Heute möchten wir auf climate-kic.de einen „Deep Dive“ in das Thema des diesjährigen EIT Climate-KIC Gipfeltreffen in Dublin (6-8. November) tätigen: Die „Mission Finance“.

Um einen katastrophalen Klimawandel zu verhindern und das Ziel des Pariser Klimabkommens von deutlich unter 2°C zu erreichen, muss die Dekarbonisierung mindestens sechsmal schneller erfolgen als alles, was die Weltgemeinschaft bisher erreicht hat. Wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5°C begrenzt werden soll, dürfte  Europa ab Mitte der 30er Jahre netto keine fossile CO2-Emissionen mehr ausstoßen. Ein heute in Europa geborenes Kind, müsste also nach dem Schulabschluss ein CO2-neutrales Leben führen. Eine solche Zukunft ist noch ehrgeiziger als die vereinbarten europäischen Ziele und weit entfernt von den bisherigen Fortschritten.

Sprunghafte Fortschritte sind nötig

Allmähliche, schrittweise Veränderungen reichen nicht mehr. Jetzt ist eine grundlegende Transformation der Wirtschafts-, Sozial- und Finanzsysteme erforderlich, die einen exponentiellen Wandel der Dekarbonisierungsraten auslöst und die Klimabeständigkeit stärkt. Das bedeutet sprunghafte Fortschritte bei der Energieeffizienz, bei der sauberen Elektrifizierung von Energie, Verkehr und Industrie, bei den Recyclingquoten und radikale Veränderungen bei der Verwendung und Gestaltung von Materialien sowie bei der Bewirtschaftung unserer Wälder, Acker- und Feuchtgebiete.

Das globale Finanzsystem spielt bei dieser Transformation eine „make or break“-Rolle. Die Finanzmärkte bieten sowohl die größte Bedrohung für den Aufstieg in eine kohlenstofffreie, widerstandsfähige Zukunft als auch die größte Chance für Investitionen in diese Zukunft. Auf der einen Seite stehen die kurzfristigen und Rendite-orientierten Motivationen der Finanzmärkte im Widerspruch zu den langfristigen Zielen, eine kohlenstofffreie Zukunft zu erreichen. Andererseits können kleine Veränderungen in der Funktionsweise der Finanzmärkte erhebliche Geldströme in klimafreundliche Anlagen umleiten.

Titelbild Climetrics: Klima Rating für Investment Funds

Bisher hat das Finanzsystem auf die Klimaagenda reagiert, indem es das Kapital der Betroffenen oder Interessierten auf Aktivitäten und Vermögenswerte lenkt, die als „nachhaltig“ definiert sind, bestehende Instrumente und Mechanismen für Investitionen wie grüne Anleihen nutzt und die Renditeerwartungen an einen längeren oder geduldigeren Zyklus anpasst. Energie und Anstrengungen wurden darauf gerichtet, die Zahl der investierbaren nachhaltigen Anlagen zu erhöhen. In einigen Ländern wurden Steueranreize und CO2-Märkte eingeführt, um die Nachfrage zu beschleunigen, Ausgleichszahlungen zu verteilen und das Risiko zu reduzieren oder zu teilen. Diese Initiativen haben allmähliche Übergänge und einige positive Marktsignale ermöglicht, aber sie erweisen sich derzeit als zu langsam und zu inkrementell, um das Ausmaß und das Tempo des notwendigen Wandels zu erreichen.

Vor allem aber geht es nicht darum, inwieweit die Gestaltung des Finanzsystems selbst – seine grundlegenden Annahmen, Normen und Wertdefinitionen – für das vor uns liegende Problem von zentraler Bedeutung ist. Wir finanzieren unsere globale Gesellschaft und Wirtschaft weiterhin auf der Grundlage der kurzfristigen Gewinnmaximierung, der Anreize für hohen Konsum und enger Wertbestimmungen, die den sozialen Nutzen außer Acht lassen und die realen Kosten von Externalitäten wie Umweltauswirkungen und Klimarisiken nicht mit einbeziehen und den systemischen Charakter dieser Auswirkungen nicht anerkennen. Die Erwartungen der Kapitalmärkte haben zu Blockaden geführt, die eine Verschiebung von schrittweisen Anpassungen hin zum Strukturwandel bremsen.

Damit das Tempo der Transformation in Richtung einer klimaneutralen Gesellschaft erhöht werden kann, müssen wir unser Finanzsystem völlig neu ausrichten und das Klima in die etablierten Finanzmärkte integrieren, damit die Auswirkungen und Effekte des Klimawandels zu einem notwendigen und verbuchten Kostenfaktor in der Wirtschaft werden; starke, finanzielle Anreize schaffen, um etwas zur Emissionsminderung beizutragen; und die Marktgestaltung und Wertökonomie in Bezug auf Zirkularität und planetarische Grenzen überdenken. Wie können wir das erreichen? Was sind die wichtigsten Hebel des Wandels? Wie können wir die massiven finanziellen und wirtschaftlichen Chancen, die dieser Wandel bietet, nutzen? Das ist die  „Mission Finance“.

Die „Mission Finance“

Mission Finance ist das zentrale Thema des diesjährigen Climate Innovation Summit – der einzigen paneuropäischen Veranstaltung dieser Art.

Der lösungorientierte Gipfel konzentriert sich darauf, wie die exponentielle Beschleunigung der Dekarbonisierung durch Innovationen in den Finanzsystemen katalysiert werden kann. In den Breakout-Sitzungen wird jeder Sitzungsleiter gebeten, Möglichkeiten zum Austausch von Ideen zu schaffen, die oft unausgesprochen bleiben; Gespräche anzuregen, die unerwartete Hebelpunkte und Definitionen aufdecken; Wege zu erkunden, wie wir Innovationen einsetzen könnten, um Finanzsysteme, die neu gestaltet wurden, mit der Transformation der Realwirtschaft zu verbinden.

Die Teilnehmer sind eine vielfältige Gruppe von Unternehmern, Branchenexperten, Politikern, Unternehmern, Forschern, Studenten und den wichtigsten Denkern, um innovative Perspektiven, Fachwissen und kritische Erkenntnisse auszutauschen.

CIS 2017 - Der Climate Innovation Summit 2017 in Mailand

Foto-Rückblick: Der Climate Innovation Summit 2017 in Mailand

Das Programm des „CIS“

Das Programm des Climate Innovation Summit 2018 soll Raum für neue Perspektiven der nachhaltigen Finanzierung schaffen und gleichzeitig die Innovationskapazität der mehr als 300 Partner des EIT Climate-KIC aus dem privaten und öffentlichen Sektor nutzen.

Wir werden von Pionieren wie Dennis Pamlin, RISE/Mission Innovation, führenden Ökonomen, darunter Mariana Mazzucato, Politikern und Entscheidungsträgern wie dem europäischen Vizepräsidenten Maroš Šefčovič sowie dem Europaabgeordneten und Berichterstatter für nachhaltige Finanzen Molly Scott-Cato hören.

Die EIT Climate-KIC-Partner werden Masterclasses, Deep Dives, Pitching und Workshops zu Themen wie Risikoeinschätzung und physisches Risiko für Asset Manager, Landschaftsfinanzierung, Infrastrukturfinanzierung und einer neuen offenen Umweltrisikonorm anbieten. CDP, Southpole Group, Carbon Delta, ISS Ethix und Hack4Climate werden unter anderem ihre Erkenntnisse und ihr Wissen weitergeben.

Die drei Tage des Gipfels sollen von (Tag 1) an eine Reflexion über bestehende Grundlinien, Leitlinien und politikgetriebene Mechanismen für den Wandel aufbauen, indem (Tag 2) untersucht wird, wie wir das bestehende System dazu bringen können, sich durch unerwartete Hebelpunkte und neue Wege der Gestaltung von Investitionsanreizen zu transformieren und auf (Tag 3) eine Erforschung von Innovationen in Aktion hinzuarbeiten: Single Point oder systemisch, politikgetrieben oder technologiegestützt und mit Blick auf die Realwirtschaft.

Neugierig geworden? Jetzt mehr erfahren und anmelden unter www.climateinnovationsummit.org

CIS 2018