Entrepreneure sind Entdecker neuer Märkte und lukrativer Nischen. Besonders für sie ist es wichtig, auf Trends zu reagieren und diese in ihren Geschäftsmodellen zu berücksichtigen. Welche Entwicklungen im Bereich Cleantech waren in diesem Jahr wichtig? Welche Rückschlüsse ziehen Sie daraus? Zeit für Reflektionen:

Divestment: Währungshüter nehmen wirtschaftliche Klimafolgen ernst

Seit einiger Zeit beobachten wir den Trend, dass große Investoren ihr Geld aus fossilen Energiegeschäften abziehen. Angetrieben wird er von Klimaschützern und Ökonomen, welche die Zeichen der Zeit richtig gedeutet haben: Der Klimawandel und die Fähigkeit, sich daran anzupassen, sind essentiell bei der Bewertung von Investments. Neu in diesem Jahr ist, dass die Hüter des Finanzsystems wirtschaftliche Klimarisiken ernstnehmen:

  • Ein an der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedeltes Forschergremium hat davor gewarnt, dass ein verspäteter und dann in Konsequenz abrupter Klimaschutz zu einer dauerhaften Wirtschaftskrise führen könne.
  • Das deutsche Bundesfinanzministerium empfiehlt einen geordneten Übergang zu klimafreundlichen Investitionen. Mit einem abrupten „Divestment“ aus CO2-intensiven Anlagen würde ein unwägbares Risiko für die Stabilität des Finanzmarktes enstehen. Man forscht dort weiter zu dem Thema.
  • Ein Gremium der G20-Staaten forderte, dass Unternehmen wirtschaftliche Klima-Risiken mehr als bisher berücksichtigen müssen.
  • Der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, empfiehlt zum Erhalt der Finanzstabilität Investitionen mit Weitblick. Auch er spricht sich für einen behutsamen Übergang aus.
  • Das europäische Parlament verpflichtet unter anderem betriebliche Rentenfonds zum Divestment.

Die Zeiten, in denen wirtschaftliche Klimarisiken ignoriert wurden, sind vorbei. Nun steht die Information im Mittelpunkt, Aufklärung wie sie Climate-KIC Partner wie das Carbon Disclosure Project (CDP) oder das Start-up Carbon Delta betreiben. Divestment muss schrittweise und entschlossen erfolgen. Das entlastete Geld kann in neue, sichere und Klima schonende Finanzprodukte fließen.

Neue Investoren mit Interesse an Cleantech

Als zwischen 2006 und 2012 im Silicon Valley die Hälfte der investierten 25 Milliarden Dollar in saubere Energie verloren ging, war viel Vertrauen von Venture Capitalists zerstört. Als Cleantech Unternehmer an Risiko-Kapital zu kommen, ist noch immer schwierig. Das MIT erklärte in einer viel beachteten Studie, weshalb Cleantech für VCs das falsche Geschäftsmodell sei. Bei hohem Risiko werde meist eine hohe Rendite erwartet. Daher seien insbesondere in der Frühphase von Cleantech-Start-ups öffentliche Förderprogramme und Public-Private-Partnerships unersetzlich. Genau dort will die “Breakthrough Energy Coalition” um Bill Gates ansetzen, die wir hier im Climate-KIC Blog bereits vorgestellt hatten. Beginnend mit einer Milliarde Startkapital soll das Kapital von „Breakthrough Energy Ventures“ (BEV) bis 2020 auf 30 Milliarden Dollar anwachsen.

Natürlich gibt und gab es auch vor “dem Club der guten Millardäre” Finanzierungswege. Grundlagen zu Investoren und Cleantech finden Sie hier im Climate-KIC Blog. Man kann auch überlegen wie neue Investorengruppen angesprochen werden können – nämlich all diejenigen, die ihr Kapital aus fossilen Energien abziehen. Diese werden sich vermutlich mehr für reifere Phasen interessieren, um Risiken zu minimieren.

In Deutschland sind Industrielle Umwelt-Investitionen im Aufwind. Das statistische Bundesamt meldete kürzlich ein Allzeithoch für 2014: 2,7 Milliarden Euro flossen hier allein in den Klimaschutz. Die aktuelle Marktanalyse der Export-Initiative Erneuerbare Energien belegt: Nie zuvor wurde global so viel in alternative Energieformen investiert wie die 273 Mrd. Euro im Jahr 2015. Im Rennen um die Cleantech-Marktführerschaft muss der Blick nach Osten gerichtet werden: Im kontrastreichen China geschieht Bemerkenswertes. Die im Fünfjahresplan definierten CO2-Ziele weisen den Weg. Bereits ein Weltbankbericht aus dem Jahr 2014 prognostizierte bis 2024 Cleantech-Investitionen von bis zu 415 Milliarden Dollar. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostizierte für 2025 ein globales Umwelttechnik-Marktvolumen von 740 Mrd. Euro.

Digitalisierung: Blockchain & Co. können Energiewirtschaft umkrempeln

Der BDEW erkennt in der Digitalisierung der Energiewirtschaft das Risiko disruptiver Marktentwicklungen, die das klassische Geschäftsmodell der Energiewirtschaft zu gefährden vermögen. Gleichzeitig sieht er neue Chancen durch den digitalen Wandel. Wenig überraschend daher, dass sich die Energiewirtschaft vermehrt für neue Geschäftsmodelle interessiert und sich gerne Innovationsressourcen in Form von Start-ups sichert. Lesenswert zur Digitalisierung sind das Interview mit dem Gründer eines Blockchain-Start-ups, die Blogparade #digiEwende der Energieblogger und ein Themenüberblick, womit sich Start-ups in der Digitalisierung beschäftigen.

Erneuerbare Energien boomen weltweit

In diesem Jahr wurde global erstmals mehr in erneuerbare als in konventionelle Energien investiert. Im Jahr 2016 wurden laut Globaldata beispielsweise knapp 70 GW an neuer PV-Leistung installiert. Solarserver.de berichtet:

„Seit Einführung der Technologie in den 1970-er Jahren sind die Kosten von rund 75 Euro auf unter einen Euro pro Watt installierter Leistung gesunken.“

Laut einer Studie von Lazard sind ungeförderte erneuerbare Energien im Neubau billiger als Kohle, Gas und Kernenergie.

E-Mobilität und Photovoltaik noch nicht angekommen bei VW & Co.

Nach der “Dieselgate-Affäre” dachten einige, die deutsche Automobilwirtschaft werde nun endlich von den Wandel zur clean mobility wagen. In diese Richtung drängte ebenfalls eine 24 Milliarden schwere Investorengruppe. Die ARD-Doku “Autoland abgebrannt“ lässt jedoch Zweifel an einer rechtzeitigen Reaktion auf die disruptive Markt-Entwicklung beim Verbrennungsmotor. Wie eng es für die Automobilhersteller werden könnte zeigt die Forschungsarbeit des Amerikaners Tony Seba. Er interpretiert die sinkenden Preise von mit Elektro-Energie betriebenen Fahrzeugen, Batteriesystemen und der Photovoltaik dahingehend, dass sie in ihrer Kombination den disruptiven Wandel entfesseln können. Mehr dazu in einem Vortragsvideo. Wenn Seba recht behält, dann entsteht an dieser Stelle Platz für stark skalierende Geschäftsmodelle.

Der Klimagipfel in Marrakesch wurde nicht “getrumpt”

Die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten warf ihren und seinen Schatten über den Klimagipfel in Marrakesch. Die befürchtete fossile Präferenz spiegelt sich bereits in Personalentscheidungen: Chef der Umweltschutzbehörde? Klimaschutzgegner Scott Pruitt. Außenminister? Der Chef des Erdölkonzerns ExxonMobil, Rex Tillerson. Die gute Nachricht? Die internationalen Verhandlungsführer haben in Marokko frei nach dem Motto “Jetzt erst recht!” und unter der Führung Chinas geliefert. Wie stark der US-Cleantech-Markt einbrechen wird, ist eine andere Frage. Manche hoffen auf Trumps unvoreingenommenen Blick als Geschäftsmann auf nackte Zahlen: Die ökonomischen Fakten erneuerbarer Energien sprechen da eindeutig für sich.

Was fanden Sie in diesem Jahr bemerkenswert?

Wie deuten Sie die Zeichen der Zeit in der Cleantech-Welt? Wir freuen uns über Ihre Gedanken und Diskussionsbeiträge im Kommentarfeld!