Am 27.10.2017 trafen sich Menschen in 104 Städten weltweit, um am Climathon zu partizipieren. Seit 2015 stecken die Teilnehmer dieser Veranstaltungen 24 Stunden die Köpfe zusammen, um während dieser Hackathons zum Themenkomplex Klimawandel Ideen und Lösungsansätze für die Probleme und Nöte ihre Stadt zu entwickeln. Von den vier Climathons in Deutschland befasste sich der erste Climathon in Essen speziell mit den Anforderungen der Mobilität innerhalb der Stadt, in der mehr als die Hälfte aller Wege der Bevölkerung mit dem Auto zurückgelegt werden. Neben Climate-KIC, den Erfindern des Climathons, waren als ortsansässige Partner Impact Hub Ruhr, Agile Accelerator von E.on, die Mercator Stiftung und die Stadt Essen mit im Boot. Circa zwei Dutzend Teilnehmern meldeten sich an und bildeten vier Teams, die schon nach einem Tag intensiver Zusammenarbeit, detailreiche Ideen und Lösungen für hiesige Probleme vorstellen konnten.

Team1 und Team4: Statt Auto, Fahrrad oder Bus & Bahn.

Team1 und Team4 beschäftigten sich beide mit der Aufgabe Autofahrern die Nutzung von Fahrrad und ÖPNV näherzubringen und hatten separat voneinander die gleiche Idee: einen Dienst, der aufzeichnet wie viele Kilometer ein Nutzer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt und in Punktesystem überführt. Die gesammelten Punkte können dann bei Sponsoren gegen Preise, Vergünstigungen oder Dienstleistungen eingelöst werden.

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Gute Laune in der Ideenschmiede

Bei Team1 und ihrem Konzept “Essen bewegt sich” können die Sponsoren die Krankenkassen, Energieversorger oder auch der Arbeitgeber sein, die ein Interesse an gesunden und fitten Mitgliedern, Kunden oder Arbeitnehmern haben. Ein besonderer Sponsor kann die Stadt Essen sein, die ihre Bürger bei einer bestimmten Anzahl von ökologisch zurückgelegten Kilometern mit positiven Veränderungen im Stadtbild belohnen könnten. Hier würden Sponsoren aus der Wirtschaft mit den Städten zusammenarbeiten und diese stadtplanerischen Ideen mitfinanzieren und umsetzen, damit öffentliche Gelder nicht einfach nur umgeschichtet werden und es dann im Haushaltsplan an anderen Stellen fehlt.

Team4 will bereit bestehende Dienste, in denen auch Punkte gesammelt werden, um sie gegen Waren einzutauschen, inkorporieren und setzt bei der Teilnahme durch die Bürger nicht nur auf die Preise oder Vergünstigungen, sondern auch auf eine kompetitive Komponente. So kann man mit seinen eingesparten autofreien Minuten oder Kilometern gegen Freunde, Familie, Arbeitskollegen oder auch Firma gegen Firma oder Vereinsfans gegen Vereinsfans antreten und Einzel- oder Gruppensiege für sich beanspruchen.

Team2 – Ruhr Mobilität Wohnen ist RuBiWo

Für Menschen auf Wohnungssuche gibt es aktuell keine Möglichkeit den optimalsten Wohnort entsprechend aller möglichen Anforderungen über eine einzige Recherche herauszufinden. Team2 entwickelte die Idee zu RuBiWo, einer webbasierten Stadtkarte für Essen, die einem nach Eingabe der wichtigsten Kriterien die Bereiche in der Stadt aufzeigt, die den eigenen Wohnpräferenzen entsprechen und dabei schnelle Verbindungen mit dem ÖPNV von der Wohn- zur Arbeitsstätte ermöglichen. Dabei werden die passenden Gebiete visualisiert wie bei einer Wärmeflusskarte: die passenden Gegenden werden rot und im Farbverlauf bis zu den blauen Gebieten dargestellt, auf die die Kriterien am wenigsten zutreffen. Eine solche Karte kann auch von Stadtplanern genutzt werden, um herauszufinden in welchen Stadtgebieten die Infrastruktur verbessert werden muss.

Team3 – “I Park Bike” – Ein sicherer Platz für das Fahrrad

Das dritte Team nahm sich den Fahrradbesitzern an, die Angst haben dass ihre Drahtesel bei offenem Parken in der Stadt entwendet werden. Um den Mangel an sicheren Abstellplätzen oder Fahrradboxen entgegenzuwirken, entwickelte das Team die Idee für “I Park Bike”. Es ist ein Dienst, der Fahrradfahrer mit Menschen zusammenbringt, die innerstädtische, freie Plätze und Stellflächen in abgeschlossenen und damit sicheren Arealen vermieten würden. Im Bereich der Sharing Economy gibt es bereits solche Dienste um Autos zu Parken, aber noch nicht für Fahrradstellplätze. Zusätzliche Sicherheit soll die Zusammenarbeit mit einer Versicherung bringen, über die Fahrräder in einem Schadensfall oder bei Diebstahl versichert wären.

Die Gewinner-Teams

Climathon EssenMit ihrer Idee zu “I Park Bike” konnte das dritte Team die Jury für sich gewinnen und den Hauptpreis des Hackathons einheimsen. Die Climate-Hacker von Team3 besitzen ab sofort eine Mitgliedschaft im Impact Hub und können sich nun sowohl im Impact Hub Ruhr, sowie in allen Impact Hubs weltweit treffen, arbeiten und sich mit Hub-Mitgliedern austauschen. Team1 wurden zusätzlich für ihre originellen Idee, wie z.B. Stromerzeugung durch die Nutzung von Bewegungsenergie über Bodenplatten im öffentlichen Raum prämiert. Beide Teams dürfen sich über die weitere Teilnahme über Workshops von Agile Accelerator, dem Innovations- und Business-Inkubator von E.on freuen.

Fazit

Der erste Climathon in Essen dürfte bei allen Beteiligten mehr als nur einen positiven Eindruck hinterlassen haben. Eine höchst heterogene Gruppe von Teilnehmern hat sich in die vier Teams aufgeteilt, die zum Ende des Tages drei bis vier voll geschriebene und gemalte Wände und Tafeln vorweisen konnten. Den Kritzeleien, Notizen und Darlegungen war das ambitionierte Tageswerk abzulesen und der Impact Hub Ruhr, mit seinen tollen Räumen im Technik Haus gegenüber vom Hauptbahnhof, war in Zusammenarbeit aller Partner ein perfecter Gastgeber. Das aktive Engagement durch E.on, der Mercator Stiftung und der Stadt Essen, personifiziert durch den Klimaschutzbeauftragten der Stadt, Christoph Schlösser, zeigt dass Initiativen wie der Climathon, der richtige Weg sind, um städtische Anliegen und privatwirtschaftliche Interessen mit dem Interesse der Bürger an Beteiligung zusammenzubringen. Einige der Teilnehmer sind für den Climathon extra aus Düsseldorf und Köln angereist. Ein gutes Zeichen für das Veranstaltungsformat, wenn es den Rhein-Bewohner an die Ruhr zieht. Das dürfte neben vielen anderen Gründen genug Anlass für eine Wiederholung der Veranstaltung im nächsten Jahr sein.