Wenn man ein Unternehmen gründen will, ist eine Antwort auf diese Frage nützlich. Das englische “accelerator” beschreibt eine Art Beschleuniger für neu gegründete Start-up Unternehmen. Accelerators sollen einen schnellen Markteintritt, die Gewinnung von Investoren und die Skalierung der jungen Unternehmen ermöglichen.

Ich habe selbst eine kleine Firma im Bereich des Klimaschutzes aufgebaut und weiß, dass man zum Machen eine konkrete und handlungsorientierte Denkweise braucht. Deshalb finde ich die Antworten aus der Gründerpraxis des Accelerators von Climate-KIC so spannend. Die Jungunternehmer erklären selbst, welche Unterstützung ihnen etwas beim Aufbau des eigenen Start-ups gebracht hat.

Martin Baart von Ecoligo sieht das Umfeld für Gründer in Deutschland grundsätzlich positiv:

„Es gibt jede Menge Support für Start-ups in Deutschland, man muss nur die Augen und Ohren offen halten. Entscheidend ist, sich frühzeitig ein Netzwerk aufzubauen, offen zu sein und mit verschiedenen Menschen ins Gespräch zu kommen, um letztlich die richtigen Unterstützer zu finden. Ein Accelerator kann dabei ein zentraler Bestandteil sein.“

Das eigene Netzwerk leichter aufbauen

Wie Martin hat das Netzwerken allen Teilnehmern des Climate-KIC Accelerators besonders viel gebracht. Es beginnt in direkter Nachbarschaft, wenn man seinen Platz in der Green Garage ergattert hat:

„Am spannendsten ist aber, dass man im Accelerator mit anderen Gründern in direktem Kontakt ist und sich gegenseitig hilft. Oft haben die anderen Teams schon Erfahrungen in bestimmten Bereichen gesammelt, von denen man dann profitieren kann. Man muss nur nachfragen!“

Ein gutes Netzwerk ist der Zugang zu Investoren, Wissen und vielfältiger Unterstützung. Im Gespräch lernt man am besten seinen Markt kennen und „wie der Hase läuft” – sprich, welche Gepflogenheiten und Marktmechanismen bestehen und was wirklich gebraucht wird. In einem guten Netzwerk weiß man, auf wen man sich verlassen kann. Wenn man etwas von anderen Geschäftsleuten will, dann gelingt dies immer dann einfacher, wenn jemand den Kontakt “vorgewärmt” hat. Alles allein schaffen und können zu wollen, kann nur zum Scheitern verurteilt sein.

In diesem Zusammenhang ist eine Studie des Versicherers AXA aus dem Jahr 2014 interessant. Impulse.de zitiert die Interpretation der Studienergebnisse von Konzernvorstand Schumacher:

„Die Studie zeigt, dass Netzwerken für Gründer von enormer Bedeutung ist – und große Unternehmen dabei als gute Partner gesehen werden.“

Die Studie selbst besagt, dass 81 % der Deutschen meinen, bestehende Unternehmen sollten mehr mit jungen Firmen oder Unternehmensgründern für Innovationen zusammenarbeiten. Befragt wurde eine für den Bevölkerungsquerschnitt repräsentative Stichprobe von 1034 Teilnehmern. Diese besteht jedoch nur zu einem verschwindend geringen Teil aus Jungunternehmern.

Ich würde das Ergebnis anders interpretieren. Bestehende Unternehmen brauchen frische und innovative Köpfe aus Start-up-Unternehmen. Den Gründern selbst würde ich zu einer unternehmerischen Emanzipation raten. Wenn die Zusammenarbeit dem eigenen Wachstum hilft und strategisch passt, dann ist es wunderbar. Partner können große und kleine Unternehmen sein.

Sobald aber versucht wird, die unternehmerische Gestaltungsfreiheit und Unabhängigkeit übermäßig einzuengen, sollte die Balance der Partnerschaft hinterfragt werden. Gerade bei “alten Hasen” muss man aufpassen, dass die eigenen Interessen des “Jungspundes” gewahrt bleiben. Weniger wichtig wird dies erst, wenn man sein Unternehmen verkaufen will.

Kundenkontakte einfacher knüpfen

Pendula

Start-up Nacht im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin.
Pendula Gary Lewis CEO. Melina Muñoz CMO.
Photograf: Espen Eichhöfer

Auf Kundenkontakte passt das Sprichwort “aller Anfang ist schwer” wie die Faust auf das Auge. Gerade zu Beginn sind ein lebendiges Netzwerk und die speziell dafür organisierten Events enorm hilfreich, um Kunden und Investoren zu finden.

So freute sich auch Dr. Niels Beisinghoff über eine besondere Bühne. Er konnte beispielsweise Bettertaxi dank Climate-KIC auf dem Ecosummit präsentieren. Auch Melina Muñoz von Pendula hat von einem dieser Events profitiert:

“Wir haben vermittelt durch Climate-KIC bei dem CDP Climate Leadership Award der DACH Region Pendula auf der Bühne vorgestellt. Daraus hat sich unser erster Pilot-Kunde ergeben.”

Melina betonte zugleich die Fähigkeiten, die man im Accelerator erlernt. Kundenkontakte nützen nur, wenn man sie auch nutzen kann. Dafür muss man beispielsweise die Präsentation seines Start-ups in einem “Pitch” lernen:

“In der Green Garage lernen wir alle zwei Wochen, über unterschiedliche Themen, die uns als Gründer sehr wichtig sind. Beispielsweise: KPIs, Investitions-Strukturen und Pitching Skills.”

Die Hilfe bei der Finanzierung ist enorm wichtig

Damit die Finanzierung gelingt, braucht man ein Gesamtpaket. Kontakte, Gelegenheiten und ein überzeugendes Auftreten sind nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass man ein attraktives Produkt und Geschäftsmodell hat. Im Accelerator wird bei der Ausarbeitung des Geschäftsmodells unterstützt.

Für Philipp A. Pausder, einem der Gründer von Thermondo, war ein Einzelcoaching besonders wertvoll:

„Das Netzwerk, z.B. hatte ich ein 1on1 mit Jigar Shah, welches uns strategische Schärfe gegeben hat.“

Jigar Shah hat den “Carbon War Room” federführend aufgebaut. Es handelt sich um den Cleantech Accelerator von Richard Branson, der ebenfalls marktgetriebene Lösungen für eine CO2-freie Wirtschaft unterstützt.

Mit dem Handwerkszeugs kann man richtig was bewegen

Die Antworten der Start-ups thematisieren unternehmerische Grundlagen – die Befähigung, etwas Innovatives in der Wirtschaft bewegen zu können. Viel wichtiger bleibt dabei eine globalere Leistungsfrage: Wie gelingt es, einen echten und ernst gemeinten Vorteil für das Klima zu leisten und gleichzeitig “die Schäfchen ins Trockene zu bringen?” Das funktioniert ja nur dann, wenn man sich und sein Team dauerhaft mit Ressourcen versorgen kann.

In der letzten Woche haben wir aus dem Erfahrungsschatz der Start-ups Hinweise geborgen, woran man erkennt, ob man ein Unternehmertyp ist. Wenn Du dich für eine sinnstiftende Gründung im Klimaschutzsektor interessierst, dann schau Dir den größten Cleantech-Accelerator Europas an. Für die nächste Runde kann man sich bis zum 7. Februar bewerben.