person jährlich.“ Dazu müssen die Berliner nicht mehr Müll produzieren, sondern den ohnehin anfallenden Müll einfach konsequenter trennen. Denn immerhin 45 Prozent des Restmülls besteht aus Bioabfällen, die eigentlich in die Biotonne gehören.

Fünf Teams haben sich der Frage angenommen, wie mehr Küchenabfälle in der richtigen Tonne landen. Die Lösungen reichen von der Kooperation mit lokalen Lebensmittelhändlern bis hin zu Prämien, die von der BSR ausgelobt werden. Um das Image der Biotonne aufzupolieren, hat sich ein Team das Konzept einer ‘Waste Week’ überlegt. Ein interaktives Festival, das in allen Berliner Stadtbezirken stattfindet, soll über die Vorteile des Biomüll-Sammelns für jeden Einzelnen aufklären. Kulturelle und künstlerische Veranstaltungen werden dafür sorgen, dass die Berliner das Thema Mülltrennung mit etwas Positivem verbinden.

Die Wahl des Siegerteams fiel der Jury sichtlich schwer. Denn alle Konzepte hatten ihren Reiz. „Die beste Lösung wäre eine Kombination aus allen vorgestellten Ideen“, sagt Marion Bühl. Doch am Ende hat sich das Konzept mit dem größten Spaßfaktor – die ‘Waste Week’ – durchgesetzt.

Climathon Berlin Teilnehmer
Climathon Berlin Teilnehmer

Pokémon für reine Luft

Für alle, die schlechte Luft im Büro haben, gibt es eine gute Nachricht – sie heißt ‘Emotion to Motion’ und wurde auf dem Berliner Climathon entwickelt. Ganz im Stile von Tamagotchi oder Pokémon soll auf einem Monitor die Luftqualität im Raum in Gestalt einer animierten Figur dargestellt werden. Der jeweilige emotionale Zustand dieser Figur zeigt den Stand der Schadstoffbelastung in den Räumen an und motiviert die Nutzer zum Handeln: Ist dieser Zustand als ‘traurig’ dargestellt, greift das Helfersyndrom, ist er ‘zufrieden’ wirkt dies als positives Feedback –eine Idee, die sehr einfach und in naher Zukunft umgesetzt werden kann.

Nicht auf die Politik warten!

Climate-KIC, Europas Initiative für klimafreundliche Innovationen, veranstaltete den Climathon schon zum zweiten Mal. Zeitgleich mit den Berliner Teilnehmern arbeiteten Teams in 104 Städten und Regionen in aller Welt an Lösungen der klimapolitischen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft dort vor Ort steht. Für die Teilnehmer geht es darum, dass man auch in kleinem Stil etwas ändern kann, dass man nicht immer auf Eingaben von der Politik warten muss, sondern dass man auch mit eigenen Themen etwas umzusetzen in der Lage ist. Die Teilnehmer mussten der Fachjury innerhalb von 24 Stunden ihren Vorschlag präsentieren. Sie wurden dabei von einem Business-Coach unterstützt und bekamen inhaltlich hilfreiche Hinweise und auch Tipps, um an den Lösungen weiterzuarbeiten. Es ist der Enthusiasmus und der Stolz aller Beteiligten, gemeinsam die Welt ein Stück verändern zu können, der bis zum Schluss präsent war und den Climathon ausmachte – und vor allem nachhaltig über diese Veranstaltung hinaus weiterlebt.

Climathon Berlin Diskussion
Climathon Berlin Gruppenbild Teilnehmer