Seit Jahren ermittelt und veröffentlicht das am Finanzplatz London gegründete “Carbon Disclosure Project” Daten zu CO2-Emissionen, Klima-Risiken und Reduktionslösungen der  Unternehmen. Im Climate Change Report 2016 – DACH 350+ Edition sollten die Unternehmen auch bewerten, welche Chancen und Risiken der Klimawandel aus ihrer Sicht mit sich bringt. Wie stehen die Aktiengesellschaften zu regulatorischen Ansätzen? Was bedeuten physikalische Klimafolgen für die Unternehmen? Wer eine Green Economy und Klima-Innovationen voranbringen will, der muss sich in die Perspektive großer Unternehmen hineinversetzen können.

145 Unternehmen haben geantwortet. Die auf  Seite 38 dargestellten Veränderungen konnten als Chancen, Risiken oder beides bewertet werden. Zu vielen Fragen haben die Unternehmen genau dies getan. Die Unternehmen hatten auch die Möglichkeit, auf einzelne Fragen nicht zu antworten. Allgemein sehen die Unternehmen mit 120 Nennungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel etwas mehr Chancen als Risiken (111).

Die CDP-Direktorin für die D-A-CH-Region, Susan Dreyer, erklärt die Unternehmenssicht auf Regulationen:

„Bei Regulationsfragen ist die Planbarkeit für die Unternehmen wichtig und dass sie keine nationalen Standortnachteile im globalen Wettbewerb erleiden wollen.“

Große Chance: Produkteffizienz-Standards und Gesetze

Bei den regulatorischen Chancen und Risiken haben die meisten Unternehmen Produkteffizienz-Standards und Gesetze als Chancen genannt (48). Dabei geht es im Wesentlichen um die Ökodesign-Richtlinie, die in der Europäischen Union für die Lebenszyklen energierelevanter Produktgruppen gilt. Mit ihr ist Energieeffizienz in der Anschaffung einfach umsetzbar. Zugleich steigt durch derartige Gesetze die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten. Wie steht es um die Energieeffizienz in der Produktion außerhalb der Wirkungsbereiches der Ökodesign-Richtlinie?

Ich habe Christian Noll
, den Geschäftsführenden Vorstand
 Deutsche Unternehmens-Initiative Energieeffizienz (DENEFF), gefragt, ob die Energieeffizienz nun in produzierenden Unternehmen angekommen sei:

“Energieeffizienz hat im Unternehmensalltag oft einen geringen Stellenwert. Das kann unter Anderem daran liegen, dass Energiekosten nur einen geringen Anteil an der Kostenstruktur haben oder bei einer energieintensiven Industrie daran, dass man laufende Prozesse nicht unterbrechen möchte. Das alles führt oftmals dazu, dass selbst wirtschaftliche Effizienzpotenziale ungenutzt bleiben.”

Risiko: Emissionshandel sowie Steuern auf Energie und CO2

Die größten Risiken werden bei den Aspekten Benzin-/Energiesteuern und Gesetze (46) sowie Emissions-Handelssysteme (40) gesehen. Für diese Bewertung dürften vor allen Dingen die mit diesen regulatorischen Maßnahmen verbundenen höheren Kosten für die Unternehmen verantwortlich sein. Dennoch sehen auch hier 30 bzw. 21 Unternehmen Chancen für sich. Das könnte zum Beispiel daran liegen, dass Unternehmen, die bereits Anpassungen vorgenommen haben, verstärkt auf erneuerbare Energien setzen und nur geringe Mengen CO2 emittieren, Wettbewerbsvorteile für sich sehen.

Swantje Fiedler von der Denkfabrik Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) argumentierte gegenüber dem Deutschlandfunk, dass eine CO2-Steuer der Wirtschaft nicht schaden, sondern Innovationen ankurbeln würde. In bereits 20 Ländern sei dies der Fall. Der Chef-Ökonom des Potsdam Instituts für Klimaforschung (PIK) erklärt,weshalb Finanzminister eine CO2-Steuer bevorzugen könnten:

„Egal ob andere Länder Emissionen besteuern, egal ob der Markt für fossile Brennstoffe fast monopolistisch von der OPEC bestimmt wird oder von perfektem Wettbewerb – nahezu alle errechneten Szenarien zeigen, dass eine CO2-Bepreisung positive ökonomische Auswirkungen hätte. Sogar wenn man den zusätzlichen Nutzen durch verhinderte Klimafolgen außen vor lässt.“

Chancen und Risiken durch physische Klimafolgen

Die größten Chancen ergeben sich aus Unternehmenssicht durch die Veränderung der Durchschnittstemperatur. Es ist anzunehmen, dass steigende Temperaturen eine höhere Nachfrage nach Produkten nach sich zieht, die dem Schutz vor oder der Anpassung an die geänderten Bedingungen dienen. Die Beiersdorf AG geht laut dem CDP-Report zum Beispiel davon aus, durch die heißeren Sommer mehr Produkte wie Deo oder Duschgel verkaufen zu können. Die größten Sorgen bereitet Unternehmen der Aspekt Veränderung der Niederschlagsextreme und Dürren. Zunehmende Wetterextreme können nicht nur für Ernteausfälle im Agrarsektor sorgen, sondern auch, wie beispielsweise die Continental AG befürchtet, für Störungen und Ausfälle in der Lieferkette sorgen und, in extremen Fällen, zu deutlichen Verlusten führen.

Chancen für die Reputation und den Absatz neuer Produkte

In der Kategorie “Andere Chancen und Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel”  wurde die Veränderung des Konsumverhaltens 77-mal als Chance betrachtet. 40-mal hingegen wurde es als Risiko eingestuft. Es gibt viel Platz für Innovationen durch klimaneutrale Produkte. Wie man bei den physischen Klimafolgen gesehen hat, wird auch die Anpassung an den Klimawandel neue Märkte eröffnen.

59-mal wurden Chancen und 50-mal Risiken für die Reputation gesehen. Die Teilnehmer der CDP-Befragung sind sich bewusst, wie bedeutend eine CO2-reduzierende Unternehmensstrategie für ihr Ansehen ist.